0275

Der Teufel hat Dich an die Wand gemalt.
Und im Zweifel malt der Einfall mit dem Pinsel.
Auf Deiner eigenen ToDo Liste stehst Du ganz oben.
Das setzt Dich teilweise unter Druck.
Aber andererseits beisst die Maus auch keinen Faden ab,
wenn sich der Spiess mal umdrehen lässt.
Lässt Dir den Mund mit Seife auswaschen,
das darf Dir ruhig spanisch vorkommen.
Der Moment schweisst Dir ein neues Angesicht.
Von Angesicht zu Angstgesicht.
Zu Angesicht.
Gleich eine Strasse weiter werden die Persilscheine verteilt
als ob es kein Morgen gibt.

0274

So wirft sich wie ein Vergessen der Schatten über unsere Gesichter.
Mut wird zur Verzweiflung,
Hoffnung findet Gnade im Gelächter vergangener Zeiten.
Auch die Liebe ist ein scheuer Vogel geworden,
sitzt nur zufällig auf hängenden Schultern.
Immer auf der Hut und zum Abflug bereit.
Wir schließen die Augen,
die Lider im Wind der Träume gespannt
und jede Reise ist eine Reise zu uns selbst.
Aus der naiven Neugier
ist eine melancholische Gleichgültigkeit geworden,
die uns erschreckt .
Lüften die Geheimnisse nur noch zu sachdienstlichen Hinweisen.
Der Wald umarmt den Gesang der Vögel,
wir sind die Besucher in einem Konzert aus Missverständnissen
und stossen uns unsere tauben Ohren.
Am Abend decken wir uns schließlich mit dem Schaum der Tage zu
und verdienen uns so eins um andere mal
ängstlich aber nicht allein sein zu wollen.

0272

Mein lieber Scholli.
Im schwarzgeräderten Licht trägst Du
Dein zitronengelbes Kleid aus Lakritz gestärktem Zwirn
so lässig über Deinen Schultern,
dass die Masse an der Rampe versucht,
ihre beschlagenen Körper in einem Meer aus Tönen zu versenken.
Es wird dem Ohrwurm hinterher gejagt, dass es eine Freude ist
und die Scheinwerfer – die trauen sich in Dein Gesicht.
Bevor Du jedoch spielst die Laute mit kundigem Daumen
flüchtet sich die Nacht nach draussen
und Du spielst auf der Gästeliste die letzte Geige.
An der Garderobe verlieren sich Deine Spuren
und der Himmel ist mal wieder wie gemalt.

0271

Ihr seid schon immer die schwarzen Schafe gewesen.
Bis heute.
Zu Ostern legt ihr mal ein Ei,
das bringt die anderen auf die Palme.
Volle Möhre genießt Ihr Euer Leben
und erinnert dabei an Bonny und Clyde,
auf der Überholspur zieht Ihr schneller als Euer Schatten.
Wer glaubt, kommt in den Zylinder.
Gott sei Dank dürft Ihr jedes Jahr auferstehen,
dabei entdeckt Ihr Euch in längst vergessenen Verstecken.
In nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti.

0270

Von Null auf Komma nix stiehlst Du der Lampe das Licht
und verscheuchst die Sau von der Rampe.
Dabei bedienst du Dich an der Stimmung,
die Achterbahn fährt eine doppelte Sieben
und das Steuer in Deinen Händen steht Dir gut.
Du flambierst Dich,
flankierst Dich,
fokussierst Dich,
genierst Dich
und zum Schluss.
Blamierst Dich.
Entschuldige Dich
und hole Dir Dein Gesicht an der Garderobe ab.

0268

Im Spiegel sehe ich Dein Gesicht. Du fühlst Dich gut.
Drei mal Naseweis kann sich nicht irren und Du hast das Recht dazu.
Schnüffelst in fremden Geschichten herum und machst die Pfannen verrückt,
Geschäfte erledigst Du am liebsten an der Haustüre.
Trägst die Frisur Deiner Herrschaften und führst die Leine spazieren.
Am liebsten kraulst Du die Gedanken in  anderer Leute Köpfe,
knöpfst Dir den Hasen vor die Brust
und strickst den dicksten Wollpullover für den nahenden Winter.
Du atmest ein. Und atmest aus.
Ist die Katze gesund, freut sich der Hund.

0267

Im Dunstkreis einer leisen Ahnung findest Du Dich als Zaungast auf der Balustrade wieder.
Staunst nicht schlecht und schleichst zu Beginn langsam den einzelnen Tönen hinterher.
Laut pulsiert Dein Herzschlag und bestimmt sicherlich bald den Ablauf des Abends,
der Bass massiert Dein Knie.
Nun siehst Du wirklich und leibhaftig, dass die Farben aus den Boxen tropfen,
verkleidet in einem Mantel aus Harmonie .
Du traust Deinen Augen nicht und umarmst bei nächster Gelegenheit die Stimmung um Dich herum.
Nimmst Dir selber das Versprechen ab, dieses Gefühl nie wieder zu versäumen.
Der Applaus ist Dir sicher.
Später fällt noch irgendwo ein Vorhang zu Boden
und der Besen kehrt Dich zurück auf die Straße.