0120

120_S

 

Unter Atmosphäre
sieht der Kern seiner Aussage nach,
zieht diese in Betracht und atmet eine kühle Sommerluft.
Das Fleisch, das fruchtige, steht am frühen Mittag
auf dem Markt der Gelüste zum Verkauf,
läuft der gierige, der süsse Saft in offene Münder,
tausche Fruchtfleisch gegen Zahnfleisch,
und kleben die Wespen wie herrenlose Finger
an den zuckrigen Lippen,
folgt die Zunge immer der Versuchung,
bis sie auf grüngelbes Granit stösst.
Auf der Picknickdecke schlafen die Kinder.

 

0119

119_S

 

Der Fischer,
der Fischer liegt bei den Fischen.
Gefangen im Netz seiner Tränen.
Der Fischer,
liegt bei den Seinen,
eng an eng.
Liegt Zahl an Zahl,
Durst an Durst.
Salz ertränkt die Zunge,
sprich.
Der Fischer liegt Auge an Auge,
es liegt in seiner Macht.
Der Fischer liegt bei den Seinen,
liegt bei den Fischen.
In den Abgründen.
Der Fisch weiss,
dass jedem Fisch am Ende das Ende droht,
und jedem Anfang auch.
Da weinte der Fischer.

 

0118

118_S

 

Das regt Dich auf,
aber Du kannst nicht anders.
Verschließt Dich vor ihr.
Der Welt.
Sperrst Deine Geheimnisse weg.
Lässt Gras über die Sache wachsen,
pfeifst den Dächern hinterher.
Ein Applaus hätte Dir gehört, sicherlich.
Aber so.
Keine Gnade ohne Zorn,
im Traum vergibst Du allen Sündern.
Der Stachel in Deinem Fleisch bist Du.
Das hat Dich verändert.
Sieh Dich an.
Lass Dich ansehen.
Gott züchtigt Dich, aber er liebt Dich auch.
Sei wütend.
Aber sei auch nachsichtig.
Am jüngsten Tag sehen wir uns alle wieder.

 

0117

117_S

 

Du lachst Dich kaputt,
machst auf Boxenluder,
stehst beim Boxenstop
wie der Ochse vor dem Berg.
Moment mal, sitzt da nicht ein Zwerg
am Steuer und gebärdet sich
wie ein Ungeheuer.
Ungeheuer hin, nicht geheuer her,
das wird sicherlich sehr teuer.
Der Lack ist ab, Du hast deine Macken,
wie jeder auch. Das hat so seine Art.
Und ist ja schon fast ein Brauch.
Freue Dich nicht zu früh,
das wird Dich kosten viel Müh.
Denn das Rad ist ab und guter Rat teuer,
weit und breit keine Hilfe in Sicht,
Nachts wird es feucht und kalt,
davon bekommst Du dann Gicht.
Am besten ist, Du lässt alles zurück,
und gehst noch ein gutes Stück der Strecke,
Du alter Recke.
Am Ende setzt Du alles auf Anfang,
gehst über Los,
und kaufst Dir die Schlossallee,
das tut den Anderen immer weh.

 

0116

© MatuSchinski

 

Was bleibt, ist das.
Was bleibt.
Ein libellenleichter Abdruck.
Ein Fuss, kein Gesicht.
Kein Wort zu den Anderen.
Versprochen ist versprochen.
Der Abstand von hier zu dort ist ungefähr so lang.
Oder so.
Und dazwischen. Steht der Wind.
Ist der Wind eine Wand, die er vor sich hertreibt.
Sich herumtreibt. Uns aufhält.
Vertrieben sind wir, von Anfang an.
Getrieben vom Unfug oder der Suche.
Nach dem Glück. Ständig.
Kann es Dich finden.
Möchtest Du gefunden werden von der Zufälligkeit eines Zufalls
oder eher eines gelebten Paradoxons,
von Gottes Gnaden
oder der Unwahrscheinlichkeit eines Lottogewinns.
Beim Sichten von gleich mehreren Sternschnuppen,
reicht Dir der liebevolle Blick eines Anderen,
oder glaubst Du nur das, was Du wirklich siehst.
Die Würde eines jeden ist unantastbar.

