0179

179_S

 

Das setzt dem Ganzen die Krone auf
und wenn ich nicht mehr König von Deutschland sein werde,
heirate ich die Prinzessin unter der Erbse.
Hinter den Hügeln an den Bergen,
zwischen den sieben Winden
und dem Raunen des Waldes,
im Angesicht des Vergessens,
am Fusse eine Bachlaufes,
dort wo mein Herz begraben scheint.
Zwischen den Ängsten und der Angst,
zwischen den Wolken, auch wenn sie verhangen sind.
Auch Wölfe schlafen gerne in einem Schafspelz,
verdächtig nur, dass weit und breit kein Schwein zu sehen ist.
Tief liegen die Augen unter der Rinde
und zornig beisst ein mundloses Lächeln Löcher in die Landschaft.
Fliehe, so lange es noch eine Flucht gibt.
Entkomme Dir selbst.
Schreie laut, auch wenn Dich keiner hört.
Nur Du musst verstehen.
Wiege Dich mit den Gräsern, fliege mit den Löwenzähnen davon.
Lege Dich zu den Zwergen und verreise mit den Riesen,
lasse die Elfen in den Bäumen schlafen,
kämpfe mit Deiner Phantasie und erliege ihr.
Glaube nicht immer der Wahrheit,
traue nicht immer Deinem Glauben.
Wenn jüngst der schwarze Holunder naht,
verrate ich Dir, das Füsse zum Laufen gemacht sind
und die Augen neugierige Schwämme, die alles in sich aufsaugen.
Folge Deiner Prophezeiung und nicht dem inneren Schweinehund.
Grabe Dein Herz aus dem Maul eines davonfliegenden Fisches und springe über Zäune,
traue Dich nachts in die Finsternis
und male Dir beizeiten den Tag aus, wie er dir gefällt.

 

0178

178_S

 

Tagein, tagaus wäscht eine Hand die andere,
die letzte wäscht das Gesicht.
Blind vor Zuneigung kraule ich die Bilder in meinem Kopf
und hüte mich, wie der Schäfer seine Schafe.
Bin ich der, den die Anderen in mir sehen wollen,
oder hat mich meine Geburt vertauscht.
Habe ich mich in mein Ich verliebt,
heute scheint mich der Tag zu vergessen.
Leise treibt mich die Zeit vor sich her.
Bin ich ein Astronaut im Dunstkreis meiner Umlaufbahn,
ein Taucher, der im Wasserglas ertrinkt.
Ein Schauspieler, den die letzte Einstellung erschiesst.
Ein Pilot, der Flugangst hat.
Ein Pfarrer, der vor allem sich selbst nicht mag.
Ein Seiltänzer, der Höhenangst hat.
Oder bin ich ein Verräter, mit der Furcht davor, selbst verraten zu werden.
Jetzt lege ich mir noch ein Kissen zurecht,
schaue aus mir heraus
und meine, zu verstehen.
Sicher bin ich mir nicht.
Sicher ist nur das Amen in der Kirche.

 

0177

177_S

 

Die Wahrheit ist, dass der lügt, der flüstert.
Dass der Faktor Unsicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielen könnte.
Der Ausdruck trägt eine Gleichgültigkeit durch die Gruppe,
es macht den Anschein einer Gleichförmigkeit, jeder ist individuell.
Vergiss den Auftrag. Deinen Weg. Deine Vorsätze.
Gut, wenn man welche hat,
aber verkaufe sie an den Krämer am Ende des Lichts.
Strecke Dich, übernehme den Tag.
Zeige Dich und Du wirst erkennen.
Gib den Anderen eine Vorstellung, damit sie im Ansatz eine Ahnung bekommen,
wie etwas entstehen kann, was der Wind mit unseren Köpfen macht.
Wohin die Sonne auch scheint, Du wirst vor ihr da sein.
Die List ist die Schwester der Tücke.
Wende sie an, wenn niemand es von Dir erwartet.
Der eine Narr traut dem anderen nicht,
nimmt den Vorwand als Gerüst aus Langeweile und Zeitvertreib.
Und hier und da stehen die Lügen auf kurzen Beinen,
wispern Dir ihre Versionen in die Poren.
Ein Vulkan bricht am Ende die Lanze
und die Mehrzahl hat mehrfach recht gehabt mit der Aussage,
die Hingabe sei die Mutter jeden Anfangs.

