0257

Kurz vor Sonnenaufgang stehst Du schon knietief in Deinen Attitüden
und bedienst die Meinungsfreiheit derer, die keine Meinung mehr haben.
Dabei bist Du das Zünglein an der Wade
und trainierst weiterhin das Gleichgewicht zwischen dem Hier und dem Jetzt.
Am Siedepunkt Deiner Zurückhaltung schießt Dir eine Hexe in den Rücken
und vor lauter Träumen entkommt Dir jeder Schlaf
und am Ende entgleisen auch noch alle Züge.
Im besten Falle kommt ihr zu zweit.

0256

Wenn ein Ei dem anderen gleicht
und man vor lauter Verlegenheit
gleich auch noch verlegen wird,
dann knöpft sich das Ohr ans Gespräch
und lauscht dem Gemurmel am Nachbartisch
während die Gesellschaft in adipöser Gleichgültigkeit
irgendeinem Algorithmus folgt.
Nach mir die Sinnflut.

0255

Wenn ich aus mir ausbrechen könnte,
den Platz verlassen der mich einengt.
Denn die Rhizome spielen verrückt,
ich wachse über mich hinaus.
Umgebe mich zu allem Überfluss mit üppiger Übertriebenheit
und bin dabei saftiger als jedes Grün.
Weide im knietiefen Jungle meiner Metamorphosen,
lebe die Photosynthese im Jetzt
und überschreite dabei jegliche Form des guten Geschmacks.
Im Hintergrund hält sich die Landschaft auf
und ist mir dabei ein guter Freund und Kupferstecher.
Ich überwinde als Aussenstehender alle Grenzen
und spüre dabei ein Reissen in den Knien.
Friede den Hütten und Krieg den Palästen.

0254

Sollte mir die Diagonale wieder einen Strich durch meine Rechnungen machen,
erlaube ich mir eine kleine Auszeit
und bediene meine Bedürfnisse mit den Trinkgeldern aus fremden Taschen,
deren Besitzer keine Erinnerung mehr an den Ort ihres Verbleibs haben.
Bei allem Respekt.

0253

Das glaubst Du nicht.
Bevor sich Dein immer gleiches Grinsen im grünspanigen Morast verfängt
wie einst die Dornenkrone am jüngsten Tag
im Gewirr einer nächtlichen Verfolgungsjagd,
erzähle ich den anderen lieber die Räuberpistolen aus der Sicht eines Räubers.
Caramba Carracho.
Langstielig und atemlos gibt ein Wort das andere,
sehe ich etwa aus als könnte man mir vertrauen?
Ich bin wie mir der Schnabel gewachsen ist
und zur Weihnachtszeit gehe ich lieber in Deckung
oder fliege mit den Wolken davon.
Ich bette mich sanft auf edle Kissen,
lasse den lieben Gott einen guten Mann sein
und verkaufe meine Familie an den Weihnachtsmann.  
Ja lüg ich denn.

0252

Du liebst mich .
Du liebst mich nicht.
Ich liebe mich. Oft auch nicht.
Du liebst mich. Nicht.
Ich Dich dafür umso mehr.
Ich verachte mich.
Du beachtest mich nicht.
Ich liebe Dich.
Du liebst nur Dich.
Ich laufe Dir hinterher.
Und bin schon früher schlauer als später.
Oft ist es umgekehrt.
Du läufst mir davon.
Dafür liebe ich Dich. Nicht.
Du liebst mich. Dafür.
Dass ich mich aufgebe. 
Ich liebe Dich nicht mehr.
Du läufst Dir selbst davon.
Davor habe ich Angst.
Das ich auf der Flucht bin. Vor mir selbst.
Mich nicht mehr verstehe.
Am Feldrand wächst der Wegerich im Schatten meiner Schritte,
aus meinen Augen fallen die Jahreszeiten wie achtlos weggeworfene Blicke zu Boden.

0251

Unbewusst demoliert Dir dein Verstand das Äussere.
Dabei restaurieren Dir vermeintlich Unbekannte Deine Gedanken.
Im Gestrüpp einer Verfolgung verstrickst Du Dich in Ausflüchten und Gelächter.
Klammerst Dich an Traditionen und entschuldigst das mit Deiner Blindheit, Deiner Sturheit.
Stumm begnadigst Du die Verbrechen der Schwere nach
und wenn Ihr sitzt am jüngsten Tage um Euch selbst versammelt zur Stunde der Vergebung,
so vergib Dir selbst.

0250

In Beziehung zu uns selbst treiben wir im Fahrwasser der Ahnungslosigkeit dahin.
Hoffnung ist eine Kraft, die der Angst die Nahrung nimmt.
Zuversicht eine Tür, die es aufzustossen gilt.
In der Natur der Dinge ist die Selbstverständlichkeit ein Freund,
den man manchmal nicht wiedererkennt.
Nimmt die Fährte an Fahrt auf, ist der Ausgang oft verstellt,
die Möbel in unseren Köpfen sind wässrig wie zerweinte Augen.
Die Tiefe in uns begleitet das eine Leben wie ein treuer Hund
und auf einmal vermissen wir die Kindheit,
die vom Argwohn, den Tagen voller Missverständnisse
und der Vernunft verscheucht wurde wie Fliegen vom Kuchen. 
Über uns das Meer.