0126_A

126A_S

 

Am Nachmittag.
Am Nachmittag kommen immer die Nachbarn.
Immer.
Und messen.
Mit schrägen Blicken und abgewetzten Zollstöcken.
Die Erde vermessen.
Die Welt umrunden.
Das haben Sie.
So sagen Sie.
Mit schiefen Zähnen
in einem schiefen Mund,
den Kopf schräg gestellt.
Mal grob abschätzen.
Letztens. War. Früher.
Früher ist doch schon seit gestern vorbei.
Sage ich.
Doch ihr Gedankenstrich.
Der zieht weiter.

 

0125

125_S

 

Hand aufs Herz.
Was schlägt in Deiner Brust,
und ich schlage Dir vor.
Schlage Dich auf, wie ein rohes Ei.
Am besten ist, Du suchst Dich selbst
und haust dabei keinen in die Pfanne.
Was juckt es Dich.
Du findest Abwechslung
und addierst die Zustände.
Wenn Du Glück hast,
vergiftet Dich nur die Hexe im kaninchendunklen Wald.
Oder Deine schwarze Seele.
Im Sauseschritt jagt Dich der Jäger,
als Hauptgericht taugst Du wahrlich nicht.
Verirrst Dich im Dickicht Deiner Gefühle,
sperrst Dich ein und verlangst Tage später
den Käfigschlüssel zurück.
Lass Dich bitte nicht verführen
und führe uns nicht in Versuchung.

 

0124

124_S

 

Verstehen wir uns richtig,
ich kann Dich nicht hören.
Von der Zeit sind alle Zeiger abgebrochen,
vor uns liegt die Vergangenheit.
Auf dünnen Stäben stolzieren wir vor ihr davon.
Auf und davon.
Wir ernten das, was wir verdienen,
sähen aus, was wir verlangen.
Schauen dem Wachstum beim Wachsen zu,
der Niedertracht, wie sie schwanger und schwanger wird,
der Mehrzahl bei der Vermehrung, wie Fliegen.
Wie Maden, die ihre Leiber ineinander bohren,
übereinander stapeln,
ihre Kinder in die Obhut anderer legen.
Beim Aufwachen beschlägt der Augapfel an der Scheibe
und ich bin froh, wieder hier zu sein.
Blind. Taub. Und voller Fragen.

 

0123

123_S

 

Wir sind die Guten,
wir sind die Wilden.
Wir sind ungezähmt,
wir sind gespenstisch schön.
Wir sind gesprächig, gesellig
und zu allem bereit.
In der Nacht werfen wir unsere Schatten voraus,
wachsen bis in die Köpfe.
Gehen Dir nicht mehr aus dem Sinn.
Wir sind das Feuerwerk,
das knallrote, am Abendhimmel,
wir sind der Geschmack, der Dir gefällt.
Wir sind grün hinter den Ohren,
und beim nächsten Mal
zerfleischen wir uns
in Deinem Mund.
Wir sind natürlich
und natürlich magst Du uns,
so wie wir sind.
Hoffentlich sind wir frei erzogen,
so kannst Du uns am besten geniessen.

 

0122

122_S

 

Das kannst Du nicht machen.
Vergleiche Dich nie mit dem Unvergleichlichen,
so nah die Gleichung auch ist.
Ein X ist nie ein U
und die Mücke kein Elefant.
Der Porzellanladen gehört schon lange zur Familie.
Halte die Fassung,
dreh nicht durch
und Dich nicht um,
leuchte vorsichtig
und scheuche das Licht durch das faltige Dunkel.
Für deine Figur tust Du Gutes,
zählst die Anzahl,
kniest in der Beuge
und ernährst dich nicht nur vom Brot allein.
Hier verkleiden sich
jetzt noch und zum Schluss
die Pfirsiche,
ein großer Reigen wird getanzt
und eng umschlungen duftet sich der Herbst in deine Nase.

