0211

Ich bin hier voll auf Sendung,
während Du dort mit Deiner kosmopolitischen Einstellung ziemlich viel Staub aufwirbelst.
Die anderen springen derweil im Dreieck,
denn wenn sich etwas aufgestaut hat,
pfeifen irgendwann die Ventile.
Es reiht sich Kleid an Kleid,
und glücklich der, der eine eiserne Rüstung tragen darf,
bis die Funken fliegen.
Hier wohnt man noch Tür an Tür und weiss es für den anderen immer besser.
Auf der Straße wurde ein Fuchs gesehen.
In der Nachbarschaft spricht es sich leichter mit Gerüchten
und gegenüber hat gerade jemand ein Bier bestellt.
Die Bäume haben ihr Laub versteckt
und sehen aus, als wären sie vor uns gestorben.
Der Nebel klemmt sich zusammen mit dem wenigen Raum zwischen die Häuser,
nach oben ist immer noch Luft.
Endlos qualifiziert spricht man um den heissen Brei herum
und spaziert herein ins triste Einerlei.
Das steinige Meer spült uns an den Abenden an das traurige Ufer eines endlosen Tages
und während ich durch die Gassen eile wie ein zahnloser Gollum,
hallt es hinter mir wie ein Schabernack.

/wandkalender 2021 @buchbox

Rest-Exemplare bei der @buchbox am Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg erhältlich!

Der #matuschinski-Wandkalender 2021.

Fotos von Dirk Hasskarl mit Texten von Marcus Maas.

55 Seiten, 21/21 cm, 500g, Ringbindung.

15,-

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0210

Unter diesen Umständen mache ich von meinem Widerspruchsrecht Gebrauch
und trete von sämtlichen Aussagen, auch den unausgesprochenen, zurück.
Ich werde ohne meinen Anwalt keine weiteren Auskünfte erteilen.
Anschließend würde ich liebend gerne ins Zeugenschutzprogramm einsteigen.
Im engmaschigen und weiteren Verlauf möchte ich noch auf meine Engstirnigkeit hinweisen
und begrüsse die Gnade der späten Geburt.

0209

Alles verändert sich, wenn Du es veränderst.
Wenn ich über mich nachdenke, wäre es an der Zeit für etwas anderes.
Einen Neuanfang vielleicht.
So im spielerischen Sinne.
Na klar, das ist jetzt wieder so ganz stereotypisch.
Das sagen die einen. Und die anderen sagen das auch.
Aber im Ernst, der Gedanke geistert mir schon länger durch meinen schönen Kopf.
Die Sachen gepackt und weg. Landflucht. Ab in die Stadt. Was Eigenes aufbauen.
Vom Tellerwäscher zum Busfahrer, den Millionär hänge ich noch hinterher.
Vom Schweinepriester zum Pfarrer, anschließend zur Rampensau.
Alles möglich, man muss nur wollen.
Das sagten schon die Väter.
Die haben immer das Sagen.
Gehabt. Euch wohl.
Und fürchtet Euch nicht.

0208

Showtime.
Offensichtlich herrscht hier Goldgräberstimmung.
Zur Götterdämmerung lachen ja schliesslich die Hühner.
Denn wie Du siehst sind die Kühe auf dem Eis.
Und darunter streichelst Du die Fische
bis sie zahm sind wie eine Hand und freiwillig in Deine Tasche hüpfen.
Hätte ich eine Angel. Frage nicht.
Aber so gibst Du mir jeden Tag einen Fisch und ich bereue meine Abhängigkeit.
Das schmeichelt dem, der gerne nach Gräten schmeckt und sich ab und zu dem Hunger streckt.
Mit meinen Emotionen verhält es sich ähnlich wie mit meinen Gefühlen.
Werden sie zu oft gefordert, verstecke ich mich vor ihnen.
Lässt man beide an der Leine, der langen, dann wird nicht nur der Hund in der Pfanne verrückt,
spätestens dann fährt der ganze Hühnerstall Motorrad.
Das geht hier ab wie Schmidts Katze.

0207

Ich denke, dass ich gut bin.
Ein guter Mensch, ohne böse Absichten.
Auch wenn mir sonst keiner über den Weg traut,
bin ich doch mutig genug und hänge die Finsternis des Mondes
in die Zwischenräume frisch gewaschener Bewegungen.
Von links nach rechts sortiert sich die Biographie alter Tage,
am Boden zerstört ordnet das Sterngespinst eine neue Ordnung.
Ich betrachte das Schauspiel als Interpret und Autor, als Zuschauer,
und entdecke mich dabei neu.
Im Morgengrauen nutze ich die Neigung des Winkels
und fege die wenigen Krümel der letzten Nacht in eine Schale,
der Wind kämmt mir das Haar aus dem Gesicht,
ich falle auf die Knie.
Dabei schwankt die Stimmung zwischen Rotwein und Leitungswasser.
Danach verschenke ich den Tag.

