0197

Der traut sich was.
Denn wer nicht bei drei die Flinte vom Baum wirft, ist aufgeschmissen.
Der Tannenbaum ist völlig aus dem Häuschen und Du flippst aus,
im Winter schneit es Nadeln,
im Sommer liegt der Schnee zentimetertief.
Er ist ein Bruder des Regens,
Aufklärung ist hier Nebensache. 
Angenehm, aber Du könntest mir sehr gefallen,
bist ein Quell der Freude.
Das ganze Jahr und im nächsten – schauen wir mal.
Ergib Dich, Du bist umzingelt.
Von trostloser Neugier und dem Klimawandel.
Weihnachten ist noch so weit entfernt
und Du fliehst mit der Hitze in den Süden,
dort wo alle anderen Urlaub gemacht haben.
Früher.
Jetzt machen wir Urlaub von uns selbst,
umarmen Deine Rinde, dann und wann.
Au weh, mein kleiner Nadelbaum,
so will mich Dein Kleid noch etwas lehren,
grün ist die Hoffnung.
Mir wird übel, hätte ich nur auf Dich gehört.
Gib mich bitte nicht auf.
Wie werde ich nur schlau aus Dir, aus mir.
Dein verlorenes Kleid.
Es hätte mich lehren können.

/mediaservice

 

Matu & Schinski werben nicht besonders aktiv für sich.

Sie zwitschern ein bisschen (@schinskimatu)
aber ihre Reichweite endet wahrscheinlich – abstandsregelkonform – am Zaun ihrer Schrebergärten.
Die beiden wischen ihre Smartphones lieber in den Flugmodus,
gehen Klavier üben,
spalten Holz und Haare,
hören Andy Partridge
oder geniessen die himmlische Ruhe bei ausgedehnten Spaziergängen in den Funklöchern dieser Welt.

Deshalb ist – nüchtern betrachtet – die Wahrscheinlichkeit, unbekannt und
unerkannt zu bleiben, recht hoch.

Für den Fall, daß die Damen und Herren aus den Feuilletons und Verlagen trotzdem über unsere Rohdiamanten stolpern sollten (Ja! Entdecken Sie uns! Das sichert Ihnen dickes Lob Ihres Ressortleiters und uns eine Runde Ruhm am Revers … !), haben wir hier vorsorglich ein kleines Textbaustein-Archiv für Sie eingerichtet, aus dem Sie sich großzügig bedienen dürfen:

 

„Feinfühlige Poesie auf zwei Kanälen …“

(Vorarlberger Nachrichten)

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„Poetisches Auge trifft auf sprachliche Urgewalten …“

(FAZ)

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„Matus Worte schlagen mächtige Funken auf den Bildern von Schinski. Wir warten mit grosser Spannung auf das angekündigte Buch!“

(Berliner Zeitung)

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„Jonathan Safran Foer trinkt Mezcal mit Martin Parr [ … ] und der Horizont verdunkelt sich …“

(ZEIT-Magazin)

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„Netflix war gestern!“

(hubbabubb auf Facebook)

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„#süchtig. #matuschinski sind #salzundpfeffer auf dem #schaummeinertage …“

(sparklehorse69 auf Twitter)

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„Apokalyptische Schenkelklopfer“

(NZZ)

 

Hinweis:

Alle obenstehenden Rezensionen sind kompetent erstunken und erlogen, können aber durchaus Spuren von Wahrheit enthalten.

 

0196

Nachdem ich verschwenderisch den Abend verschüttete,
trieb mein Körper in einem Meer aus grüner Endlichkeit in eine wahrscheinliche Erkenntnis.
Als Assistent in einer abstinenten Abhängigkeit hoben sich die Gläser
und verschwörerisch steckten wir die Köpfe ineinander.
Theoretisch veralgen langsam die Sinne, denn wo gehobelt wird, da wird auch geweint.
Wenn dann die Gesichter der anderen im Absinth-Nebel verschwinden,
fische ich mir noch im weggehen die besten Momente aus der Stimmung,
entkomme dem Schwindel nicht und lüge mich durch ein Geflecht aus Wahrheit und Pflicht.
Beim Blick über die Schulter empfinde ich eine Zärtlichkeit,
die mich immer dann begleitet, wenn ein Abschied droht.
Verletzt wirkt ein letzter Gruss und die Hand wischt schnell ein Auge trocken,
als wäre es eine Träne der Freude.

