0194

Dein Beat schlägt alles, was ich zu kennen glaubte
und wundgetreten drückt der Schuh an der Ferse.
Am Anfang war ich der Verlegenheit auf der Spur
und gebährte mich selbst in mein Leben,
zurück und gleich wieder von vorne.
Wir beide. Wie für uns gemacht.
Zwischenräume füllen wir zwischenzeitlich mit der Zuversicht vergangener Jahre auf.
Dabei haben wir die Loyalität eines Hundes und die Treue eines Schwurs in uns,
beschenken den Augenblick mit dem Augenzwinkern eines verliebten Paares.
Loben den Tag vor dem Abend,
obwohl das nicht erlaubt ist und mancherorts gar verboten.
Da sind wir nun, ganz nah an der Wahrheit
und doch meilenweit davon entfernt, ans Ziel zu gelangen.
Manche sagen, Wege muss man gehen, damit sie entstehen
und Schritte folgen einem auf dem Fuss und Schatten werfen ihre Schatten voraus.
Wer weiss schon, was davon zu halten ist.
Bedanken kann ich mich hinterher.
Die Krume bricht den Bauern nicht,
aber pflanze ich mein Herz in den Acker vor Deinem Gesicht,
so wächst im Frühling eines Jahres das versprochene Leben.
Verabreden wir uns aus der Ferne für ein Wiedersehen,
so werden wir uns wieder sehen.
Sollte ich Dir fremd erscheinen, gib mir die Möglichkeit, mich Dir vorzustellen.
Ich möchte Dich nicht verpassen, Du bist mir nah
und ich sehne mich nach der Weite in Dir.
Wir ernten, was wir säen.

0193

Momentan verstehe ich nur Bahnhof.
Aus Mangel an Beweisen lasse ich die Beweislage unter Verschluss,
während ich mich verstohlen um jede Ecke stehle
und nur das glaube, was ich sehe.
Mein Superlativ wird zu Deinem Regulativ,
relativ einfach könnte ich mich aus diesem oder jenem Fenster lehnen,
zuschauen, ohne wirklich dabei zu sein.
Doch die Fenster lecken stumm ihre Wunden,
verraten keiner Silbe Klang,
verschliessen die Lider,
sperren das Äussere aus
und kochen in der Mittagshitze die Geschichten zu Brei.
Der Raum um mich herum wird zu einem Raum in mir,
unter ferner liefen laufen die Tränen
und alle Möbelstücke nehmen Reissaus.
Nur in der Mitte ist der Kopf in der Waage,
ich fühle von der Hüfte aufwärts den Punkt
und drücke mich in meinem Schatten am besten aus.
Meine Füsse sind schwarz wie Zement,
der letzte Schritt ist wahrscheinlich Jahre her.
Staubgetragen schwirren die letzten Erinnerungen an mir vorbei,
wie Mondschnee liegt das Leben auf mir,
ein leeres Zimmer verschlingt mich im nächsten Moment.
Ich habe der Finger zehn und verstecke mich wie die Faust
am liebsten in den Taschen anderer Leute Jacken,
trage bewusst des Bügels Falte und lasse das Knie am besten gerade.
Schön wenn es Menschen gibt, die mich verstehen.

0192

Ich schüttele den Herbst für Dich.
Eifersüchtig blickt der Sommer der kommenden Jahreszeit hinterher
und wie Popcorn hängen die  Tage in den gelebten Winkeln einer verschwenderisch grosszügigen Stimmung.
Mit einer grimmigen Zärtlichkeit trage ich das Kleid einer wunschlosen Zukunft an mir,
der Körper zerfällt wie welkes Laub in meinen Händen.
Das schlechte Gewissen erinnert mich daran,
den Kalender mit den Stürmen meines Lebens zu bebildern.
Den Drachen aus meiner Kindheit führe ich an der Schnur zum Erwachsenwerden in Versuchung.
Zahnlos beisst mein Verlangen in ein weniger appetitliches für und wieder,
ich verdaue einen Tag nach dem anderen.
Zupfe mir an Geburtstagen die Haare aus den Ohren, aber hören kann ich nicht.
Klebe mir die Bilder auf die Augen. Stumpf liegt eine Brille im Regal.
Was ich dann sehe, ist einzig ein Quell aus Übertreibung und dem Wunsch, der Zeit den Kragen zuzuknöpfen.
Ich neige zum Phototropismus, möchte niederknien am hellsten Tag und schenke der Sonne mein Licht .
Die Wahrheit. Sie ist einzig eine Lüge.

