0131

131_S

 

Lass Dein Haar herab,
Deine Note schwängert die Landschaft.
Melodisch duftet Deine Stimme.
Mein Körper wirkt ausgezehrt,
ich sehne mich nach Anerkennung.
Meine Sehnen sind angespannt,
ein Zwischenraum zerreisst die Stille.
Du spielst mit mir, ich spiele mit
und lauter als jede Laute läuten alle Glocken.
Dort hängen im Turm die Schläge aus Metall
und es ist wie es ist und zum Mäuse melken.
Ich finde einfach keinen Ton,
wenn ich unten an Deinem Fenster stehe
und heimlich übe ich auf der Wiese hinter dem Grün,
wippe mit dem Fuss im Takt der Halme,
krempele mir die Beine hoch
und der Regen lässt mein Gesicht schrumpfen.
Bitte entdecke mich,
danach gibt es keine Fisimatenten mehr.
Später stimme ich noch mein Gefühl (auf ein hohes C vielleicht )
und betrinke mich an Dir
oder am Sonnenlicht,
das gerade im Rasen versickert.

 

0130

130_S

 

Hier spüre ich Turbulenzen zwischen all den Toleranzen.
Wo sind unsere Wurzeln, wo beginnen wir.
Wo kommst du her.
Wer rät Dir zur Flucht.
Bezahle den Schuster und laufe um Dein Leben.
Wen lassen wir ganz nah und wo sind unsere Grenzen.
Gebietet der Anstand nicht anständig zu sein.
Wem gehört das Niemandsland.
Niemand hat Anspruch auf niemanden.
Und auf Nichts.
Wie schützen wir uns.
Vor dem Fremden in uns,
dem Unverständnis der Anderen.
Verständigung ist eine Sprache.
Weg da, ich habe es eilig.
Kaufe mir noch schnell ein paar Luftschlangen
und fessele damit meine Beute.
Heute abend gibt es frisch gefangene Freiheit.
Und flüchtet sich und fürchtet sich und findet den Ausweg nicht.
Und den Eingang.
Hinter jedem Versteck könntest Du dich verstecken.
Oder wir uns. Wir beide.
Wie ist die Quote.
Stecken die Linie und das Land
überrollen wir mit Stacheldraht,
verbieten das freundlich sein
und wer die Arme öffnet, um offen zu sein,
den holen die, die von allen guten Geistern verlassen sind.
Hier sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa.

 

0129

129_S

 

Die Anderen sagen.
Ist der Bart erst einmal ab, dann siehst Du viel jünger aus.
Aber hier.
Wer hier tot über dem Zaun hängt, ist selber Schuld.
Das Leben ist ja auch keine Kitzelmeisterschaft
und auf dem Ponyhof wünschen sich die Ponys eine Handbreit Stroh.
Oder Heu. Oder Ruhe nach dem Sturm.
Aber hübsch eins nach dem anderen:
Zeig mir, wer Du bist und ich sage dir, wer Du sein kannst.
Trotz der Schuhe.
Rate mal, drei Felder sind frei.
Du trägst die Manschetten als Angstknopf
an Deinem still blühenden weissen Hemd
und traust Dich was.
Die Gesellschaft gebärt ihre Kinder.
Und ihre Eigenarten.
Crocodie-crocoda.
Wenn möglich, stehen wir uns noch die Füsse platt,
bis der Sommer wirklich vorbei ist,
strümpfen uns die Beine
und hoffen, dass wir im nächsten Jahr
wieder einen Platz an der Sonne bekommen.
Ich habe Dich zum Fressen gern.

 

0128

128_S

 

Unser.
Vater unser.
Der Du bist wie Du. Wie wir.
Komme was wolle, in Deinem Reich geschieht es.
Der Du bist die Gleichung, die Veränderung.
Auf der Erde. Und darunter.
Der Du bist die Waage im Dickicht meines Zorns,
der Sehende in der Blindheit meiner Wut.
Täglich isst du ein Brot.
Vergib mir – aber ich hätte auch gerne eins.
Du bist die Anklage und die Gerechtigkeit,
das Tal und der beschwerliche Aufstieg.
Schuldig. Schuldig sind wir doch alle.
Auch die Unschuldigen.
Du bist der Niedergang und die Auferstehung.
Die Liebe und die Enttäuschung.
Die Erlösung.
Ein schlechter Mensch bekommt von Deiner Herrlichkeit so gut wie nichts ab.
Meistens.
Du bist das Gleichgewicht und das Feuer.
Kannst Du nicht ein Himmelreich sein.
Mit Dir würde ich Pferde stehlen.

