0070

070_S

 

Du falschblumige Schräggesichtigkeit,
hör doch auf, mich anzustarren,
an mir herumzulamentieren,
mich aufzufressen.
Du nagst am Ohr des Weghörens,
scheuchst mich durch ein Gespinst von Wahrheiten,
schleust mich in Dein Leben und vergisst
mich zu gießen.
Mit Deinen Schwüren,
Deinem Versprechen.
Deinem Wegdrehen
und mit Deiner Treue.
Umarme Dich in meinem Gebet und flehe
und trinke das Wasser zu Deinen Füßen.
Aus Deinen Augen,
lass es von Deinen Schultern laufen
und ich betrinke mich an Dir.
Bewirte weiterhin meine Gefühle,
ich besteige demnächst den Fahrstuhl zu Deinem Bewusstsein
und schleiche mich in die Kammer des
Vergessens.

 

0069

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Vertrete mir die Beine und Du deine Meinung.
Bezahlst mit Deinem Fußabdruck und
stehst dabei ganz schön auf dem Schlauch Deiner Geschichte herum.
Vergeltung übt sich, wer früh ein Meister werden will.
Scherenhaft klafft der Himmel unter Deinem Gesicht auf,
eine Leere äfft der anderen nach,
Du verwechselt Dich in der Verwandlung und
Dein Aufbegehren hilft nur dem Fremden in Dir.

 

 

0068

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Möchtest Du der sein, der mir den Weg bereitet.
Mir die Augen öffnet.
Möchtest Du der sein, der immer da ist,
wo ich ihn gerne hätte.
Die Türe offen hält.
Möchtest Du der sein, der mich stützt,
wenn ich stolpere,
der mich auffängt, bevor ich falle.
Möchtest Du der sein, der die Steine aus meinen
Träumen entfernt,
mein zerrissenes ich wieder
zusammennäht.
Möchtest Du der sein, der mir meine Ohnmacht nimmt,
mir erklärt wie die Liebe klingt.
Möchtest Du der sein, der mich mit der Schaufel erschlägt, der,
der an meinem Grabe singt.
Mich auferstehen lässt.
Wer möchtest Du sein.

 

Audiobritta

 

 

0067

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Vermute die langstielige Einsilbigkeit
eines dahintreibenden Schwanenpaares,
einer vernebelten Klarheit,
der List einer einäugigen Schlange.
Glaube nicht an die verlangenden Worte
eines abtrünnigen Priesters,
den hoffnungssuchenden Händen derer,
die Hoffnung nur noch suchen.
Verkaufe Dich nicht an Deine Wut,
wüte lieber im Garten aller Ungerechtigkeiten.
Schlage Dich auf eine Dir unbekannte Seite,
und erschlage alle Grenzen.
Distanziere Dich dann und wann von Deinen Freunden
und halte Dir deine Feinde nah.

 

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Es war einmal ein Fluch,
jünger als die Luft zum Atmen,
schneller als die Dunkelheit.
Es war einmal eine Berührung,
die war härter als jeder Stein.
Fester, als jede Farbe.
Es war einmal ein Wimpernschlag,
lauter als jeder Schrei.
Kälter als jedes Haus.
Es war einmal eine Figur,
die war lächerlicher als jeder Witz.
Ungelenk wie gefrorenes Wasser.
Es war einmal eine Begegnung,
die vergänglicher war
als die Vergangenheit.
Und es war einmal ein Fluch,
der suchte sich den Weg zu mir
und fand ein kahlgeschorenes
Gewissen.
Am Ende lackiere ich mir die Nägel grün.

 

0065

065_S

 

Das Licht,
führt mich hinter das Licht.
Ich pflanze einen feurigen Blumenstrauß in meinen Tag,
nebenbei verwelken die Stunden.
Zähle meine Herzschläge und verzähle mich bei meinen Versuchungen.
Fülle den Mund mit einem Lachen,
und die Augen mit Deinen Blicken.
Hänge am Faden meiner Geduld
und erwarte die Flaschenpost
mit Vorschlägen
für das weitere Vorgehen.

 

Audiobotho

 

 

 

0064

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Ich zeig Dir, wo der Frosch die Locken hat,
wo der Frack die Weste trägt,
wo sich der Mond versteckt,
wer die Wünsche aufs Papier malt
und den Kindern das Lachen ins Gesicht.
Ich zeig Dir, wer den Bäumen die Frisur verpasst
und warum der Schaffner seinen Zug.
Warum der Regen nicht nach oben fällt
und Du im Zweifel nicht weit vom Stamm.
Ich zeig Dir, warum Dich alle sehen,
obwohl Du Deine Augen schließt
und das Gras nicht schneller wächst,
wenn Du daran ziehst.
Dass wir kleiner sind als jedes Sandkorn
und das Universum Dich nie vergisst.
Ich zeig Dir, dass ein Fisch länger die Luft anhält
als Du dir vorstellen kannst
und ein Rückwärtsmarathon Dir keine Medaille einbringt.
Dass ein Strauß nicht den Kopf verliert,
sich Deine Spuren aber im Sand.
Ich zeig Dir, wer Du wirklich bist
und verzeihe mir meine Sturheit,
während ich auf das nächste Frühjahr warte.

 

Audiorike

 

 

0063

063_s

 

Im Schlafrock tänzel ich über das Parkett
und bin dabei relativ nett.
Anzusehen.
Aber jetzt liege ich hier,
im Kreise von Vier
und stütze mich im Liegen.
Die Wärme beschützt uns vor den Fliegen,
geschmacklich bleiben wir eher am Boden und
Freundschaften schließen sich schlecht
in einem Aquarium aus glutsteifer Hitze.
Nun, dass ich schwitze
ist kaum zu übersehen und
tomatenschattiges Schamesrot bewahrt mich
vor dem sicheren
Sommerschlussverkaufstod.

 

0062

062_s

 

Kopf an Kopf marschiert der grünwangige Spielmannszug,
leichtgeschneckt und eventell etwas eingenickt
kommt das Haus zu spät zum Buffet.
Schleimig vertreten sich die Füße ihre Meinung
und auf der Veranda wird auffällig viel Gift verstreut.
Der Gärtner wird immer der Mörder sein und bleibt oft unentdeckt,
ein Stein erschlug im Flug den Bruder,
dem Reumütigen wird der Beichtstuhl hinterhergetragen.
Man trifft sich garantiert zweimal an einem Abend.
Und trägt auch das Gegenüber ein Schwert der Habgier am Gurt,
so versteckt man sich am besten
in den Ohren eines vorbeigehenden Elefanten.
Oder bezahlt dem Kellner sein unglückliches Lächeln.

 

0061

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Du wirfst Dich für mich ins Zeug,
trommelst Dir auf der Brust herum,
wirbelst die Bettlaken aus dem Meer
und kühlst damit meine Waden.
Du sternhaubiges Schöngespenst,
auch im schaumatmenden Lichtgewitter verzeih ich Dir
Dein windabgeworfenes Gesicht.
Spiegelrund verzerren sich meine Jahre
in Deinem schuppigen Kleid
und als ich rudere im Tal des endlosen Begehrens
verschwinden langsam Deine blutleeren Schatten,
während um mich herum
die beflaggten Schiffe der Sehnsucht
ertrinken.

 

Audiorea