0215

Du bist die perfekte Mischung aus dem Nebel des Grauens
und dem Einmaleins einer hedonistischen Grausamkeit,
aus Tradition und dem Missverständnis eines demokratischen Wandels.
Hin zur Perforation der inneren Ruhe reitest Du die trojanischen Pferde
durch die Vielschichtigkeit einer außerordentlichen Wahrnehmung.
Verschwommen beobachtet Dich der Türspion
und am Eingang wartet Dein Spiegelbild in Türsteher-Optik auf seine Gäste.
Das Testbild stellt Dir den Haftbefehl aus,
den du schon seit Wochen erwartest
und wer A sagt, meint eigentlich B.
Ein guter Rat ist oft nicht teurer als ein schlechter,
bleibe lieber unsichtbar und bezahle beizeiten Deine Mahnungen. 
Bestrebe stets die Natur der Dinge,
schneide sorgfältig eine Grimasse oder zwei,
knuddel mit Deinen Gefühlen,
schaue im Ärmel nach den Assen
und halte Dich in naher Zukunft fern der Heimat.
Denn erst wenn man vermisst, wird man nicht vergessen.

0214

In Deinem Kopf sieht es aus wie in Deinem Zimmer.
Du hast die Spreu vom Weizen getrennt und Dich anschliessend aus dem Staub gemacht.
Wie eine gestrandete Ordnung füllt sich in zweifelhafter Manier das Vakuum,
die Luft strömt durch die vertrauten Gitter und siebt was sie kann.
Deine Liebe wird nur selten erhört,
nebenan raunen sich die Rauten ins Gespräch bis die Köpfe rauchen.
Bitte begnadige Deine dunkelste Seite
und beim Wetteifern um den ersten Platz bist Du immer gerne dabei.
Reserviere Deine Einstellung
und lege eine Hand auf Dein Versprechen,
sofern Du es einhalten kannst.
Beträume mich noch ein wenig,
bevor es keine Träume mehr geben wird
und weine das Wasser hinter Deinen Augen.
Ihr findet mich später auf dem Sonnendeck.

0213

Das kann man so sehen oder so.
Obwohl die Statistik etwas anderes sagt,
beschlägt hier das Eisen am Fuss,
bis die Vorboten an uns vorbei reiten.
Verboten bleibt verboten.
Ein Handschlag besiegelt irgendetwas,
am Wegesrand lagern die Diebe,
und leise rieselt der Schnee.
Ist es nun Wille oder geschehen Dinge sowieso.
Wer fragt bleibt dumm, bis die Antwort weitere Fragen gebährt.
Im Schweinsgalopp quittiert der Reiter seinen Dienst.
Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.
Die Sukkulenten werfen sich in ein weitgehend akzentfreies Handeln
und machen dabei durchaus eine angenehme Figur.
Ein Sattel macht noch keinen Jockey
und am Ende des Tages bin ich schon wieder ein kleines bisschen schlauer.

0212

Mein Name ist Hase.
Und am liebsten schaue ich über den See
und rudere mir die Ohren vom Leib.
Panama ist gleich um die Ecke.
Mir fällt es wie Schuppen aus dem Spiegel
und leicht, ganz so leicht ist es dann doch nicht.
Aber ein Versprechen nehme ich mir selbst noch ab.
Ist der Winter vorbei, höre ich sofort auf zu frieren,
binde mir zwei verspiegelte Karpfen an die Beine
und gleite mit ihnen über das Wasser.
Nebenbei fischt ein frisch frisierter Fritz frittierte Fische
aus einem freundlich nahegelegenen Fischereigewässer
und freut sich diebisch über den Fang erfrischend frecher Fische.

0211

Ich bin hier voll auf Sendung,
während Du dort mit Deiner kosmopolitischen Einstellung ziemlich viel Staub aufwirbelst.
Die anderen springen derweil im Dreieck,
denn wenn sich etwas aufgestaut hat,
pfeifen irgendwann die Ventile.
Es reiht sich Kleid an Kleid,
und glücklich der, der eine eiserne Rüstung tragen darf,
bis die Funken fliegen.
Hier wohnt man noch Tür an Tür und weiss es für den anderen immer besser.
Auf der Straße wurde ein Fuchs gesehen.
In der Nachbarschaft spricht es sich leichter mit Gerüchten
und gegenüber hat gerade jemand ein Bier bestellt.
Die Bäume haben ihr Laub versteckt
und sehen aus, als wären sie vor uns gestorben.
Der Nebel klemmt sich zusammen mit dem wenigen Raum zwischen die Häuser,
nach oben ist immer noch Luft.
Endlos qualifiziert spricht man um den heissen Brei herum
und spaziert herein ins triste Einerlei.
Das steinige Meer spült uns an den Abenden an das traurige Ufer eines endlosen Tages
und während ich durch die Gassen eile wie ein zahnloser Gollum,
hallt es hinter mir wie ein Schabernack.

