0116

© MatuSchinski

 

Was bleibt, ist das.
Was bleibt.
Ein libellenleichter Abdruck.
Ein Fuss, kein Gesicht.
Kein Wort zu den Anderen.
Versprochen ist versprochen.
Der Abstand von hier zu dort ist ungefähr so lang.
Oder so.
Und dazwischen. Steht der Wind.
Ist der Wind eine Wand, die er vor sich hertreibt.
Sich herumtreibt. Uns aufhält.
Vertrieben sind wir, von Anfang an.
Getrieben vom Unfug oder der Suche.
Nach dem Glück. Ständig.
Kann es Dich finden.
Möchtest Du gefunden werden von der Zufälligkeit eines Zufalls
oder eher eines gelebten Paradoxons,
von Gottes Gnaden
oder der Unwahrscheinlichkeit eines Lottogewinns.
Beim Sichten von gleich mehreren Sternschnuppen,
reicht Dir der liebevolle Blick eines Anderen,
oder glaubst Du nur das, was Du wirklich siehst.
Die Würde eines jeden ist unantastbar.

 

0115

115_S

 

1234.
Eckstein.
Eckstein.
Alles.
Muss.
Versteckt.
Sein.
Reck Dich.
Streck Dich.
Dreh Dich nicht um.
Wirf die Sorge hinter Dich.
Trau Dich.
Lach Dich aus
und zeige dabei den Anderen Deine Zähne.
Lass Dich einmal am Tag auskitzeln
und vergiss dabei Dein Alter.
Setze ruhig mal aufs falsche Pferd
und streichle ab und zu einen Igel.
Verstecke Dich nur dort,
wo Du Dich selbst findest.

 

0114

© MatuSchinski

 

Blau blüht der rote Meerrettich,
hinter der Augenrinde
schielt vorsichtig eine Mondfinsternis.
Auf den zweiten Blick
folgt die Kontrolle des ersten Eindrucks,
die Etikette des guten Geschmacks
hängt in den Zelten verwaister Zirkusarenen,
und ist die zwanglose Heiterkeit verheiratet
mit der Tochter des Wahnsinns und
die Leichtigkeit nicht mehr unter den Seinen,
so läuft der Humor zwangsläufig Gefahr,
in Vergessenheit zu geraten.
Die Hoffnung.
Die Hoffnung hofft bis zum Schluss.
Dann erst stirbt der Humor.

 

0113

© MatuSchinski

 

Wie Du siehst,
kommt die Niederlage.
Irgendwann.
Beisst Dir die Zähne aus,
Zahn zu Asche und Asche zu Staub.
Zu Staub.
Wunderst Dich über die Wunden der Anderen.
Überwindest Deine Unterwürfigkeit,
bist Dir selbst überlegen.
Unterliegst dem Hochmut,
überfliegst den Fall.
Die Angst, dass Du verlierst,
verhindert, dass du gewinnst.
Am besten packst du Deine Siebensachen,
nimmst Dein kleines Schwesterlein,
bläst zum Appell,
cremst die Sonne ordentlich mit Sonnenmilch ein
und präsentierst die Wurst
beim nächsten Mal
auf einem Teller.

 

0112

112_S

 

Das macht den Braten aber auch nicht fett.
In der Hölle schmoren immer die Anderen,
oder hiess es nicht, die Hölle, das sind die Anderen.
Ich hingegen wärme mich
am Fegefeuer der irdischen Niederkunft.
Der entmenschlichten Völlerei,
der digitalen Massenhaltung,
der emotionalen Digitalisierung,
Gefühle auf engstem Raum.
Bitte schenke mir ein verliebt-sein-to-go,
gleich nehme ich mir die Zeit,
um Dich zu vergessen.
Bevor ich schon jetzt nicht mehr weiss,
was ich eigentlich vermissen sollte,
bebildere ich schnell noch meinen Zustand
und labe mich am Wohl meines Wohlstandes.
Nehme mit, was mitzunehmen sich gehört,
und entsorge mich im Anschluß an unser Gespräch.
Aber Theorien, die verkaufe ich heute nicht mehr.

