0190

190_S

 

Am Ende zerreisst die Stille den Ton,
kein Sterbenswörtchen zu niemandem. Wer bist Du.
Dort am Lichtufer verschwimmt die Wirklichkeit,
verhafte Dich in der Oberfläche und reibe Dir die Augen trocken.
Du bist so viele und selten allein, Selbstgespräch unter Freunden.
Unsicher schauen Dir fremde Blicke hinterher und klar ist nur die Klossbrühe.
Mucksmäuschenstill schleichen sich die Fehler ein und auf sie mit Gebrüll.
Fokussiere Deine Gedanken, fessele Deine Gefühle und schenke dem Trost Deine Flügel.
Male Dir selten genug ein Gesicht unter die Stirn,
setze die Segel in den Wind,
sei Steuermann, Matrose und Kapitän zugleich
und füttere die Nächte mit Deinen Träumen.
Wirf Dich am Ende Deiner Reise den Fischen zum Frass vor
und lebe fortan in den Mägen der großen Wale,
sei dem Wasser ein guter Freund.
Reihe Dich ein in Deine Bestimmung.
Lass es geschehen.
Der Herr. Er ist Dein Hirte.

 

0189

189_S

 

Ich lese in den Spuren, lese in Dir.
Reisse an dem Riemen und verachte dabei meine Bestimmung.
Finde keine Ruhe und gehe mir unter die Haut,
wenn das Korn in den Hafer sticht und dabei blind wird vor Wut,
hängt 3 Faden tief der Hühnerhabicht und hilft bei der Suche, der Süchtigen.
Milde gestimmt umkreist er dabei seinen unsichtbaren Feind,
bleibt seiner Seele treu und traut seinen Augen nicht.
Gleicht auch ein Ei dem anderen, so hat nur Einer etwas davon.
Der Rest geht an die Diebe.
Trägt dann und wann eine Skulptur ein Kleid aus Federn,
täuscht wahrhaft Interesse vor,
bringt es den Betrachter in Verlegenheit
und den Fuchs um den Verstand.
Für Euch übernachte ich in den Kopfkissen oder den Töpfen oder in den Baumwipfeln.
Manchmal auch in Euren Köpfen oder kurz darüber.
Der Wecker ist mein bester Freund.
Ich schmeisse Euch aus Eurer Verlegenheit und bin niemals selbstverständlich.

 

0188

188_S

 

Wäre ich aus Glas, ich  könnte  zerbrechen.
Wäre ich aus Licht, so könnte ich verbrennen.
Wäre ich eine Entfernung, ich könnte überwinden die Distanzen.
Wäre ich eine Erinnerung, denke bitte öfter an mich.
Wäre ich ein Gewissen, ertränke es in mir.
Wäre ich ein Empfinden, wie sensibel darf ich sein.
Wäre ich die Kälte, erfrieren würde ich in mir selbst.
Wäre ich ein Weg, drei Farben blau weisen die Richtung.
Wäre ich ein Erdbeben, halte Dich fest an mir.
Wäre ich ein Sturm, atme mich ein.
Wäre ich ein Wimpernschlag, so wäre ich ein Zwinkern im Gegenüber.
Wäre ich eine Einbildung, was bilde ich mir darauf ein.
Wäre ich ein Gespräch, wir hätten eine tolle Unterhaltung.
Wäre ich eine Melodie, wie würde ich klingen.
Wäre ich eine Herzlinie, bitte lasse sie niemals gerade verlaufen.
Wäre ich eine Stimme, ich würde sie Dir leihen.
Wäre ich eine Landschaft, begrüßen würde ich Deine Schritte in meiner Umgebung.
Wäre ich eine Scheibe, doch drehen ließe ich mich nicht.
Wäre ich aus Wasser, betrinke Dich an mir .
Wäre ich ein Kontinent, ein unbekannter, ich würde mich ungern erobern lassen.
Wäre ich der Mond, wohl von blauer Sonne angelacht.
Wäre ich wie Du, wie erkläre ich Dir das.
Wäre ich aus Glas, ich würde zerspringen.
Tausendfach.

 

/mediaservice

 

Matu & Schinski werben nicht besonders aktiv für sich.

Sie zwitschern ein bisschen (@schinskimatu)
aber ihre Reichweite endet wahrscheinlich – abstandsregelkonform – am Zaun ihrer Schrebergärten.
Die beiden wischen ihre Smartphones lieber in den Flugmodus,
gehen Klavier üben,
spalten Holz und Haare,
hören Andy Partridge
oder geniessen die himmlische Ruhe bei ausgedehnten Spaziergängen in den Funklöchern dieser Welt.

Deshalb ist – nüchtern betrachtet – die Wahrscheinlichkeit, unbekannt und
unerkannt zu bleiben, recht hoch.

Für den Fall, daß die Damen und Herren aus den Feuilletons und Verlagen trotzdem über unsere Rohdiamanten stolpern sollten (Ja! Entdecken Sie uns! Das sichert Ihnen dickes Lob Ihres Ressortleiters und uns eine Runde Ruhm am Revers … !), haben wir hier vorsorglich ein kleines Textbaustein-Archiv für Sie eingerichtet, aus dem Sie sich großzügig bedienen dürfen:

 

„Feinfühlige Poesie auf zwei Kanälen …“

(Vorarlberger Nachrichten)

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„Poetisches Auge trifft auf sprachliche Urgewalten …“

(FAZ)

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„Matus Worte schlagen mächtige Funken auf den Bildern von Schinski. Wir warten mit grosser Spannung auf das angekündigte Buch!“

(Berliner Zeitung)

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„Jonathan Safran Foer trinkt Mezcal mit Martin Parr [ … ] und der Horizont verdunkelt sich …“

(ZEIT-Magazin)

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„Netflix war gestern!“

(hubbabubb auf Facebook)

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„#süchtig. #matuschinski sind #salzundpfeffer auf dem #schaummeinertage …“

(sparklehorse69 auf Twitter)

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„Apokalyptische Schenkelklopfer“

(NZZ)

 

Hinweis:

Alle obenstehenden Rezensionen sind kompetent erstunken und erlogen, können aber durchaus Spuren von Wahrheit enthalten.