 

Audiorike

 

0127

127_S

 

Nun bitten wir um Gehör.
Einen Regenschirm.
Bevor Du das nächste Mal springst,
nimm einen Regenschirm mit.
Bedenke. Es regnet gerne dort, wo Du gerade stehst.
Und fällst. Auffällst.
Aus Selbstmitleid versteckst Du Deinen Kopf in einem Tresor,
zwingst das Mitleid in Deine Umgebung
und fütterst Dein Ego.
Mit Ausreden.
Drei an der Zahl.
Wenn ich könnte, dann würde ich.
Wenn es in meiner Macht stünde, ich wär der Letzte.
Wenn ich helfen dürfte, dann auf jeden Fall.
Aber so. Bleibt nur ein Achselzucken.
Anatomisch. Atomar. Autogen.
Mit ganzem Gewicht.
Schneide Dir bitte noch den Mond aus dem Nachthimmel
und schlaf gut.

 

0126_B

126B_S

 

Und schweigt.
Ist im Innenraum die Luft zum Atmen zu dick
aber zum Schneiden zu dünn.
Dann schauen wir von aussen auf das Innerste.
Dort, wo die Glut glüht.
Steine zu Atemluft werden.
Kohle versiegelt die Lippen.
Die Dunkelheit eine dunkle Gestalt ist.
Uns begleitet wie das Alter.
Das Gesicht aufreisst
und wir uns die Arme aufkratzen.
Am Leben.
An den kantigen Tagen, die uns durchboxen.
Uns schwitzen lassen.
Wie Ringer in einem Ringkampf.
Die Zeit reisst mir das Leben aus den Händen.
Ich stehe auf und male mir die Lippen blau,
atme weiter.
Blau ist die Hoffnung.
Hoffe ich.

 

 

0126_A

126A_S

 

Am Nachmittag.
Am Nachmittag kommen immer die Nachbarn.
Immer.
Und messen.
Mit schrägen Blicken und abgewetzten Zollstöcken.
Die Erde vermessen.
Die Welt umrunden.
Das haben Sie.
So sagen Sie.
Mit schiefen Zähnen
in einem schiefen Mund,
den Kopf schräg gestellt.
Mal grob abschätzen.
Letztens. War. Früher.
Früher ist doch schon seit gestern vorbei.
Sage ich.
Doch ihr Gedankenstrich.
Der zieht weiter.

 

0125

125_S

 

Hand aufs Herz.
Was schlägt in Deiner Brust,
und ich schlage Dir vor.
Schlage Dich auf, wie ein rohes Ei.
Am besten ist, Du suchst Dich selbst
und haust dabei keinen in die Pfanne.
Was juckt es Dich.
Du findest Abwechslung
und addierst die Zustände.
Wenn Du Glück hast,
vergiftet Dich nur die Hexe im kaninchendunklen Wald.
Oder Deine schwarze Seele.
Im Sauseschritt jagt Dich der Jäger,
als Hauptgericht taugst Du wahrlich nicht.
Verirrst Dich im Dickicht Deiner Gefühle,
sperrst Dich ein und verlangst Tage später
den Käfigschlüssel zurück.
Lass Dich bitte nicht verführen
und führe uns nicht in Versuchung.

 

0124

124_S

 

Verstehen wir uns richtig,
ich kann Dich nicht hören.
Von der Zeit sind alle Zeiger abgebrochen,
vor uns liegt die Vergangenheit.
Auf dünnen Stäben stolzieren wir vor ihr davon.
Auf und davon.
Wir ernten das, was wir verdienen,
sähen aus, was wir verlangen.
Schauen dem Wachstum beim Wachsen zu,
der Niedertracht, wie sie schwanger und schwanger wird,
der Mehrzahl bei der Vermehrung, wie Fliegen.
Wie Maden, die ihre Leiber ineinander bohren,
übereinander stapeln,
ihre Kinder in die Obhut anderer legen.
Beim Aufwachen beschlägt der Augapfel an der Scheibe
und ich bin froh, wieder hier zu sein.
Blind. Taub. Und voller Fragen.

 

0123

123_S

 

Wir sind die Guten,
wir sind die Wilden.
Wir sind ungezähmt,
wir sind gespenstisch schön.
Wir sind gesprächig, gesellig
und zu allem bereit.
In der Nacht werfen wir unsere Schatten voraus,
wachsen bis in die Köpfe.
Gehen Dir nicht mehr aus dem Sinn.
Wir sind das Feuerwerk,
das knallrote, am Abendhimmel,
wir sind der Geschmack, der Dir gefällt.
Wir sind grün hinter den Ohren,
und beim nächsten Mal
zerfleischen wir uns
in Deinem Mund.
Wir sind natürlich
und natürlich magst Du uns,
so wie wir sind.
Hoffentlich sind wir frei erzogen,
so kannst Du uns am besten geniessen.