0078

078_S

 

Lüg ich denn,
Du packst Deinen Koffer
und nimmst deine Mutter mit.
Packst den Koffer und nimmst Deine Mutter
und das Aquarium mit.
In Deinem Koffer sind Deine Mutter,
das Aquarium und meine Lieblingsschokolade.
Koffer gepackt, mit Deiner Mutter,
dem Aquarium, meiner Lieblingsschokolade
und der gesamten Plattensammlung.
In dem Koffer sind Deine Mutter,
das Aquarium, meine Lieblingsschokolade,
die gesamte Plattensammlung und der Hund.
Packst Deinen Koffer mit Deiner Mutter,
dem Aquarium, meiner Lieblingsschokolade,
der gesamten Plattensammlung, dem Hund
und dem jungen, gutaussehenden Nachbarn.
Packst noch alle Erinnerungen dazu und ab dafür.
Zurück bleibt gähnende Leere.

 

Audiopaul

 

0077

077_S

 

Spritze mir Dein Gift in die Venen,
die gerade noch meinen Arm hochbalancieren,
dem Fluß des ständigen Paradieses entnommen.
Ich schenke Dir die Frucht und verschwende mich dabei.
Deine Schwüre kleben wie Verschwörungen in meinen Ohren.
Ist die Absicht Dein ständiger Begleiter?.
Oder sind es die Bilder,
die uns davontragen,
die sich davonmachen.
Nimm meine Haut.
Ich schenke sie Dir.
Sie hält Dich zusammen.
Nimm mein Augenzwinkern.
Ich schenke es Dir.
Und Du wirst verstehen.
Nimm meine Zunge.
Ich schenke sie Dir.
Mein Kuss ist Dir sicher.
Nimm meine Hand.
Ich schenke sie Dir.
Pass nur auf,
dass sie Dich nicht erwürgt.

 

 

0076

pfeil_S

 

Zerstäube mich,
werfe die mottenzerfressenen Löcher in mein Herz,
hungere mich in eine gardinenhaftige Leichtigkeit,
schwer fällt mir das nicht.
Du zeigst mir den Weg,
werde von Dir an der Nase herumgeführt,
stehe als Wagnis vor dem Bildschirm einer Erkenntnis,
sehe mich schon von weitem,
verkaufe jeden Tag eine Fata Morgana und weiß nicht, warum.
Trete von einem Fuß auf den anderen,
habe die Öffnungszeiten zu unserem Wir vergessen
und kann mir nicht vorstellen, noch lange zu warten.

 

0075

käfige_S

 

Der frühe Vogel, der entkommt dem Käfig.
Dieser entdeckt mit Schrecken,
dass er sich vor sich selbst versteckt.
Auch bei Nacht sperrt sich der Käfig ein,
beleuchtet nur vom Licht allein.
Dann und wann schaut vielleicht mal ein Wurm vorbei,
auf der Suche nach dem einen Vogel.
Dem ist es aber einerlei,
sitzt gegenüber auf einer Stange,
während der Wurm an der Scheibe reibt die Wange,
schließt sich die Käfigtür.
Nun ist es aus und vorbei und der Vogel lacht dafür.
Schlussendlich nimmt der Wurm auch noch den Regen mit.
Und die Fensterscheibe, die hält der Kitt.

 

0074

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Ein Stahlross schnaubt und ächzt durchs Land,
schwarz hustet die Lunge zur Abfahrt,
die Weichen sind gestellt.
Übergebe die Schuld dem Schuldigen,
errege Dein Aufsehen und auf und davon.
Häßlich wie die Nacht verbiete ich dem Hass die Stimme,
verbiege die Richtung und
male mir die Landschaft auf die Linse.
Segel hart am Gegenwind,
mein glühendes Herz verkraftet
das grinsende Feuer Deiner Zwanglosigkeiten.
Verpöhnt und zugenäht reise ich von Dir zu mir und wieder zurück,
während der siedende Mittelpunkt um Erlösung bettelt.
Nun streue ich mir noch etwas Sand in die Augen, schlafe ein und
füttere mein Ego.

 

0073

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Klettere stichwortartig die Leiter zum klangfarbigen Paradies empor,
in meinen Ohren klingen die Töne eines Erwachens,
einer Wiederkehr.
Die Finger gleiten wie Spinnenbeine über den See einer Melodie
und schön zu sehen,
wie Dein Haar im Luftzug der Musik tanzt.
Verliebt klammert sich das wohlige Gefühl um Deinen Bauch wie die Arme eines Kindes,
in Deinem Innern trocknen die Wolken an einer Wäscheleine
und der Duft frisch gewaschener Gedanken zieht die Schmetterlinge an.

 

 

0072

072_S

 

Und. Ist es nicht so, dass Du immer ein Bild von mir in Dir trägst,
im rechten Winkel Deiner Sehnsucht.
Eine Armlänge von Dir entfernt.
Und. Ist es nicht so, dass Du siehst,
wie ich mich nie sah.
Dass wir uns zerstreuen, verlieren,
wie Worte im Geschwätz.
Und. Ist es nicht so, das wir von Zeit zu Zeit
an einer rötlichen Schnur steigen zum Himmel.
Als ein Stück.
Nur das Gesicht trennt Mensch vom nächsten Menschen.
Und. Ist es nicht so, dass man immer mehr sein möchte,
als der Schatten an der Wand.
Ist es nicht so, dass auf dem Geburtstagskuchen mehr Kerzen stehen,
als Du vertragen kannst,
während Dich der Clown mit seiner Grimasse
verzieht.

 

0071

tauben_S

 

Du lieber Himmel,
da lachen ja die Hühner
oder fliegt da oben ein Kranich, ein Geier?
Geht ja gar nicht.
Als Tauber versteckt in einem tristen Federkleid tun mir die ohne Flügel leid.
Selbst, hast Du die Küche voller Gerüchte
und fliehst mit flehenden Fahnen vor Deiner Schwere,
klettere auf das Pferd Deiner Kindheit,
reite nur zum Spaß und ob Deiner Ehre.
Halte den Ball flach und die üble Laune
an der kurzen Leine.
Verschenke täglich einen großen, bunten Blumenstrauß
Deiner schönsten Seite.