0102

© MatuSchinski

 

Bei allem Respekt.
Aber das hier ist ja wohl kaum Rügen.
Lügen haben kurze Beine.
Ratzfatz das viel zu enge Streifenshirt übergestreift,
auf ein Bein gestellt.
An der Reling stehen und aus allen Wolken schauen.
Wären jetzt noch die Steine lackiert wie Fußnägel,
die Freiheit weniger als zementschwer
und die Tage nicht eine ständige Wiederkehr.
Der nächste Morgen ein anderer Tag
und die Abendsonne zur Abwechslung
am Anfang des Schlafes.
Und der Wärter nicht mein einziger Freund.
Dann.
Stahlblau stiert der Himmel.
Das Wasser.
Wie Blut in den Adern.

 

0101

© MatuSchinski

 

Meine Beinstellung,
Deine Einstellung.
Du eroberst das Weltall,
bleibst dabei aber mit den Füßen am Boden.
Relativ elegant.
Gehst auf Tuchfühlung.
Tauchst Gefühle in ein Meer aus Gefühlen,
tauscht Obhut gegen Zuversicht,
kniest vor dem Brennglas Deiner Einsicht,
wechselst von jetzt auf gerade.
Verwünscht Dich.
Atmest Dich.
Verwandelst Dich.
Tauscht vorwärts gegen zurück,
rechts geht es nicht mehr weiter,
so gehst Du nach links.
Im weitesten Sinne suchst Du das Weite,
Aber schön, dass wir uns begegnet sind.

0100

© MatuSchinski

 

Bescheidenheit ist eine schmale Tür,
zwinge Dich ohne Zwang hindurch.
Geniesse den Ohrsand und denke nur an das, was Du siehst.
Fluche – wenn nur flüchtig – über Dinge,
die Du nicht ändern kannst.
Entscheidend ist doch, dass Du dich entschieden hast.
Schmücke Dich mit dem Lametta vom letzten Jahr
und kaufe das Brot vom Vortag.
Ziere Dich nicht, Deine Gier zu überwinden,
lass alles bis auf wenige Zentimeter an Dich heran
(oder näher).
Stehe auf zum Gebet
und überprüfe demnächst die Dichtigkeit sämtlicher Regenhüte.
Früher gab es mehr Sandburgen.

 

0099

099_S.jpg

 

Zieh Leine.
Entweder. Oder.
Denn der Mops ist gelutscht.
Liebe deine Dir Nahestehenden,
Du könntest der nächste sein.
Zupfst an meinen Nerven.
Die eine Herzlänge voraus
verhindert unsere Verabredung.
Öl auf der Mühle schmiert klirrendes Metall,
unaufhörlich spielen wir Fangen
wie zwei verliebte Schmetterlinge.
Wie Königskinder.
Da sitzen wir nun,
auf dem Sonnendeck unserer Beziehung
und verscheuchen die Wolken aller Missverständnisse
und suchen nach der einen Sprache,
die uns alle versteht.

0098

098_S

 

Das wäscht Dir den Kopf.
Aber ordentlich.
Bedienst Deine Hybris über Gebühr,
empfohlen wird eher eine angenehme Zurückhaltung.
Lässt gerne den Fisch in der Butter
und führst die Kuh aufs Eis,
bevor Du untergehst,
ist die Badehose schuld.
Und dann ständig das Getöse,
Du bist so laut, dass Du niemanden hörst.
Dich überhörst.
Reisst jedes Gespräch an Dich,
bleibst den Antworten ihre Antwort schuldig.
Überlässt den Fragenden ihre Blicke,
machst keine Gefangenen,
bist der Sklave Deiner selbst.
Verhaftest jedes Gesicht ,
kennst keine Grenzen,
zerstörst und schaffst Leben,
gibst uns doch immer das Gefühl,
bei Dir sein zu wollen.
Pass gut auf Dich auf und ruf mich bitte an.

 

0097

097_S

 

Wenn Du mich so fragst, gebe ich Dir Recht.
Ich bin die Versuchung, die Hingabe.
Das Verlangen.
Kann ich ein Verderben sein?
Ich kann.
Ich bin der Wunsch und ich bin die Niederlage.
Ich bin mein Schatten und ich bin ich selbst.
Ich bin der Anstand und ich bin das Vergessen.
Ich bin der Zorn und ich bin der Respekt.
Ich bin der Sturm und ich bin das Wasserglas.
Ich bin nicht Fisch und ich bin nicht Fleisch.
Ich bin schön und manchmal traue ich mich nicht vor die Tür.
Ich bin ein Superstar und oft zerbreche ich mit dem Spiegel.
Ich bin sehr stark und dann leicht wie eine Feder.
Ich könnte so vieles sein
und doch
bin ich
wie Du.

 

0096

095_S

 

Nüchtern betrachtet machen wir gerne mal blau.
Voneinander.
Du bespielst die grossen Bühnen des Lebens.
Und die kleinen.
Wendest Dich an die Öffentlichkeit.
Und ab von mir.
Wickelst Deine Schönheit um die Gunst
der Dir zu Füssen liegenden.
Ich will halten,
was mir lange schon nicht mehr gehört.
Du sagst, wir müssen reden
auch wenn da keine Worte sind.
Du sagst, wir müssen schweigen.
Es gäbe so viel zu erzählen.
Du sagst, wir müssen lieben
auch wenn da keine Liebe mehr ist.
Du sagst, wir müssen gehen.
Der eine dorthin,
der andere folgt dem Schmerz.
Lebend … lebend kommt hier keiner mehr raus.

 

0095

094_S

 

Gar nicht schlecht.
Du bist ein toller Hecht, jetzt echt.
Charakter.
Stufenlos einstellbar.
Krempelst Dir die Hosenbeine hoch,
wirkst dabei aber unheimlich anziehend.
Unvorstellbar.
Trennst die Geschlechter,
bist dabei aber auch kein Kostverächter.
Weißt genau,
dass der Hund an der Leine
keinen Hasen fängt.
Zu Füßen liegt Dir die Masse,
das hat dann weniger Klasse.
Der Rasen rast rastlos in die Ferne,
zurückgehalten nur vom Meer.
Das letzte Hemd hat keine Taschen,
sich das zu merken, ist gar nicht schwer.

 

0094

094_S

 

Schön, das rote Abendkleid wirft den Kreis.
Tratsch und Klatsch verflüstern sich gern in handtaschengerechtem Format, schwielig schwitzt das Gerede  aus jeder Pore.
Im Sonnenlicht zeigt die Sonne ihr wahres Gesicht.
Keine Ahnung warum, aber das Rot stand Dir schon immer ganz besonders.
Überflüssig zu erwähnen, das Maßstäbe immer  nur neue Maßstäbe setzen.
Darum tanzen wir über rote Ampeln,
stecken uns die Fliege an den Hut,
strecken dem Jedermann die Zunge raus,
klingeln bei jedem Männchen,
heften Zahnpasta unter die Türklinke,
schreiben dem ärgsten Feind einen Liebesbrief
und lesen täglich Matuschinski.