0178

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Tagein, tagaus wäscht eine Hand die andere,
die letzte wäscht das Gesicht.
Blind vor Zuneigung kraule ich die Bilder in meinem Kopf
und hüte mich, wie der Schäfer seine Schafe.
Bin ich der, den die Anderen in mir sehen wollen,
oder hat mich meine Geburt vertauscht.
Habe ich mich in mein Ich verliebt,
heute scheint mich der Tag zu vergessen.
Leise treibt mich die Zeit vor sich her.
Bin ich ein Astronaut im Dunstkreis meiner Umlaufbahn,
ein Taucher, der im Wasserglas ertrinkt.
Ein Schauspieler, den die letzte Einstellung erschiesst.
Ein Pilot, der Flugangst hat.
Ein Pfarrer, der vor allem sich selbst nicht mag.
Ein Seiltänzer, der Höhenangst hat.
Oder bin ich ein Verräter, mit der Furcht davor, selbst verraten zu werden.
Jetzt lege ich mir noch ein Kissen zurecht,
schaue aus mir heraus
und meine, zu verstehen.
Sicher bin ich mir nicht.
Sicher ist nur das Amen in der Kirche.

 

/mediaservice

 

Matu & Schinski werben nicht besonders aktiv für sich.

Sie zwitschern ein bisschen (@schinskimatu)
aber ihre Reichweite endet wahrscheinlich – abstandsregelkonform – am Zaun ihrer Schrebergärten.
Die beiden wischen ihre Smartphones lieber in den Flugmodus,
gehen Klavier üben,
spalten Holz und Haare,
hören Andy Partridge
oder geniessen die himmlische Ruhe bei ausgedehnten Spaziergängen in den Funklöchern dieser Welt.

Deshalb ist – nüchtern betrachtet – die Wahrscheinlichkeit, unbekannt und
unerkannt zu bleiben, recht hoch.

Für den Fall, daß die Damen und Herren aus den Feuilletons und Verlagen trotzdem über unsere Rohdiamanten stolpern sollten (Ja! Entdecken Sie uns! Das sichert Ihnen dickes Lob Ihres Ressortleiters und uns eine Runde Ruhm am Revers … !), haben wir hier vorsorglich ein kleines Textbaustein-Archiv für Sie eingerichtet, aus dem Sie sich großzügig bedienen dürfen:

(1)
„Feinfühlige Poesie auf zwei Kanälen …“
(Vorarlberger Nachrichten)

(2)
„Poetisches Auge trifft auf sprachliche Urgewalten …“
(FAZ)

(3)
„Matus Worte schlagen mächtige Funken auf den Bildern von Schinski. Wir warten mit grosser Spannung auf das angekündigte Buch!“
(Berliner Zeitung)

(4)
„Jonathan Safran Foer trinkt Mezcal mit Martin Parr [ … ] und der Horizont verdunkelt sich …“
(ZEIT-Magazin)

(5)
„Netflix war gestern!“
(hubbabubb auf Facebook)

(6)
„#süchtig. #matuschinski sind #salzundpfeffer auf dem #schaummeinertage …“
(sparklehorse69 auf Twitter)

Hinweis:

Alle obenstehenden Rezensionen sind kompetent erstunken und erlogen, können aber durchaus Spuren von Wahrheit enthalten.

 

0177

177_S

 

Die Wahrheit ist, dass der lügt, der flüstert.
Dass der Faktor Unsicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielen könnte.
Der Ausdruck trägt eine Gleichgültigkeit durch die Gruppe,
es macht den Anschein einer Gleichförmigkeit, jeder ist individuell.
Vergiss den Auftrag. Deinen Weg. Deine Vorsätze.
Gut, wenn man welche hat,
aber verkaufe sie an den Krämer am Ende des Lichts.
Strecke Dich, übernehme den Tag.
Zeige Dich und Du wirst erkennen.
Gib den Anderen eine Vorstellung, damit sie im Ansatz eine Ahnung bekommen,
wie etwas entstehen kann, was der Wind mit unseren Köpfen macht.
Wohin die Sonne auch scheint, Du wirst vor ihr da sein.
Die List ist die Schwester der Tücke.
Wende sie an, wenn niemand es von Dir erwartet.
Der eine Narr traut dem anderen nicht,
nimmt den Vorwand als Gerüst aus Langeweile und Zeitvertreib.
Und hier und da stehen die Lügen auf kurzen Beinen,
wispern Dir ihre Versionen in die Poren.
Ein Vulkan bricht am Ende die Lanze
und die Mehrzahl hat mehrfach recht gehabt mit der Aussage,
die Hingabe sei die Mutter jeden Anfangs.

 

0176

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Als ich mich aufmachte, meine Erinnerungen zu besuchen,
verbrannten sich auf dem Weg dorthin alle Vorbilder.
Ich streute mir ihre Asche auf mein Haupt
und fing die entlaufene Angst wieder ein.
Zahnlos nagte sie in mir
und ich bat sie nun,
mich nicht mehr zu ängstigen.
Ich log sie an und streichelte die verkohlten Schatten,
ihre Augen glühten laut.
Langsam schlief die Umgebung ein
und bevor der Hahn die Henne weckt,
waren meine Ideale verschwunden.
Der Weg lief weiter am Geschehen vorbei
und ich wusch meine Hände mit ihrer Asche rein.
Wer hat gesehen, wie ihnen geschah
und welch Gnade erfährt die späte Geburt.
Im Sommer brennen die Wälder.
Sachdienliche Hinweise bitte an die nächste Polizeidienststelle
oder an das Matuschinski Hauptquartier.

 

0175

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Du führst mich an der Nase herum,
Deine Hüfte verschmilzt das Eis in meiner,
Dein blütenweiches Gesicht ruht auf der schwerelosen Schulter.
Bevor es gar nicht mehr geht, schwebt das Parkett auf und davon,
unsichtbar schweisst uns eine wässrige Melodie zusammen.
Ich glaube, noch schöner, als bis an den Rand unserer Gefühle zu tanzen,
wäre es, in Deinen Armen sterben zu dürfen.

 

0174

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Es war einmal eine Geschichte,
die hat sich schnell selbst erzählt.
Es war einmal ein Bild,
das kam in beträumten Tagen zu mir.
Es war einmal ein Abenteuer,
das war gefährlicher als die Liebe.
Es war einmal ein Tag,
der wurde jeden Tag neu geboren.
Es war einmal eine Idee,
die wurde geklaut, von einer anderen.
Es war einmal ein Freund,
den man am besten nie vergisst.
Es war einmal ein Vergnügen.
Nichts spricht dagegen, vergnüglich zu sein.
Es war einmal ein Gefühl,
das hatte eine Farbe. Und einen Klang.
Es war einmal eine Lüge,
die war grausamer als die Wahrheit.
Es war einmal ein Augenblick,
der war kürzer als ein unausgesprochenes Wort.
Es war einmal eine Umarmung,
die war näher, als man sich selbst nah sein kann.
Es war einmal ein Feuer,
das schlug mit seinen brennenden Flügeln nach mir
und erklärte sich bereit, mein Liebhaber zu sein.

 

Alle Texte © Matu
Alle Bilder & Videos © Schinski

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