 

0176

176_S

 

Als ich mich aufmachte, meine Erinnerungen zu besuchen,
verbrannten sich auf dem Weg dorthin alle Vorbilder.
Ich streute mir ihre Asche auf mein Haupt
und fing die entlaufene Angst wieder ein.
Zahnlos nagte sie in mir
und ich bat sie nun,
mich nicht mehr zu ängstigen.
Ich log sie an und streichelte die verkohlten Schatten,
ihre Augen glühten laut.
Langsam schlief die Umgebung ein
und bevor der Hahn die Henne weckt,
waren meine Ideale verschwunden.
Der Weg lief weiter am Geschehen vorbei
und ich wusch meine Hände mit ihrer Asche rein.
Wer hat gesehen, wie ihnen geschah
und welch Gnade erfährt die späte Geburt.
Im Sommer brennen die Wälder.
Sachdienliche Hinweise bitte an die nächste Polizeidienststelle
oder an das Matuschinski Hauptquartier.

 

0175

175_S

 

Du führst mich an der Nase herum,
Deine Hüfte verschmilzt das Eis in meiner,
Dein blütenweiches Gesicht ruht auf der schwerelosen Schulter.
Bevor es gar nicht mehr geht, schwebt das Parkett auf und davon,
unsichtbar schweisst uns eine wässrige Melodie zusammen.
Ich glaube, noch schöner, als bis an den Rand unserer Gefühle zu tanzen,
wäre es, in Deinen Armen sterben zu dürfen.

 

0174

174_S

 

Es war einmal eine Geschichte,
die hat sich schnell selbst erzählt.
Es war einmal ein Bild,
das kam in beträumten Tagen zu mir.
Es war einmal ein Abenteuer,
das war gefährlicher als die Liebe.
Es war einmal ein Tag,
der wurde jeden Tag neu geboren.
Es war einmal eine Idee,
die wurde geklaut, von einer anderen.
Es war einmal ein Freund,
den man am besten nie vergisst.
Es war einmal ein Vergnügen.
Nichts spricht dagegen, vergnüglich zu sein.
Es war einmal ein Gefühl,
das hatte eine Farbe. Und einen Klang.
Es war einmal eine Lüge,
die war grausamer als die Wahrheit.
Es war einmal ein Augenblick,
der war kürzer als ein unausgesprochenes Wort.
Es war einmal eine Umarmung,
die war näher, als man sich selbst nah sein kann.
Es war einmal ein Feuer,
das schlug mit seinen brennenden Flügeln nach mir
und erklärte sich bereit, mein Liebhaber zu sein.

 

0173

173_S

 

Das Leben ist ein nebliger Vorhang aus Gesichtern,
aus Gerüchen und Gerüchten, aus Vorwand und Missgeschick.
Die Verzweiflung ist ein stumpfes Schwert, schlägt ein Knie entzwei.
Mut ist ein Kleid aus Vorwürfen, ein Gewand aus Zustimmung und Zerstreuung.
Hoffnung ist ein alter, ledriger Hut. Zieht am Gesicht, erbarmt sich nicht.
Die Zeit. Sie ist ein pochendes Herz, ein Marathon. Ein Für, ein Wider.
Vergänglichkeit ist ein ruheloser See, ein Wind, ein Sturm, ein Wasser.
Tief wie eine Stimme aus Kohle.
Da liegt Ihr nun. Im Zweifel Eures Angesichts. Aller Kraft beraubt.
Die Hingabe ist eine Strophe im Licht.
Das Scheitern ein Theaterstück aus Gelächter und Mitleid,
eine Garderobe aus Zorn und Neid.
Langsam laufen die Bilder wie Sand aus den Fingern.
Jetzt ist es an der Zeit, Lebewohl zu sagen.