/leserstimmen

 

„Dazu fällt mir absolut nichts ein.“
(Christoph)

„Hervorragende Texte.“
(Ewa)

„Schön und traurig.“
(Britta)

„Genialisches Projekt. Passt in keine Schublade. Große Klasse. Erste Liga.“
(Peter)

„Ich sach man so: Der Matuschinski ist Abendkleid, Jogginghose aber auch der Jeanstyp, ist Sturmfrisur und Seitenscheitel aber auch Zahnseide und Nagelfeile, Liegerad und Luftballon, ist Motorsäge und Klaviersaite, Lederhose und Stringtanga, ist Underberg und Rotwein, ist Achterbahn und Beerdigung, ist Zahn-OP und Rückenmassage, ist letztendlich Schmerz, Fluch und Segen zugleich.“
(Fred)

„Mittlerweile fühle ich mich provoziert und verarscht!“
(Ulrike über das Promoschinski-Video)

„Wunderschön!“
(Sanne)

„Bei den Schinskis wird an Qualität nicht gespart. Und obendrauf bekommt man noch gute Laune. Und das alles umsonst …“
(Jürgen)

„Starke Worte!“
(Matthias)

„Ich finde es einfach nur blöd!“
(Ursula)

„Definitiv der Butter LINDNER unter den Blogs!“
(Marco)

„O espanto surge na magia do detalhe que me abraça pelo poder da imagem e me leva num sonho, não planeado, pela força da palavra. ADORO. Trabalho excelente que me faz querer ver, ver, ver mais e mais, e me deixa curiosa: que virá a seguir?!“
(Laura)

„Schön, die vielen verschiedenen Stimmen zu hören. Was ich von den Texten halten soll, weiß ich nicht. Aber schlecht sind sie nicht.“
(Anke)

„Poetry Slam meets Modern Art. Erfrischende Abwechslung im Einheitsbrei sonstiger Blogs.
Chapeau messieurs!“
(Jens)

„Das ist großartige Poesie! Bitte 1.000.000 Aufrufe !!!!!“
(Susanne)

„Die Gedichte und Fotos können einen süchtig machen!“
(Elke)

“Also, der Matuschinski, das ist nicht so meins … zu schnodderig und oft so gewollt intellektuell … nee, nee!“
(Barbara)

„Großartig!“
(Arne)

„VERY COOL!“
(Paul)

„Correspondances! Jam session projetée sur l’écran, ping-pong improvisé entre l’oeil et le verbe … Matuschinski, tu dévores la vie à pleines dents!“
(Céline)

„Tolles Projekt!“
(Lutz)

„Gefällt mir gut!“
(Stefan)

„Ah— beautiful and cruel language! [ … ] what i totally like is your HYPERPERSONAL approach to the things, to photography, art if you will. [ …] In this era, pictures only mean nothing. They are with too much. Hurdles of them. They blind us. Stories, I want them. You give them.“
(Reyer)

„Ich find’s eigentlich ganz cool …“
(Anne)

„Außergewöhnliches Strickmuster [ … ] ein Feuerwerk von messerscharfen Fotos [ … ] mit prallem Humor eingerahmt in ebenso poetische Texte [ … ] weckt die Neugierde [ … ] Gelungenes Kunstprojekt. [ … ] Da haben sich 2 gefunden. Was bestimmt auch Verleger und Liebhaber findet. Weiterstricken!“
(Ulrike)

„Ich habe ein neues Lieblingsbild [ … ] das gefällt mir richtig gut. Aber der Rest kann sich auch sehen lassen. Sind immer schöne kleine Ausflüge, ob unterwegs, beim Frühstück oder Abends mit den Liebsten auf dem Sofa. Auch in der Bahn macht Ihre Seite eine gute Figur, am Strand … gar keine Frage.“
(Marcus)

 

Hinweis:

Alle obenstehenden Leserstimmen sind echt und haben uns auf verschiedenen Wegen genauso erreicht.