Alle Texte © Matu
Alle Bilder & Videos © Schinski

Bei Interesse an Bild-,Text-, Video- oder Audionutzungen,
oder wenn Sie mit uns einen late bottled vintage trinken möchten

senden Sie bitte eine Mail an

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oder tweeten einen Tweet an:

@schinskimatu

Sämtliche Bilder, Texte Videos und Audios auf den matuschinski-Webseiten sind ausschliesslich zum Betrachten und Hören bestimmt. Keines der Bilder, Audio, Videos und keiner der Texte darf in welcher Form auch immer ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Urheber gespeichert, reproduziert oder in sonstiger Form genutzt werden.

Auf unsere Webseiten darf gelinkt werden.

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0195

Ich habe einen Traum.
Der versteckt sich am helllichten Tag in einer kiefernadelspitzigen Lichtung.
Ich habe einen Traum.
Der hat sich in einen nebligen Schlaf verliebt.
Ich habe einen Traum.
Der hat viele Gesichter, die hängen wie Früchte an einem Baum.
Ich habe einen Traum.
Der wirft mich hoch in die Luft, gräbt mich ins Erdreich ein.
Ich habe einen Traum.
Der ist zu schön, um ihn nur zu träumen. 
Ich habe einen Traum.
Der ist wie ein Freund all dieser schönen Stunden.
Ich habe einen Traum.
Der fault in meinen Gedärmen, beisst mir ins Gesicht.
Ich habe eine Traum.
Der betrinkt sich an mir. 
Ich habe einen Traum.
Der verbrennt sich am Tage seiner Auferstehung.
Ich habe einen Traum.
Der erzählt mir seine Geschichte.
Alle sind gleich und im Wald, da stehen die Bäume.
Dahinter verstecken sich die Menschen.
Und ohne Rücksicht ist der Verlust.
Ich träumte. 
Danach überrascht mich eine nie dagewesene Leere
und während der Atem nach Luft ringt,
bleiben die Bilder hängen wie Pistolenschüsse an einem stillen, taubstummen Sommertag.

0194

Dein Beat schlägt alles, was ich zu kennen glaubte
und wundgetreten drückt der Schuh an der Ferse.
Am Anfang war ich der Verlegenheit auf der Spur
und gebährte mich selbst in mein Leben,
zurück und gleich wieder von vorne.
Wir beide. Wie für uns gemacht.
Zwischenräume füllen wir zwischenzeitlich mit der Zuversicht vergangener Jahre auf.
Dabei haben wir die Loyalität eines Hundes und die Treue eines Schwurs in uns,
beschenken den Augenblick mit dem Augenzwinkern eines verliebten Paares.
Loben den Tag vor dem Abend,
obwohl das nicht erlaubt ist und mancherorts gar verboten.
Da sind wir nun, ganz nah an der Wahrheit
und doch meilenweit davon entfernt, ans Ziel zu gelangen.
Manche sagen, Wege muss man gehen, damit sie entstehen
und Schritte folgen einem auf dem Fuss und Schatten werfen ihre Schatten voraus.
Wer weiss schon, was davon zu halten ist.
Bedanken kann ich mich hinterher.
Die Krume bricht den Bauern nicht,
aber pflanze ich mein Herz in den Acker vor Deinem Gesicht,
so wächst im Frühling eines Jahres das versprochene Leben.
Verabreden wir uns aus der Ferne für ein Wiedersehen,
so werden wir uns wieder sehen.
Sollte ich Dir fremd erscheinen, gib mir die Möglichkeit, mich Dir vorzustellen.
Ich möchte Dich nicht verpassen, Du bist mir nah
und ich sehne mich nach der Weite in Dir.
Wir ernten, was wir säen.