 

0187

187_S

 

Leere Deine Spiegel,
säubere Deine Nägel
und male Dir ein Fenster,
wirf den Schaum Deiner Träume in ein Auge blau.
Im Handumdrehen schmiedest Du Pläne,
heftest Gespenster in den Tag,
bringst mich um den Verstand.
Dann ziehen wir weiter, wir beide.
Mit der Unvernunft eines Teenagers und dem Wissen alter Männer.
Erfinden die Geschichte neu,
die Geschichten schreiben sich wie von selbst.
Verlieren uns.
Erfinde Du Dich neu.
Zwischenzeitlich lässt Du Deinen Blickwinkel vorüberziehen.
Und wirst überrascht sein von den Dingen.
Vielleicht von Dir. Vielleicht auch nicht.
Ich habe Dir so viel zu erzählen und weiß nicht wie.
Du fühlst, was Du fühlen willst und wirst verfolgt.
Von einem Meer voller Lichter,
von den Ängsten Deiner Angst
und den Feinden deiner Freunde.
Von früher oder dem morgigen Tag.
Trinke nur so viel Farben wie es Stimmungen gibt
und streiche Deine Schlafzimmerdecke unbedingt im Pyjama.
Fische mit der ersten Sonne den Tag aus der Nacht,
feile an den übrigen Stunden
und verlasse Dich auf Dein Bauchgefühl .

 

0185

185_S

 

Wie die Fliegen stirbt die Asche
und mit den Flossen schwimmst Du auf ihr und davon.
Ein Gebet, die Hände zum letzten Gruss gebunden
und aus Stein gemeisselt alle Hoffnungen.
Jeder Einzelne gibt Dir zu denken,
dankt gnädig und Zähne überleben,
genau wie Steine graben sie sich durch ein zeitloses Fenster.
Geben Dir Rückendeckung,
beschwerlich sind aller Wege Anfang
und zielgenau schlägt Dein Körper neben Dir auf.
Du erinnerst Dich an Deine Gesichtszüge, Dein erstes Mal.
Wie Rauch am Horizont.
Kaulquappen haben Scheuklappen und denken kaum an den nächsten Tag
und ist dann der Tod
wie eine Seerose in Deinem Leben aufgetaucht,
schaue sie Dir an.
Es gibt nur noch diesen einen Moment.
Wie schön kann Vergangenes sein.
Von der ästhetischen Seite her gar keine Frage.

 

Alle Texte © Matu
Alle Bilder & Videos © Schinski

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0184

184_S

 

Vor mir, der gelbe Wagen.
Ich möchte noch ein wenig schauen.
Elegant lege ich mich zu Deiner Waagerechten,
ab dem Mittag hat die Trägheit vor lauter Müdigkeit ihren Schlafzimmerblick aufgesetzt.
Landauf und flussabwärts drehen alle am Rad,
die Sonne – die Hitze steht ihr besonders gut –
schiesst mit ihren Strahlen Löcher in meine Figur.
Der Fahrtwind schmilzt wie ein letzter Kuss auf der Haut.
Ich spanne die Sehnen und jage die Landschaft vor mir her,
im Vorbeirasen nicken die Scharen unbewohnter Blumenstiele,
verblühender Mohn, ein tränendes Herz weint am Wegesrand.
Vielleicht schenke ich ihnen nach der Rückkehr ein neues Leben.
Bei meiner Ankunft zeige ich den Übrigen noch den Kalender,
wie aus einer anderen Zeit gefallen,
stehle einem pensioniertem Arzt seinen Doktortitel
und verordne mir eine Woche Bettruhe.

 

0183

183_S

 

Du strickst an Deinen Verhältnissen und verwickelst Dich dabei in Widersprüche.
Kein Ekel, keine Phobien, keine Vorenthaltungen.
Du bekommst, was Dir steht und spinnst Du auch einen Faden quer und kreuz,
so nimmt Dir das selten jemand krumm.
Deine Enkel sprechen nur zu gut von Dir,
trägst lieber Seide
und wenn Du schläfst, schlafen die Anderen vor Dir ein.
Sicherlich betrauen die Gläubiger die Banken,
und stehen auch schlecht die Aktien,
beteuern doch alle den guten Leumund.
Nah sein kommt von nähen.
Investiere in Dich und mach was aus Deinem Leben.
Am Webstuhl stehen sich die Leute auf den Füssen, rundherum nur Stille.
Gibt eine Masche der anderen die Hand,
vertäuen sich die Stimmen mit den Stummen
und ungewaschen riecht Wolle nach ungenähten Kleidern.
Von der Figur her eher ängstlich,
aber lauert in der Situation eine Gefahr,
dann Gnade vor Gott und später kommt die Familie vorbei,
Schultern bis zum Anschlag reserviert,
Blicke schief zur Decke gerichtet.
Beine bis zum Boden.