0233

Du erkennst, wann das Meer geteilt werden muss und durch wen.
Du weisst, wann Dir das Wasser bis zum Hals steht und warum.
Du ziehst mit dem Schwert eine blutige Spur und fragst Dich, weshalb.
Du wirfst die Wellen wie Schatten über Deine Schultern und bist Dir unsicher.
Du gibst vor, klar zu sein und doch sind trübe Deine Worte, wenn Du sprichst.
Du sagst, mit gespaltener Zunge glaubt man Dir nicht und doch hören Dir alle zu.
Du verstehst Dich gut im Umgang mit den Dingen aber an Bord ist nur Platz für Euch zwei.
Du suchst im Schwung Dein Rückgrat zu finden, daran soll es nicht scheitern.
Du meinst, der Kapitän zu sein aber die Natur verschlingt Dich, wenn sie mag.
Du behauptest, dass Du oben bist aber wo ist eigentlich unten.
Du bist Dir sicher, alles zu beherrschen aber auch Dir zerrinnt das Wasser in den Händen.
Du machst Dich auf die Reise und unbewusst ist alles nur ein Fluch, ein Kreisel der sich dreht in Deinem Kopf.
Du trinkst das Feuer, bevor es Dich verbrennt.
Mein lieber Kokoschinski.

0232

Wir sind eine  Familie, haben eine grosse Klappe … und der Maserati. Der fährt 210 Sachen.
Zusammen bringen wir den Schrott in die Presse und schnell ist ein Liegestütz gleich einem Wagenheber.
Und umgekehrt.
Man liegt wie auf heissen Kohlen und langsam verbiegt sich auch die Sohle mit dem Fuss.
In jeder Stadt steht ein Koffer und da schnallst Du ab.
Wir bündeln die Nerven zu einem Strauss guter Manieren.
Das steht im Kontrast zur eigentlichen Verweildauer
aber natürlich stehen Tür und Tor offen, Dein Wort in Gottes Ohr.
Wir sind die Inspektoren, die Kontrolleure, die Mechaniker,
heilig ist jeder Quadratzentimeter Asphalt,
die Mittagspause wird im Liegen ausgeführt.
Zu Hause ist es doch am schönsten, denn ein Platz ist eigentlich nur zum Parken da.
Ich glaube, mich laust ein Affe.

0231

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagst Du an einem Tag, als die Kreuze in der Hitze surren
und die Luft in unseren Augen flimmert wie heisser Asphalt unter den Füssen.
Am liebsten würdest Du ausflippen und mit den Säugetieren abtauchen in den Möglichkeiten, die sich Dir bieten.
Du träumst von den federleichten Beinkleidern, die Dir helfen, dahinzuschweben wie eine zornige Ballerina. 
Du sprichst vom Verlassen werden und ich schaue dabei zu.
Ich stecke bis zum Hals in meinen Hosentaschen und bin der Schlendrian, der langsamer ist als der Tag.
Du breitest die Arme vor mir aus und doch sind Deine Umarmungen blutleer.
Ich erzähle Dir von meinem Lachen, von meinem Lächeln, das dich damals verzaubert hat.
Du wendest Dich in Deine Windungen, hüpfst wie ein Hütchenspieler vor meinen Augen und verabredest Dich mit der Gegenwart.
Als ich Dich nicht mehr sehen kann, verliert sich der Blick und ich führe die Versuchung an der Leine.
Später grabe ich noch ein Loch in die Luft und verstecke mich darin.