 

0172

172_S

 

Du sagst, Du hast es nur gut gemeint.
Von wegen und so, bloss keine Rosen.
Könnte man falsch verstehen. Sagt wer.
Mein Vater hat gesagt, Dein Vater hätte keine Meinung.
Die Mutter war sich auch nicht mehr so sicher und hat sicherheitshalber genickt.
Rosenkavaliere sterben früher als andere.
Und früher war später alles besser. Oder anders. Sowieso .
Die Gerbera ist die Frau vom Gerber und der hatte schon immer den Durchblick.
Ehrlich. Und Du hast beim letzten Mal gesagt, wenn mir mal wieder einer Blumen schenken würde, dann ginge das auch so.
Bloss keine Tulpen. Deine zugige Bemerkung.
Ich spüre da eine Schwingung, eine langstielige Einsamkeit.
Aber kein Problem, wir haben ja uns.
Und Du hast mich. Ich verschenke mich nur zu gern.
Wirklich. Ich beschwere mich doch gar nicht. Entschuldigung.
Du könntest ja zur Abwechslung auch mal daran denken, dass ich an alles gedacht habe.
Ich rede zu viel, höre selten zu und gähne im Gespräch.
Ich hätte wohl dann auch Recht, wenn ich nicht Recht habe.
Sagt wer. Natürlich gibt es Unterschiede, und die machen ja auch den Braten nicht fett. Meistens.
Am liebsten treibe ich den Teufel mit dem Beelzebub aus
und setze Dich in eine Rakete, die ich am Mond vorbei schiesse, um das Schwarze dahinter zu treffen .
Die Vase werfe ich dann hinterher und später, wir nehmen es heute ganz genau, erschiesse ich noch den Nebenmann.
Am Himmel, da leuchten die Sterne – und unten, da leuchten wir.

 

0171

171_S

 

Carpe diem.
Als ich nach langem Hin und Her endlich aufgab, Dich zu finden,
sass der Irrtum schon länger wie ein verdrängter Kopfschmerz in den Sümpfen des Vergessens.
Du weisst, man entkommt dem eigenen Schatten nicht
und zum allgemeinen Verständnis legst Du Dir das Tuch der Verständigung über das Gesicht.
Steckst Sand in Deinen Kopf, ordnest Dein Leben in eine Kiste ein
und wirfst Dich dabei in eine Körperhaltung, die hält, was sie verspricht.
Predigst, statt zuzuhören.
Lachst laut, statt zu schweigen.
Kniest, statt davon zu laufen.
Bindest Dich, statt frei zu sein.
Schweigst an Stellen, wo Du es nicht verstehst.
Betest, statt die Dinge selbst zu tun.
Fragst, statt die Antworten zu finden.
Bist ein Mann des Wortes.
Du sagst, ich ändere mich.
Ich nehme Dich beim Wort.

 

0170

170_S

 

Entzückend.
Aber Blut ist dick und klebt an jedem Wimpernschlag.
Und der Sehende wird auferstehen.
Schweiss ist der Weg und schwielig seine Ankunft.
Dem schmalen Grad zu folgen,
zwischen Ohnmacht und Verlust, kein Kinderspiel.
Die Klinge, das weiss der Kluge, ist nur einen Steinwurf weit entfernt.
Dort hinten stehen die Linden.
Am Bachlauf finde ich sie, höre sie klagen.
Ich kühle meine Füsse an ihren Wurzeln
und mit wohl platzierten Schlägen halbiere ich den verbleibenden Zeitraum.
Voller Leidenschaft verdurste ich in ihren Zweigen.
Der Zweck ist dienlich dem, der mit Mitteln heilt, was noch zu retten ist.
Denke eine Gedenkminute voraus und umarme mich, die Welt.
Drücke den Erdenball in seine Laufbahn, vor und zurück.
Spaziere mit federnden Schritten durch die Kronen der gefallenen Bäume,
voller Ehrfurcht, beweine ihre Jahresringe,
während im Kamin langsam das Gesicht der Glut zerfällt.