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Du drehst dich um, Ein-Auge. Sei wachsam.
Du mischst Dich ein, genügsam verzehrst Du die herumfliegenden Bilder.
Mahlst mit stetem Kiefer, zerreibst die Steine,
Dein kundiges Gewissen verrät der Gegenwart die Zukunft,
Du baust auf Vertrauen.
Ziehst Deine Lehren aus der Vergangenheit,
leerst das Volle in einem Zug, schüttelst Dich,
füllst das schlafende Auge mit Glut, bis es brennt.
In Deinem Schlund lodern schwarzschattig die Hände des Schaffens,
drei Häuserblöcke entfernt schreit das Martinshorn,
während der Polier seine Töchter vor Dir versteckt.

 

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Du fühlst mich, wie ich aussehe.
Siehst, was ich fühle.
Denkst, was ich zu sagen hätte.
Schmeckst jeden Satz ab, als wäre es ein Gericht .
Als Richter wärst Du unglaublich gerecht.
Gefühlte Wahrheiten, gewühlte Klarheit, aufgewühltes Eis.
Mein Zahnschmerz durchbohrt unser schweigsames Stelldichein,
als Scherenschnitt wären wir einfach wunderbar .
Leider verrutscht beim näheren Hinsehen Dein Kinn in der Nähe eines Satzes.
Bevor Deine Figur zerbricht, nehmen wir lieber meine.
Trotz der vielen Zahnlücken.
Und um dies zu überbrücken gibt es Erdbeereis.

 

Audioewa

 

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Lass uns bitte eine Beziehung führen,
beziehungsweise wachsen wir an uns,
aus uns heraus
und auf eine Art wieder zusammen.
Fürsorglich, fast flehentlich pflegen wir den Kontakt,
vorsorglich trägt sich eine gewisse Ähnlichkeit nach außen.
Gedeihen prächtig und das Verderben kann von mir aus noch etwas warten.
Schön ist es, uns so schön zu sehen,
Du trägst die Krone und ich besohle unsere Gemeinschaft.
Im Hintergrund toben unsere Gefühle
und es macht mir überhaupt nichts aus,
dass wir gemeinsam lauter sind als jeder Knall
und bunt ist sowieso meine Lieblingsfarbe.

 

0079

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Vereinzelt steht der Einzelne
dicht gedrängt,
doch gibt es Anspielungen
auf ein versammeltes Beisammensein.
Der erste Eindruck drückt den Schuh,
ich halte Deine Hand und dabei aber
unbedingt den vorgeschriebenen Mindestabstand ein.
Die Nähe verspielt ihre Distanz,
das Lächeln wiederum umspielt Dein Lachen.
Wir nähen wie verrückt an den Wunden der Zeit
und wundern uns über die Absicht,
die Mutter aller Taten.
Verzaubere mich in einem Märchen
und wäre ich ein Rumpelstilzchen,
keiner wüsste wie ich heisse.
Mit der Kreide male ich Dir Deinen Weg.
Schliesslich verstaubt noch meine Stimme
und bevor ich Dich verzehre,
erschießt mich die Dunkelheit auf der Lichtung
unserer ersten Begegnung.

 

0078

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Lüg ich denn,
Du packst Deinen Koffer
und nimmst deine Mutter mit.
Packst den Koffer und nimmst Deine Mutter
und das Aquarium mit.
In Deinem Koffer sind Deine Mutter,
das Aquarium und meine Lieblingsschokolade.
Koffer gepackt, mit Deiner Mutter,
dem Aquarium, meiner Lieblingsschokolade
und der gesamten Plattensammlung.
In dem Koffer sind Deine Mutter,
das Aquarium, meine Lieblingsschokolade,
die gesamte Plattensammlung und der Hund.
Packst Deinen Koffer mit Deiner Mutter,
dem Aquarium, meiner Lieblingsschokolade,
der gesamten Plattensammlung, dem Hund
und dem jungen, gutaussehenden Nachbarn.
Packst noch alle Erinnerungen dazu und ab dafür.
Zurück bleibt gähnende Leere.

 

Audiopaul

 

0077

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Spritze mir Dein Gift in die Venen,
die gerade noch meinen Arm hochbalancieren,
dem Fluß des ständigen Paradieses entnommen.
Ich schenke Dir die Frucht und verschwende mich dabei.
Deine Schwüre kleben wie Verschwörungen in meinen Ohren.
Ist die Absicht Dein ständiger Begleiter?.
Oder sind es die Bilder,
die uns davontragen,
die sich davonmachen.
Nimm meine Haut.
Ich schenke sie Dir.
Sie hält Dich zusammen.
Nimm mein Augenzwinkern.
Ich schenke es Dir.
Und Du wirst verstehen.
Nimm meine Zunge.
Ich schenke sie Dir.
Mein Kuss ist Dir sicher.
Nimm meine Hand.
Ich schenke sie Dir.
Pass nur auf,
dass sie Dich nicht erwürgt.