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0191

Spätestens wenn der gordische Knoten das All zerschlägt
sind alle Aquarien gefüllt mit Stromgewittern.
Diese platzieren ihre Blitze und füllen das Auge mit Lichtgestalten,
Du legst Deinen Kopf in Abrahams Schoss und schaust zu.
Läufst von Pontius zu Pilatus,
die Meere übertreten ihre eigenen Grenzen
und von überall kommen Stimmen und tanzen wie Seepferdchen vor dem Abgrund,
ein Schritt und es reisst Dir die Zügel aus der Hand.
Wenn Du Dir einmal, ein einziges Mal nur,
aus wässrigen Fäden ein Gespinst zusammennähst aus Verzweiflung und Wut,
aus Schönheit und einer angeborenen Unsicherheit,
aus Übermut und den Blicken der anderen,
dann werden sich Deine Schatten brechen wie eine zerschlagene Scheibe,
die in einer Wand aus Wasser Feuer fängt
und Du vom Saulus zum Paulus geworden bist.
Ein Moment von betörender Schönheit.

0190

190_S

 

Am Ende zerreisst die Stille den Ton,
kein Sterbenswörtchen zu niemandem. Wer bist Du.
Dort am Lichtufer verschwimmt die Wirklichkeit,
verhafte Dich in der Oberfläche und reibe Dir die Augen trocken.
Du bist so viele und selten allein, Selbstgespräch unter Freunden.
Unsicher schauen Dir fremde Blicke hinterher und klar ist nur die Klossbrühe.
Mucksmäuschenstill schleichen sich die Fehler ein und auf sie mit Gebrüll.
Fokussiere Deine Gedanken, fessele Deine Gefühle und schenke dem Trost Deine Flügel.
Male Dir selten genug ein Gesicht unter die Stirn,
setze die Segel in den Wind,
sei Steuermann, Matrose und Kapitän zugleich
und füttere die Nächte mit Deinen Träumen.
Wirf Dich am Ende Deiner Reise den Fischen zum Frass vor
und lebe fortan in den Mägen der großen Wale,
sei dem Wasser ein guter Freund.
Reihe Dich ein in Deine Bestimmung.
Lass es geschehen.
Der Herr. Er ist Dein Hirte.

 

0189

189_S

 

Ich lese in den Spuren, lese in Dir.
Reisse an dem Riemen und verachte dabei meine Bestimmung.
Finde keine Ruhe und gehe mir unter die Haut,
wenn das Korn in den Hafer sticht und dabei blind wird vor Wut,
hängt 3 Faden tief der Hühnerhabicht und hilft bei der Suche, der Süchtigen.
Milde gestimmt umkreist er dabei seinen unsichtbaren Feind,
bleibt seiner Seele treu und traut seinen Augen nicht.
Gleicht auch ein Ei dem anderen, so hat nur Einer etwas davon.
Der Rest geht an die Diebe.
Trägt dann und wann eine Skulptur ein Kleid aus Federn,
täuscht wahrhaft Interesse vor,
bringt es den Betrachter in Verlegenheit
und den Fuchs um den Verstand.
Für Euch übernachte ich in den Kopfkissen oder den Töpfen oder in den Baumwipfeln.
Manchmal auch in Euren Köpfen oder kurz darüber.
Der Wecker ist mein bester Freund.
Ich schmeisse Euch aus Eurer Verlegenheit und bin niemals selbstverständlich.

 

0188

188_S

 

Wäre ich aus Glas, ich  könnte  zerbrechen.
Wäre ich aus Licht, so könnte ich verbrennen.
Wäre ich eine Entfernung, ich könnte überwinden die Distanzen.
Wäre ich eine Erinnerung, denke bitte öfter an mich.
Wäre ich ein Gewissen, ertränke es in mir.
Wäre ich ein Empfinden, wie sensibel darf ich sein.
Wäre ich die Kälte, erfrieren würde ich in mir selbst.
Wäre ich ein Weg, drei Farben blau weisen die Richtung.
Wäre ich ein Erdbeben, halte Dich fest an mir.
Wäre ich ein Sturm, atme mich ein.
Wäre ich ein Wimpernschlag, so wäre ich ein Zwinkern im Gegenüber.
Wäre ich eine Einbildung, was bilde ich mir darauf ein.
Wäre ich ein Gespräch, wir hätten eine tolle Unterhaltung.
Wäre ich eine Melodie, wie würde ich klingen.
Wäre ich eine Herzlinie, bitte lasse sie niemals gerade verlaufen.
Wäre ich eine Stimme, ich würde sie Dir leihen.
Wäre ich eine Landschaft, begrüßen würde ich Deine Schritte in meiner Umgebung.
Wäre ich eine Scheibe, doch drehen ließe ich mich nicht.
Wäre ich aus Wasser, betrinke Dich an mir .
Wäre ich ein Kontinent, ein unbekannter, ich würde mich ungern erobern lassen.
Wäre ich der Mond, wohl von blauer Sonne angelacht.
Wäre ich wie Du, wie erkläre ich Dir das.
Wäre ich aus Glas, ich würde zerspringen.
Tausendfach.