 

0115

115_S

 

1234.
Eckstein.
Eckstein.
Alles.
Muss.
Versteckt.
Sein.
Reck Dich.
Streck Dich.
Dreh Dich nicht um.
Wirf die Sorge hinter Dich.
Trau Dich.
Lach Dich aus
und zeige dabei den Anderen Deine Zähne.
Lass Dich einmal am Tag auskitzeln
und vergiss dabei Dein Alter.
Setze ruhig mal aufs falsche Pferd
und streichle ab und zu einen Igel.
Verstecke Dich nur dort,
wo Du Dich selbst findest.

 

0114

© MatuSchinski

 

Blau blüht der rote Meerrettich,
hinter der Augenrinde
schielt vorsichtig eine Mondfinsternis.
Auf den zweiten Blick
folgt die Kontrolle des ersten Eindrucks,
die Etikette des guten Geschmacks
hängt in den Zelten verwaister Zirkusarenen,
und ist die zwanglose Heiterkeit verheiratet
mit der Tochter des Wahnsinns und
die Leichtigkeit nicht mehr unter den Seinen,
so läuft der Humor zwangsläufig Gefahr,
in Vergessenheit zu geraten.
Die Hoffnung.
Die Hoffnung hofft bis zum Schluss.
Dann erst stirbt der Humor.

 

0113

© MatuSchinski

 

Wie Du siehst,
kommt die Niederlage.
Irgendwann.
Beisst Dir die Zähne aus,
Zahn zu Asche und Asche zu Staub.
Zu Staub.
Wunderst Dich über die Wunden der Anderen.
Überwindest Deine Unterwürfigkeit,
bist Dir selbst überlegen.
Unterliegst dem Hochmut,
überfliegst den Fall.
Die Angst, dass Du verlierst,
verhindert, dass du gewinnst.
Am besten packst du Deine Siebensachen,
nimmst Dein kleines Schwesterlein,
bläst zum Appell,
cremst die Sonne ordentlich mit Sonnenmilch ein
und präsentierst die Wurst
beim nächsten Mal
auf einem Teller.

 

0112

112_S

 

Das macht den Braten aber auch nicht fett.
In der Hölle schmoren immer die Anderen,
oder hiess es nicht, die Hölle, das sind die Anderen.
Ich hingegen wärme mich
am Fegefeuer der irdischen Niederkunft.
Der entmenschlichten Völlerei,
der digitalen Massenhaltung,
der emotionalen Digitalisierung,
Gefühle auf engstem Raum.
Bitte schenke mir ein verliebt-sein-to-go,
gleich nehme ich mir die Zeit,
um Dich zu vergessen.
Bevor ich schon jetzt nicht mehr weiss,
was ich eigentlich vermissen sollte,
bebildere ich schnell noch meinen Zustand
und labe mich am Wohl meines Wohlstandes.
Nehme mit, was mitzunehmen sich gehört,
und entsorge mich im Anschluß an unser Gespräch.
Aber Theorien, die verkaufe ich heute nicht mehr.

 

 

0111

© MatuSchinski

 

So stand es im Reiseführer.
Am Samstag, da stranden die Kapitäne.
Sonntag werfen die Piraten ihre Anker.
Meuterei am Montag.
Mit einem lachenden Auge wird das Buffet geentert
und am Dienstag der Rest der Reisegruppe überfallen.
Am Mittwoch wird die Frau des 1. Offiziers entführt,
achtern unter Deck schreit die Meute.
Am Donnerstag wird zuerst die Schwiegermutter verkauft,
dann sticht das Segel in die aalglatten Wolken. Und am Freitag.
Am Freitag wird Kiel geholt,
wer nicht bei drei in den Rahen ist,
mit den Möwen lacht,
Moby Dick zuerst entdeckt
und weiss, wo der Barthel den Most holt.
Im nächsten Jahr, da kommen wir wieder.