0064

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Ich zeig Dir, wo der Frosch die Locken hat,
wo der Frack die Weste trägt,
wo sich der Mond versteckt,
wer die Wünsche aufs Papier malt
und den Kindern das Lachen ins Gesicht.
Ich zeig Dir, wer den Bäumen die Frisur verpasst
und warum der Schaffner seinen Zug.
Warum der Regen nicht nach oben fällt
und Du im Zweifel nicht weit vom Stamm.
Ich zeig Dir, warum Dich alle sehen,
obwohl Du Deine Augen schließt
und das Gras nicht schneller wächst,
wenn Du daran ziehst.
Dass wir kleiner sind als jedes Sandkorn
und das Universum Dich nie vergisst.
Ich zeig Dir, dass ein Fisch länger die Luft anhält
als Du dir vorstellen kannst
und ein Rückwärtsmarathon Dir keine Medaille einbringt.
Dass ein Strauß nicht den Kopf verliert,
sich Deine Spuren aber im Sand.
Ich zeig Dir, wer Du wirklich bist
und verzeihe mir meine Sturheit,
während ich auf das nächste Frühjahr warte.

 

Audiorike

 

 

0063

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Im Schlafrock tänzel ich über das Parkett
und bin dabei relativ nett.
Anzusehen.
Aber jetzt liege ich hier,
im Kreise von Vier
und stütze mich im Liegen.
Die Wärme beschützt uns vor den Fliegen,
geschmacklich bleiben wir eher am Boden und
Freundschaften schließen sich schlecht
in einem Aquarium aus glutsteifer Hitze.
Nun, dass ich schwitze
ist kaum zu übersehen und
tomatenschattiges Schamesrot bewahrt mich
vor dem sicheren
Sommerschlussverkaufstod.

 

0062

062_s

 

Kopf an Kopf marschiert der grünwangige Spielmannszug,
leichtgeschneckt und eventell etwas eingenickt
kommt das Haus zu spät zum Buffet.
Schleimig vertreten sich die Füße ihre Meinung
und auf der Veranda wird auffällig viel Gift verstreut.
Der Gärtner wird immer der Mörder sein und bleibt oft unentdeckt,
ein Stein erschlug im Flug den Bruder,
dem Reumütigen wird der Beichtstuhl hinterhergetragen.
Man trifft sich garantiert zweimal an einem Abend.
Und trägt auch das Gegenüber ein Schwert der Habgier am Gurt,
so versteckt man sich am besten
in den Ohren eines vorbeigehenden Elefanten.
Oder bezahlt dem Kellner sein unglückliches Lächeln.

 

0061

061_s

 

Du wirfst Dich für mich ins Zeug,
trommelst Dir auf der Brust herum,
wirbelst die Bettlaken aus dem Meer
und kühlst damit meine Waden.
Du sternhaubiges Schöngespenst,
auch im schaumatmenden Lichtgewitter verzeih ich Dir
Dein windabgeworfenes Gesicht.
Spiegelrund verzerren sich meine Jahre
in Deinem schuppigen Kleid
und als ich rudere im Tal des endlosen Begehrens
verschwinden langsam Deine blutleeren Schatten,
während um mich herum
die beflaggten Schiffe der Sehnsucht
ertrinken.

 

Audiorea

 

 

0059

059_s

 

Still ruht der See, denn
einsame Wasser sind tief.
Als lässiger Diskus stehle ich mir selbst die Show,
im diagonal anmoderierten Dialog verstummen auch die letzten
Quälgeister.
Im weitesten Sinne gehöre ich zur Familie der Quallen,
aber die Quelle des Ursprungs ist
ungewiss.
Darum betrinke ich mich weiter am Leben
und der Rest ist mir auch grad
egal.

 

0058

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Ich flehe Dich an, ich lehne mich hinaus.
Verdrahte meine Stimme und Du rufst nicht zurück.
Fluchst mich in die Ferne.
Erblinde im nächsten Augenblick und im übernächsten verdunkelt sich das
Augenkino.
Du umkreiselst meine Verwirrung,
ich schreite aus mir heraus und schreie in mich hinein .
Ich habe die Hochzeit auf Hawaii nie gewollt.

 

 

0057

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Wäre ich ein Hut,
so hätte ich vier Ecken,
zum darin verstecken.
So wie ich das sehe,
wird das hier ein Plattfuss,
oder man fährt mich zu Mus.
Bin flach wie eine Flunder,
das ist ja auch kein Wunder.
Die Tür hat mich vor das Haus gejagt,
das Leben spielt mir übel mit.
Stein auf Bein liege ich ganz verdrossen,
ich bin in Dich  verschossen.
Deine Schulter ist kalt wie ein gefrorenes Hühnchen,
ich rupfe mir die Federn aus und halte die Stelle,
pass bloß auf, bevor ich belle.
Hund zu sein ist gar nicht schwer, eigentlich.
Du legst jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal
zwei.

 

Audioschensch

 

 

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Ich stehe in Flammen,
Du brennst mit mir um die Wette.
Zur Hölle mit der Dunkelheit,
wir verbrennen die Nacht.
Lichtadrig läuft das Grelle ins Auge,
verletze mich an den feurigen Nadelstichen
und genieße Deine Vorwürfe.
Klettere durch einen Wald voll brennender Stimmen,
die Lichtschaukel trägt mich davon,
klebe wie ein Glas Honig an einer gezweigten Kreuzung,
kämme mir das Haar und betrinke mich an
Deiner Wärme.