 

0121

121_S

 

Der Doktor verliess erst den Raum,
als die letzte Fruchtfliege starb.
Täglich eine Fliege essen
und Du kannst Dich bald vergessen.
Hiess es doch oder wenn Du fällst,
dann fällst Du, aber bitte falle nicht weit vom Stamm.
Wer kann, der kann.
Hinter der Schale,
da wohnen die harten Kerle,
aussen Kern und innen ganz weich.
Iss.
Den Zahnarzt trifft es ganz empfindlich an der Wurzel,
wenn der Atem grün aufsteigt
und der Patient im Liegen nicht nach Apfel duftet.
Später wiegt sich die Vorzimmerdame
sanft im weißen Kittel hin und her,
der Schmerz verlässt – ganz privat – die Praxis.
Beim Einsteigen sammele ich noch meine Zähne ein,
und binde mir die Haare mit Zahnseide zusammen.

 

0120

120_S

 

Unter Atmosphäre
sieht der Kern seiner Aussage nach,
zieht diese in Betracht und atmet eine kühle Sommerluft.
Das Fleisch, das fruchtige, steht am frühen Mittag
auf dem Markt der Gelüste zum Verkauf,
läuft der gierige, der süsse Saft in offene Münder,
tausche Fruchtfleisch gegen Zahnfleisch,
und kleben die Wespen wie herrenlose Finger
an den zuckrigen Lippen,
folgt die Zunge immer der Versuchung,
bis sie auf grüngelbes Granit stösst.
Auf der Picknickdecke schlafen die Kinder.

 

0119

119_S

 

Der Fischer,
der Fischer liegt bei den Fischen.
Gefangen im Netz seiner Tränen.
Der Fischer,
liegt bei den Seinen,
eng an eng.
Liegt Zahl an Zahl,
Durst an Durst.
Salz ertränkt die Zunge,
sprich.
Der Fischer liegt Auge an Auge,
es liegt in seiner Macht.
Der Fischer liegt bei den Seinen,
liegt bei den Fischen.
In den Abgründen.
Der Fisch weiss,
dass jedem Fisch am Ende das Ende droht,
und jedem Anfang auch.
Da weinte der Fischer.

 

0118

118_S

 

Das regt Dich auf,
aber Du kannst nicht anders.
Verschließt Dich vor ihr.
Der Welt.
Sperrst Deine Geheimnisse weg.
Lässt Gras über die Sache wachsen,
pfeifst den Dächern hinterher.
Ein Applaus hätte Dir gehört, sicherlich.
Aber so.
Keine Gnade ohne Zorn,
im Traum vergibst Du allen Sündern.
Der Stachel in Deinem Fleisch bist Du.
Das hat Dich verändert.
Sieh Dich an.
Lass Dich ansehen.
Gott züchtigt Dich, aber er liebt Dich auch.
Sei wütend.
Aber sei auch nachsichtig.
Am jüngsten Tag sehen wir uns alle wieder.

 

0117

117_S

 

Du lachst Dich kaputt,
machst auf Boxenluder,
stehst beim Boxenstop
wie der Ochse vor dem Berg.
Moment mal, sitzt da nicht ein Zwerg
am Steuer und gebärdet sich
wie ein Ungeheuer.
Ungeheuer hin, nicht geheuer her,
das wird sicherlich sehr teuer.
Der Lack ist ab, Du hast deine Macken,
wie jeder auch. Das hat so seine Art.
Und ist ja schon fast ein Brauch.
Freue Dich nicht zu früh,
das wird Dich kosten viel Müh.
Denn das Rad ist ab und guter Rat teuer,
weit und breit keine Hilfe in Sicht,
Nachts wird es feucht und kalt,
davon bekommst Du dann Gicht.
Am besten ist, Du lässt alles zurück,
und gehst noch ein gutes Stück der Strecke,
Du alter Recke.
Am Ende setzt Du alles auf Anfang,
gehst über Los,
und kaufst Dir die Schlossallee,
das tut den Anderen immer weh.