0193

Momentan verstehe ich nur Bahnhof.
Aus Mangel an Beweisen lasse ich die Beweislage unter Verschluss,
während ich mich verstohlen um jede Ecke stehle
und nur das glaube, was ich sehe.
Mein Superlativ wird zu Deinem Regulativ,
relativ einfach könnte ich mich aus diesem oder jenem Fenster lehnen,
zuschauen, ohne wirklich dabei zu sein.
Doch die Fenster lecken stumm ihre Wunden,
verraten keiner Silbe Klang,
verschliessen die Lider,
sperren das Äussere aus
und kochen in der Mittagshitze die Geschichten zu Brei.
Der Raum um mich herum wird zu einem Raum in mir,
unter ferner liefen laufen die Tränen
und alle Möbelstücke nehmen Reissaus.
Nur in der Mitte ist der Kopf in der Waage,
ich fühle von der Hüfte aufwärts den Punkt
und drücke mich in meinem Schatten am besten aus.
Meine Füsse sind schwarz wie Zement,
der letzte Schritt ist wahrscheinlich Jahre her.
Staubgetragen schwirren die letzten Erinnerungen an mir vorbei,
wie Mondschnee liegt das Leben auf mir,
ein leeres Zimmer verschlingt mich im nächsten Moment.
Ich habe der Finger zehn und verstecke mich wie die Faust
am liebsten in den Taschen anderer Leute Jacken,
trage bewusst des Bügels Falte und lasse das Knie am besten gerade.
Schön wenn es Menschen gibt, die mich verstehen.

0192

Ich schüttele den Herbst für Dich.
Eifersüchtig blickt der Sommer der kommenden Jahreszeit hinterher
und wie Popcorn hängen die  Tage in den gelebten Winkeln einer verschwenderisch grosszügigen Stimmung.
Mit einer grimmigen Zärtlichkeit trage ich das Kleid einer wunschlosen Zukunft an mir,
der Körper zerfällt wie welkes Laub in meinen Händen.
Das schlechte Gewissen erinnert mich daran,
den Kalender mit den Stürmen meines Lebens zu bebildern.
Den Drachen aus meiner Kindheit führe ich an der Schnur zum Erwachsenwerden in Versuchung.
Zahnlos beisst mein Verlangen in ein weniger appetitliches für und wieder,
ich verdaue einen Tag nach dem anderen.
Zupfe mir an Geburtstagen die Haare aus den Ohren, aber hören kann ich nicht.
Klebe mir die Bilder auf die Augen. Stumpf liegt eine Brille im Regal.
Was ich dann sehe, ist einzig ein Quell aus Übertreibung und dem Wunsch, der Zeit den Kragen zuzuknöpfen.
Ich neige zum Phototropismus, möchte niederknien am hellsten Tag und schenke der Sonne mein Licht .
Die Wahrheit. Sie ist einzig eine Lüge.

/leserstimmen

 

„Dazu fällt mir absolut nichts ein.“
(Christoph)

„Hervorragende Texte.“
(Ewa)

„Schön und traurig.“
(Britta)

„Genialisches Projekt. Passt in keine Schublade. Große Klasse. Erste Liga.“
(Peter)

„Ich sach man so: Der Matuschinski ist Abendkleid, Jogginghose aber auch der Jeanstyp, ist Sturmfrisur und Seitenscheitel aber auch Zahnseide und Nagelfeile, Liegerad und Luftballon, ist Motorsäge und Klaviersaite, Lederhose und Stringtanga, ist Underberg und Rotwein, ist Achterbahn und Beerdigung, ist Zahn-OP und Rückenmassage, ist letztendlich Schmerz, Fluch und Segen zugleich.“
(Fred)

„Mittlerweile fühle ich mich provoziert und verarscht!“
(Ulrike über das Promoschinski-Video)

„Wunderschön!“
(Sanne)

„Bei den Schinskis wird an Qualität nicht gespart. Und obendrauf bekommt man noch gute Laune. Und das alles umsonst …“
(Jürgen)