 

/mediaservice

 

Matu & Schinski werben nicht besonders aktiv für sich.

Sie zwitschern ein bisschen (@schinskimatu)
aber ihre Reichweite endet wahrscheinlich – abstandsregelkonform – am Zaun ihrer Schrebergärten.
Die beiden wischen ihre Smartphones lieber in den Flugmodus,
gehen Klavier üben,
spalten Holz und Haare,
hören Andy Partridge
oder geniessen die himmlische Ruhe bei ausgedehnten Spaziergängen in den Funklöchern dieser Welt.

Deshalb ist – nüchtern betrachtet – die Wahrscheinlichkeit, unbekannt und
unerkannt zu bleiben, recht hoch.

Für den Fall, daß die Damen und Herren aus den Feuilletons und Verlagen trotzdem über unsere Rohdiamanten stolpern sollten (Ja! Entdecken Sie uns! Das sichert Ihnen dickes Lob Ihres Ressortleiters und uns eine Runde Ruhm am Revers … !), haben wir hier vorsorglich ein kleines Textbaustein-Archiv für Sie eingerichtet, aus dem Sie sich großzügig bedienen dürfen:

 

„Feinfühlige Poesie auf zwei Kanälen …“

(Vorarlberger Nachrichten)

——-

„Poetisches Auge trifft auf sprachliche Urgewalten …“

(FAZ)

——-

„Matus Worte schlagen mächtige Funken auf den Bildern von Schinski. Wir warten mit grosser Spannung auf das angekündigte Buch!“

(Berliner Zeitung)

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„Jonathan Safran Foer trinkt Mezcal mit Martin Parr [ … ] und der Horizont verdunkelt sich …“

(ZEIT-Magazin)

——-

„Netflix war gestern!“

(hubbabubb auf Facebook)

——-

„#süchtig. #matuschinski sind #salzundpfeffer auf dem #schaummeinertage …“

(sparklehorse69 auf Twitter)

——-

„Apokalyptische Schenkelklopfer“

(NZZ)

 

Hinweis:

Alle obenstehenden Rezensionen sind kompetent erstunken und erlogen, können aber durchaus Spuren von Wahrheit enthalten.

 

0187

187_S

 

Leere Deine Spiegel,
säubere Deine Nägel
und male Dir ein Fenster,
wirf den Schaum Deiner Träume in ein Auge blau.
Im Handumdrehen schmiedest Du Pläne,
heftest Gespenster in den Tag,
bringst mich um den Verstand.
Dann ziehen wir weiter, wir beide.
Mit der Unvernunft eines Teenagers und dem Wissen alter Männer.
Erfinden die Geschichte neu,
die Geschichten schreiben sich wie von selbst.
Verlieren uns.
Erfinde Du Dich neu.
Zwischenzeitlich lässt Du Deinen Blickwinkel vorüberziehen.
Und wirst überrascht sein von den Dingen.
Vielleicht von Dir. Vielleicht auch nicht.
Ich habe Dir so viel zu erzählen und weiß nicht wie.
Du fühlst, was Du fühlen willst und wirst verfolgt.
Von einem Meer voller Lichter,
von den Ängsten Deiner Angst
und den Feinden deiner Freunde.
Von früher oder dem morgigen Tag.
Trinke nur so viel Farben wie es Stimmungen gibt
und streiche Deine Schlafzimmerdecke unbedingt im Pyjama.
Fische mit der ersten Sonne den Tag aus der Nacht,
feile an den übrigen Stunden
und verlasse Dich auf Dein Bauchgefühl .