0276

Ich habe Dich zum Fressen gerne, sagte der Besen.
Und legte sich sanft in die Augen eines Betrachters.
Ich habe Dich gerne in meiner Nähe, sagte die Stille.
Und rief tief aus mir heraus.
Ich möchte gerne mehr mit Dir unternehmen, sagte die Zeit.
Und schielte dabei auf die Uhr.
Ich hätte gerne mehr Vertrauen zu dir, sagte das Gewissen.
Und biss sich an mir fest.
Ich brauche mehr Freiheit, sagte die Liebe.
Und ließ mich nicht mehr los.
Ich würde gerne mehr mit dir tanzen, sagte Dein Bauch.
Und dann drehen wir uns. Vergessen uns.
Ich würde gerne mehr applaudieren, sagten Deine Hände.
Und schon verstecken sie sich in den Taschen fremder Leute.
Ich würde gerne mehr mit Dir singen, sagte Deine Stimme.
Und ich höre ihr endlich mal zu.
Ich würde gerne sehen was Du siehst, sagten Deine Augen.
Und aus dem einen floss eine Träne, in dem anderen wohnt ein Krokodil.
Ich hätte gerne mehr Haare zum schütteln, sagte die Frisur.
Und der Kamm findet nur noch Halt in Deiner Hosentasche.
Ich bete, dass manche Dinge nie enden, sagte die Stimmung.
Und der Jubel schreit über das Feld.
Ich wünschte, Du hättest mehr Glauben, sagte die Religion.
Und hinter mir lacht der Schabernack.

0275

Der Teufel hat Dich an die Wand gemalt.
Und im Zweifel malt der Einfall mit dem Pinsel.
Auf Deiner eigenen ToDo Liste stehst Du ganz oben.
Das setzt Dich teilweise unter Druck.
Aber andererseits beisst die Maus auch keinen Faden ab,
wenn sich der Spiess mal umdrehen lässt.
Lässt Dir den Mund mit Seife auswaschen,
das darf Dir ruhig spanisch vorkommen.
Der Moment schweisst Dir ein neues Angesicht.
Von Angesicht zu Angstgesicht.
Zu Angesicht.
Gleich eine Strasse weiter werden die Persilscheine verteilt
als ob es kein Morgen gibt.

0274

So wirft sich wie ein Vergessen der Schatten über unsere Gesichter.
Mut wird zur Verzweiflung,
Hoffnung findet Gnade im Gelächter vergangener Zeiten.
Auch die Liebe ist ein scheuer Vogel geworden,
sitzt nur zufällig auf hängenden Schultern.
Immer auf der Hut und zum Abflug bereit.
Wir schließen die Augen,
die Lider im Wind der Träume gespannt
und jede Reise ist eine Reise zu uns selbst.
Aus der naiven Neugier
ist eine melancholische Gleichgültigkeit geworden,
die uns erschreckt .
Lüften die Geheimnisse nur noch zu sachdienstlichen Hinweisen.
Der Wald umarmt den Gesang der Vögel,
wir sind die Besucher in einem Konzert aus Missverständnissen
und stossen uns unsere tauben Ohren.
Am Abend decken wir uns schließlich mit dem Schaum der Tage zu
und verdienen uns so eins um andere mal
ängstlich aber nicht allein sein zu wollen.

0272

Mein lieber Scholli.
Im schwarzgeräderten Licht trägst Du
Dein zitronengelbes Kleid aus Lakritz gestärktem Zwirn
so lässig über Deinen Schultern,
dass die Masse an der Rampe versucht,
ihre beschlagenen Körper in einem Meer aus Tönen zu versenken.
Es wird dem Ohrwurm hinterher gejagt, dass es eine Freude ist
und die Scheinwerfer – die trauen sich in Dein Gesicht.
Bevor Du jedoch spielst die Laute mit kundigem Daumen
flüchtet sich die Nacht nach draussen
und Du spielst auf der Gästeliste die letzte Geige.
An der Garderobe verlieren sich Deine Spuren
und der Himmel ist mal wieder wie gemalt.

0271

Ihr seid schon immer die schwarzen Schafe gewesen.
Bis heute.
Zu Ostern legt ihr mal ein Ei,
das bringt die anderen auf die Palme.
Volle Möhre genießt Ihr Euer Leben
und erinnert dabei an Bonny und Clyde,
auf der Überholspur zieht Ihr schneller als Euer Schatten.
Wer glaubt, kommt in den Zylinder.
Gott sei Dank dürft Ihr jedes Jahr auferstehen,
dabei entdeckt Ihr Euch in längst vergessenen Verstecken.
In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti.

0270

Von Null auf Komma nix stiehlst Du der Lampe das Licht
und verscheuchst die Sau von der Rampe.
Dabei bedienst du Dich an der Stimmung,
die Achterbahn fährt eine doppelte Sieben
und das Steuer in Deinen Händen steht Dir gut.
Du flambierst Dich,
flankierst Dich,
fokussierst Dich,
genierst Dich
und zum Schluss.
Blamierst Dich.
Entschuldige Dich
und hole Dir Dein Gesicht an der Garderobe ab.