„Starke Worte!“
(Matthias)

„Ich finde es einfach nur blöd!“
(Ursula)

„Definitiv der Butter LINDNER unter den Blogs!“
(Marco)

„O espanto surge na magia do detalhe que me abraça pelo poder da imagem e me leva num sonho, não planeado, pela força da palavra. ADORO. Trabalho excelente que me faz querer ver, ver, ver mais e mais, e me deixa curiosa: que virá a seguir?!“
(Laura)

„Schön, die vielen verschiedenen Stimmen zu hören. Was ich von den Texten halten soll, weiß ich nicht. Aber schlecht sind sie nicht.“
(Anke)

„Poetry Slam meets Modern Art. Erfrischende Abwechslung im Einheitsbrei sonstiger Blogs.
Chapeau messieurs!“
(Jens)

„Das ist großartige Poesie! Bitte 1.000.000 Aufrufe !!!!!“
(Susanne)

„Die Gedichte und Fotos können einen süchtig machen!“
(Elke)

“Also, der Matuschinski, das ist nicht so meins … zu schnodderig und oft so gewollt intellektuell … nee, nee!“
(Barbara)

„Großartig!“
(Arne)

„VERY COOL!“
(Paul)

„Correspondances! Jam session projetée sur l’écran, ping-pong improvisé entre l’oeil et le verbe … Matuschinski, tu dévores la vie à pleines dents!“
(Céline)

„Tolles Projekt!“
(Lutz)

„Gefällt mir gut!“
(Stefan)

„Ah— beautiful and cruel language! [ … ] what i totally like is your HYPERPERSONAL approach to the things, to photography, art if you will. [ …] In this era, pictures only mean nothing. They are with too much. Hurdles of them. They blind us. Stories, I want them. You give them.“
(Reyer)

„Ich find’s eigentlich ganz cool …“
(Anne)

„Außergewöhnliches Strickmuster [ … ] ein Feuerwerk von messerscharfen Fotos [ … ] mit prallem Humor eingerahmt in ebenso poetische Texte [ … ] weckt die Neugierde [ … ] Gelungenes Kunstprojekt. [ … ] Da haben sich 2 gefunden. Was bestimmt auch Verleger und Liebhaber findet. Weiterstricken!“
(Ulrike)

„Ich habe ein neues Lieblingsbild [ … ] das gefällt mir richtig gut. Aber der Rest kann sich auch sehen lassen. Sind immer schöne kleine Ausflüge, ob unterwegs, beim Frühstück oder Abends mit den Liebsten auf dem Sofa. Auch in der Bahn macht Ihre Seite eine gute Figur, am Strand … gar keine Frage.“
(Marcus)

 

Hinweis:

Alle obenstehenden Leserstimmen sind echt und haben uns auf verschiedenen Wegen genauso erreicht.

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Wir lesen jeden Kommentar und behalten uns Veröffentlichungen sowie Kürzungen vor.

Besonders euphorische oder vernichtende Kommentare werden bevorzugt behandelt.

 

 

 

0191

Spätestens wenn der gordische Knoten das All zerschlägt
sind alle Aquarien gefüllt mit Stromgewittern.
Diese platzieren ihre Blitze und füllen das Auge mit Lichtgestalten,
Du legst Deinen Kopf in Abrahams Schoss und schaust zu.
Läufst von Pontius zu Pilatus,
die Meere übertreten ihre eigenen Grenzen
und von überall kommen Stimmen und tanzen wie Seepferdchen vor dem Abgrund,
ein Schritt und es reisst Dir die Zügel aus der Hand.
Wenn Du Dir einmal, ein einziges Mal nur,
aus wässrigen Fäden ein Gespinst zusammennähst aus Verzweiflung und Wut,
aus Schönheit und einer angeborenen Unsicherheit,
aus Übermut und den Blicken der anderen,
dann werden sich Deine Schatten brechen wie eine zerschlagene Scheibe,
die in einer Wand aus Wasser Feuer fängt
und Du vom Saulus zum Paulus geworden bist.
Ein Moment von betörender Schönheit.