/wandkalender 2021 @buchbox

Rest-Exemplare bei der @buchbox am Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg erhältlich!

Der #matuschinski-Wandkalender 2021.

Fotos von Dirk Hasskarl mit Texten von Marcus Maas.

55 Seiten, 21/21 cm, 500g, Ringbindung.

15,-

@@@@@

matuschinskipost@gmail.com
matuschinski.com
vimeo.com/matuschinski
twitter.com/schinskimatu

@@@@@

#matuschinski #kalender2021 #calendar2021 #calendário2021 #hammerhart #supertoll #tegekhoor #megawicked #hotshit #buynoworbesquareforever
#merdaquente #fofissimo #hasskarl #fotograf #berlin #lissabon #weltweit
#maas #baumpflege #berlin #brandenburg #doismonstrosdasbolachas

0210

Unter diesen Umständen mache ich von meinem Widerspruchsrecht Gebrauch
und trete von sämtlichen Aussagen, auch den unausgesprochenen, zurück.
Ich werde ohne meinen Anwalt keine weiteren Auskünfte erteilen.
Anschließend würde ich liebend gerne ins Zeugenschutzprogramm einsteigen.
Im engmaschigen und weiteren Verlauf möchte ich noch auf meine Engstirnigkeit hinweisen
und begrüsse die Gnade der späten Geburt.

0209

Alles verändert sich, wenn Du es veränderst.
Wenn ich über mich nachdenke, wäre es an der Zeit für etwas anderes.
Einen Neuanfang vielleicht.
So im spielerischen Sinne.
Na klar, das ist jetzt wieder so ganz stereotypisch.
Das sagen die einen. Und die anderen sagen das auch.
Aber im Ernst, der Gedanke geistert mir schon länger durch meinen schönen Kopf.
Die Sachen gepackt und weg. Landflucht. Ab in die Stadt. Was Eigenes aufbauen.
Vom Tellerwäscher zum Busfahrer, den Millionär hänge ich noch hinterher.
Vom Schweinepriester zum Pfarrer, anschließend zur Rampensau.
Alles möglich, man muss nur wollen.
Das sagten schon die Väter.
Die haben immer das Sagen.
Gehabt. Euch wohl.
Und fürchtet Euch nicht.

0208

Showtime.
Offensichtlich herrscht hier Goldgräberstimmung.
Zur Götterdämmerung lachen ja schliesslich die Hühner.
Denn wie Du siehst sind die Kühe auf dem Eis.
Und darunter streichelst Du die Fische
bis sie zahm sind wie eine Hand und freiwillig in Deine Tasche hüpfen.
Hätte ich eine Angel. Frage nicht.
Aber so gibst Du mir jeden Tag einen Fisch und ich bereue meine Abhängigkeit.
Das schmeichelt dem, der gerne nach Gräten schmeckt und sich ab und zu dem Hunger streckt.
Mit meinen Emotionen verhält es sich ähnlich wie mit meinen Gefühlen.
Werden sie zu oft gefordert, verstecke ich mich vor ihnen.
Lässt man beide an der Leine, der langen, dann wird nicht nur der Hund in der Pfanne verrückt,
spätestens dann fährt der ganze Hühnerstall Motorrad.
Das geht hier ab wie Schmidts Katze.

0207

Ich denke, dass ich gut bin.
Ein guter Mensch, ohne böse Absichten.
Auch wenn mir sonst keiner über den Weg traut,
bin ich doch mutig genug und hänge die Finsternis des Mondes
in die Zwischenräume frisch gewaschener Bewegungen.
Von links nach rechts sortiert sich die Biographie alter Tage,
am Boden zerstört ordnet das Sterngespinst eine neue Ordnung.
Ich betrachte das Schauspiel als Interpret und Autor, als Zuschauer,
und entdecke mich dabei neu.
Im Morgengrauen nutze ich die Neigung des Winkels
und fege die wenigen Krümel der letzten Nacht in eine Schale,
der Wind kämmt mir das Haar aus dem Gesicht,
ich falle auf die Knie.
Dabei schwankt die Stimmung zwischen Rotwein und Leitungswasser.
Danach verschenke ich den Tag.