 

 

0111

© MatuSchinski

 

So stand es im Reiseführer.
Am Samstag, da stranden die Kapitäne.
Sonntag werfen die Piraten ihre Anker.
Meuterei am Montag.
Mit einem lachenden Auge wird das Buffet geentert
und am Dienstag der Rest der Reisegruppe überfallen.
Am Mittwoch wird die Frau des 1. Offiziers entführt,
achtern unter Deck schreit die Meute.
Am Donnerstag wird zuerst die Schwiegermutter verkauft,
dann sticht das Segel in die aalglatten Wolken. Und am Freitag.
Am Freitag wird Kiel geholt,
wer nicht bei drei in den Rahen ist,
mit den Möwen lacht,
Moby Dick zuerst entdeckt
und weiss, wo der Barthel den Most holt.
Im nächsten Jahr, da kommen wir wieder.

 

0110

© MatuSchinski

 

Ich so, sag mal.
Er so, was denn.
Ich so, also wirklich.
Er so, was mach ich denn.
Ich so, geh da man nicht so nah dran.
Er so, wo dran denn.
Ich so, na da vorne.
Er so, meine Sache.
Ich so, ich zeig Dir gleich mal Deine Sache.
Er so, lass mich.
Ich so, mach man nicht die Stäbe krumm.
Er so, die sind doch nicht aus Zucker.
Ich so, aber pass mal auf, dass nicht gleich die Peitsche.
Er so, mein Vater ist Anwalt.
Ich so, Anwalt, Anwalt, ich bin Polizist gewesen. Früher.
Er so, ja klar.
Ich so, hier mein Ausweis, ehemalig.
Er so, interessiert mich nicht die Bohne.
Ich so, jetzt reicht es aber, Freundchen.
Er so, ich kann Karate .
Ich so, ist Dein Vater eigentlich auch Fußballer.
Er so, mmmmh, kannst Du hellsehen.
Ich so, hab eigentlich schon etwas grauen Star,
aber logisch denken war ja früher beruflich an der Tagesordnung.
Er so, auf jeden Fall sollten wir uns gemeinsam am Grün betrinken,
dem Fährmann sein Geld geben
und heute Abend noch etwas übers Wasser laufen.
Barfuss natürlich.

 

Audiorike

 

0109

© MatuSchinski

 

Der Phönix, der steigt auch am helllichten Tag.
Schiebt die Asche vor sich her,
trägt das Gewand eines verlorenen Sohnes.
Das göttliche Licht scheitelt den Schopf,
die vorhangblinden Fenster blinzeln trübe,
die Sonne nimmt das Licht.
Der Erdkrümmung zugetan
lehnt sich der Schatten weit hinaus.
Muskeln schmelzen auf heissem Metall
und ein stierblutiger Blick durchbohrt meterdicke Wände.
Menschen verschwinden über Nacht,
verschluckt im Nebel ihrer Tage,
oder erstarren zu säumigen Salzsäulen,
mitten im Leben.
Tot.
Sie waren tot.
Aber stillliegen konnten sie nicht.

 

0108

© MatuSchinski

 

Gedankenstich.
Benommen wurzeln die Blüten aller Tage in meiner Tiefe.
Wie Konfetti,
werfe die Hand und dusche in einem Regen aus Bildern.
Trete aus mir heraus,
spule am Spinnrad des Lebens,
trockne den Sog der Erinnerungen.
Sauge mich fest an der Geisterbahn meiner Jugend,
halte mich am Karussell meiner Kindheit.
Ergebe mich dem Schatten der Zukunft
und weiss um die Vergänglichkeit.
Verbrenne wie Holz in dem Feuer der Zeit.
Gedankenstrich.

 

0107

© MatuSchinski

 

Gelegenheit macht erfinderisch.
Gelegentlich.
Fühle mir auf den Zahn.
Ich stapele mich derzeit,
von Zeit zu Zeit.
Von Weile zu Angesicht,
Angesicht zu Angstgesicht.
Nenne mich einen Hochstapler,
das nehme ich zum Anlass,
frage Dich, was trägt Dich.
Was bewegt Dich.
Was baut Dich auf.
Was inspiriert Dich.
Woran glaubst Du,
wofür lebst Du.
Wofür bist Du bereit,
Dein Leben zu geben.
Wieviel kannst Du aufgeben.
Wir suchen Dich.
Bewirb Dich jetzt.
Die Stelle in Deinem eigenen Dasein ist frei.