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Ein Stahlross schnaubt und ächzt durchs Land,
schwarz hustet die Lunge zur Abfahrt,
die Weichen sind gestellt.
Übergebe die Schuld dem Schuldigen,
errege Dein Aufsehen und auf und davon.
Häßlich wie die Nacht verbiete ich dem Hass die Stimme,
verbiege die Richtung und
male mir die Landschaft auf die Linse.
Segel hart am Gegenwind,
mein glühendes Herz verkraftet
das grinsende Feuer Deiner Zwanglosigkeiten.
Verpöhnt und zugenäht reise ich von Dir zu mir und wieder zurück,
während der siedende Mittelpunkt um Erlösung bettelt.
Nun streue ich mir noch etwas Sand in die Augen, schlafe ein und
füttere mein Ego.

 

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Klettere stichwortartig die Leiter zum klangfarbigen Paradies empor,
in meinen Ohren klingen die Töne eines Erwachens,
einer Wiederkehr.
Die Finger gleiten wie Spinnenbeine über den See einer Melodie
und schön zu sehen,
wie Dein Haar im Luftzug der Musik tanzt.
Verliebt klammert sich das wohlige Gefühl um Deinen Bauch wie die Arme eines Kindes,
in Deinem Innern trocknen die Wolken an einer Wäscheleine
und der Duft frisch gewaschener Gedanken zieht die Schmetterlinge an.

 

 

0072

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Und. Ist es nicht so, dass Du immer ein Bild von mir in Dir trägst,
im rechten Winkel Deiner Sehnsucht.
Eine Armlänge von Dir entfernt.
Und. Ist es nicht so, dass Du siehst,
wie ich mich nie sah.
Dass wir uns zerstreuen, verlieren,
wie Worte im Geschwätz.
Und. Ist es nicht so, das wir von Zeit zu Zeit
an einer rötlichen Schnur steigen zum Himmel.
Als ein Stück.
Nur das Gesicht trennt Mensch vom nächsten Menschen.
Und. Ist es nicht so, dass man immer mehr sein möchte,
als der Schatten an der Wand.
Ist es nicht so, dass auf dem Geburtstagskuchen mehr Kerzen stehen,
als Du vertragen kannst,
während Dich der Clown mit seiner Grimasse
verzieht.

 

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Du lieber Himmel,
da lachen ja die Hühner
oder fliegt da oben ein Kranich, ein Geier?
Geht ja gar nicht.
Als Tauber versteckt in einem tristen Federkleid tun mir die ohne Flügel leid.
Selbst, hast Du die Küche voller Gerüchte
und fliehst mit flehenden Fahnen vor Deiner Schwere,
klettere auf das Pferd Deiner Kindheit,
reite nur zum Spaß und ob Deiner Ehre.
Halte den Ball flach und die üble Laune
an der kurzen Leine.
Verschenke täglich einen großen, bunten Blumenstrauß
Deiner schönsten Seite.

 

 

0070

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Du falschblumige Schräggesichtigkeit,
hör doch auf, mich anzustarren,
an mir herumzulamentieren,
mich aufzufressen.
Du nagst am Ohr des Weghörens,
scheuchst mich durch ein Gespinst von Wahrheiten,
schleust mich in Dein Leben und vergisst
mich zu gießen.
Mit Deinen Schwüren,
Deinem Versprechen.
Deinem Wegdrehen
und mit Deiner Treue.
Umarme Dich in meinem Gebet und flehe
und trinke das Wasser zu Deinen Füßen.
Aus Deinen Augen,
lass es von Deinen Schultern laufen
und ich betrinke mich an Dir.
Bewirte weiterhin meine Gefühle,
ich besteige demnächst den Fahrstuhl zu Deinem Bewusstsein
und schleiche mich in die Kammer des
Vergessens.

 

0069

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Vertrete mir die Beine und Du deine Meinung.
Bezahlst mit Deinem Fußabdruck und
stehst dabei ganz schön auf dem Schlauch Deiner Geschichte herum.
Vergeltung übt sich, wer früh ein Meister werden will.
Scherenhaft klafft der Himmel unter Deinem Gesicht auf,
eine Leere äfft der anderen nach,
Du verwechselt Dich in der Verwandlung und
Dein Aufbegehren hilft nur dem Fremden in Dir.

 

 

0068

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Möchtest Du der sein, der mir den Weg bereitet.
Mir die Augen öffnet.
Möchtest Du der sein, der immer da ist,
wo ich ihn gerne hätte.
Die Türe offen hält.
Möchtest Du der sein, der mich stützt,
wenn ich stolpere,
der mich auffängt, bevor ich falle.
Möchtest Du der sein, der die Steine aus meinen
Träumen entfernt,
mein zerrissenes ich wieder
zusammennäht.
Möchtest Du der sein, der mir meine Ohnmacht nimmt,
mir erklärt wie die Liebe klingt.
Möchtest Du der sein, der mich mit der Schaufel erschlägt, der,
der an meinem Grabe singt.
Mich auferstehen lässt.
Wer möchtest Du sein.

 

Audiobritta

 

 

0067

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Vermute die langstielige Einsilbigkeit
eines dahintreibenden Schwanenpaares,
einer vernebelten Klarheit,
der List einer einäugigen Schlange.
Glaube nicht an die verlangenden Worte
eines abtrünnigen Priesters,
den hoffnungssuchenden Händen derer,
die Hoffnung nur noch suchen.
Verkaufe Dich nicht an Deine Wut,
wüte lieber im Garten aller Ungerechtigkeiten.
Schlage Dich auf eine Dir unbekannte Seite,
und erschlage alle Grenzen.
Distanziere Dich dann und wann von Deinen Freunden
und halte Dir deine Feinde nah.

 

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Es war einmal ein Fluch,
jünger als die Luft zum Atmen,
schneller als die Dunkelheit.
Es war einmal eine Berührung,
die war härter als jeder Stein.
Fester, als jede Farbe.
Es war einmal ein Wimpernschlag,
lauter als jeder Schrei.
Kälter als jedes Haus.
Es war einmal eine Figur,
die war lächerlicher als jeder Witz.
Ungelenk wie gefrorenes Wasser.
Es war einmal eine Begegnung,
die vergänglicher war
als die Vergangenheit.
Und es war einmal ein Fluch,
der suchte sich den Weg zu mir
und fand ein kahlgeschorenes
Gewissen.
Am Ende lackiere ich mir die Nägel grün.

 

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Das Licht,
führt mich hinter das Licht.
Ich pflanze einen feurigen Blumenstrauß in meinen Tag,
nebenbei verwelken die Stunden.
Zähle meine Herzschläge und verzähle mich bei meinen Versuchungen.
Fülle den Mund mit einem Lachen,
und die Augen mit Deinen Blicken.
Hänge am Faden meiner Geduld
und erwarte die Flaschenpost
mit Vorschlägen
für das weitere Vorgehen.

 

Audiobotho