0206

Das hat mich verletzt, an dem Tag, als Du mir den Himmel verboten hast.
Es hat mich traurig gemacht, als die Wolken kamen, die Du schicktest.
Die Wolken, die mir das Licht stehlen sollten,
die mich atemlos machten, auf der Flucht vor ihnen.
Auf der Suche nach Dir konnte ich über das Wasser gehen,
ich habe wirklich geglaubt, ich wäre leichter als das Licht.
Undenkbar, dass mich die Strahlen einer Sonne bis hierhin tragen.
Dort, wo Du die Arme ausbreitest, könnte das Ende des Horizonts sein.
Unerreichbar und vom Schmerz angetrunken,
durchströmte mich das flauschige Herz des Himmels in Form einer gestaltlosen Figur,
die flüsternd schwanger war ob unserer Begegnung.
Nun laufe ich Dir hinterher wie das Lämmchen dem Wolf
und wahrscheinlich lasse ich mich gerne von Dir fressen.
Später.

0205

Heute lasse ich mal alle Fünfe gerade sein.
Dabei ist meine Vorstellung von Moral in etwa auf der Frequenz einer gespaltenen Zunge.
Entzückend, wie ich mich zeitgleich amüsiere,
paralell bestätigt die Ausnahme sämtliche Regeln.
Ein Augenschmaus, wie ich gerade jetzt in meinen Gefühlen bade
und als Wegelagerer ist mir wirklich kein Weg zu weit.
Ich bin ein Tagträumer, der die Nächte vergisst,
in denen mich ein fremder Schlaf wachhält. 
Ich bin ein Blinder, der sieht, was gerne übersehen wird.
Ich bin ein Bauchredner, der sich nie wieder alleine unterhalten muss.
Ein Stummer, der sich zu unterhalten weiss.
Ich bin ein Vagabund in Zeiten der Zuversicht,
vielleicht sogar ein Gott der kleinen Dinge.
Am Ende des Tages fühle ich mich oft wie ein Clown,
der kaum noch über sich lachen kann.
Bitte vertausche mich nicht versehentlich mit deiner Handtasche.
Friede sei mit Euch.

0204

Wir kommen mit guten Absichten.
Wenn der Schlaf aus der Ruine erwacht,
müssen alle anderen auferstanden sein.
Ein Schattenwurf weit entfernt,
stolpern nach allen Regeln der Kunst
die Löcher in noch viel grössere Löcher,
und mein Bruderherz, Dir zugewandt,
ziehe ich die Streben und diene dem Untergang.
Es muss uns doch gelingen,
die Not, die steht dem Zwang so gar nicht gut,
dass die Sonne so schön wie nie scheint über alle Dächer.
Und sind die Dächer, zum Glück und auch in friedlicher Absicht,
entnommen von Volkes Hand,
dann soll die Sonne scheinen dem Feind ins Gesicht
und ihn anschliessend schlagen in die Flucht.
Mütter beweinen oft ihre Söhne
und pflügt der Jüngste ohne Unterlass und vertraut der eigenen Kraft,
steigt sein Bestreben empor wie ein steiniger Luftballon
und des Ackers Krume bricht ihm das Gesicht.
Das Land unserer Väter ist steinig und schwer,
und wächst die Anerkennung in gleichem Maße wie die Suche nach ihr,
dann fühle ich mich wie ein Trabant,
der auf der Suche ist nach seiner Umlaufbahn.

0203

Spass beiseite.
In der Not frisiert der Teufel seine Fliegen,
während der Operateur im Inneren die Rädchen neu justiert
und die Justiz sich dem Fall annimmt.
Der Geiselnehmer sich von der Geisel befreit
und am Ende des Tages hat der Chirurg die Wunden der Zeit genäht,
die Schwester des Kranken verlässt gerade noch rechtzeitig das Zimmer. 
Bevor ich hier für immer verschwinde, verschwende ich mich an Dir. 
Der Geistliche bittet um Gehör,
das Augenlicht wärmt den körperlosen Raum
und die Gedanken hängen wie faulige Früchte von der Decke.
Gedrückte Türen öffnen nur auf Knopfkommando,
ein Fallbeispiel von vielen.
Das Kopfkino hat ab sofort wieder geöffnet,
die Eintrittspreise behalten ihre Gültigkeit.
Die Würfel sind gefallen.