0135

135_S

 

Da schnallst Du ab.
Wer hier unangeschnallt durch die Landschaft schleicht,
länger als die Dauer,
legt sich auf die Lauer.
Dann legt die Wanze ein Ohr an die Schiene.
Zugegeben. Zugehört.
Dem gräbt die Grube schnell ein Loch.
Als Jäger. Schon auf der Flucht.
Dann und wann wird der Jägersmann zum Gejagten,
ist es wie immer und mit allem.
Die Harten kommen in den Garten.
Willst Du immer Deinen Willen.
Um Himmelswillen.
Beweise Willensstärke, verkleide Dich als Zeuge.
Aus Überzeugung.
Als Bär vielleicht, oder als Hofnarr.
Eine Antilope wolltest du sein. Erinnere Dich.
Im Kopfkino betatschen sich die Synapsen
und beklatschen die weite Steppe Deiner Phantasie.
Das glaubst Du nie.
Herden voller Traumhelden, Tagpartner und Nachtportiere.
Alle sind sie hinter Dir her.
Ich warte, bis Du nach Hause kommst,
mit dem Waffeleisen hinter der Türe.
Puderzucker am Kinn.
Milchschweine, die im Honigsee schwimmen,
ein Bademeister aus Schokolade, der nicht baden möchte,
gebratene und karamellisierte Regenwürmer,
geschmacklose Begegnungen,
geschmackvolle Abschiede.
Zauberhaft. Teilweise Ekelhaft .
Luftballons voller Zuckerwatte
und im Zylinder wartet das Kaninchen in Erdnußsoße.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

 

0134

134_S

 

Du gefällst mir.
In den Algorithmen meiner Sympathien fällst Du besonders auf.
Nur wenige Zentimeter
und ich könnte Dich kielholen
im Quell meines Mundwassers.
Verfängst Dich in den Fäden meiner Gesprächigkeit,
im Netz meines Charmes.
Das ist frech aber so breche ich Dein Zögern.
Wiederstand.
Zwecklos.
Du kannst nicht anders.
Verliebst Dich in mich.
Ich kann es verstehen.
Der Himmel.
Der Himmel hängt voller Geigen.
Im Hintergrund verspielt die Affinität zur Albernheit
in einem Duell ihre Chancen.
Chancengleichheit.
Nicht zu verwechseln mit dem Verlust des Gesichts,
der Gesinnung,
dem Mangel an Disziplin.
Nur der, der sich zum Tier macht,
sich von dem Leid befreit,
ein Mensch zu sein.

 

0133

133_S

 

Wie lautet die Botschaft.
Lege Zeugnis ab für das,
was Du tust und getan hast.
Predige bis kurz vor Schluss.
Lade Deine Jüngsten zum Mahl
und vergnüge Deinen Gaumen.
Lasse teilhaben einen Teil,
vielleicht den größeren,
von denen, die es verdienen.
Weihe uns ein in die Anklage Deiner Mittel,
in die Rezeptur Deiner Zurückhaltung.
Wie klingt es, wenn der Vorhang fällt
und die Warteschlange nicht mehr warten kann.
Verlange ruhig Eintritt
und verteile das Geld an die Reichen.
Die können dann unter sich bleiben.
Weiterhin.
Am Geschmack erkennt man die Geschmäcker,
rotweiss warnt Dich vor herannahenden Zügen.
Lebe hier und da auch mal ungesund .
Die Öffnungszeiten erfahren Sie an anderer Stelle.

 

0132

132_S

 

Das glaubst Du nicht.
In geschlossenen Räumen,
da verbrennen die Kalorien.
In der Annahme einer Anamnese
bügelst Du Dir die Klamotten vom Leib.
Föhnst Dir die Haare vom Kopf
und wäscht Dir die Haut von den Knochen.
Dadurch wirkst Du unheimlich erleichtert.
Schüchternheit ist eine Tugend
aber benutze beim nächsten Mal den Bademantel.
Mache bitte, bitte keine Gefangenen
und sei ein Pirat auf der Galeere Deiner Meinungsfreiheit.
Leider bist Du leicht zu durchschauen,
das macht Dich auf eine Art sympathisch,
auf eine andere läßt es Dich windig, zuweilen zwielichtig, erscheinen.
Eine Leuchte warst Du noch nie,
auf dem Schulhof immer alleine.
Der Arzt wird Dich gleich für die nächsten Wochen krankenhausreif schreiben
und gegen Mittag schlägt die Wanduhr zwölf.

 

0131

131_S

 

Lass Dein Haar herab,
Deine Note schwängert die Landschaft.
Melodisch duftet Deine Stimme.
Mein Körper wirkt ausgezehrt,
ich sehne mich nach Anerkennung.
Meine Sehnen sind angespannt,
ein Zwischenraum zerreisst die Stille.
Du spielst mit mir, ich spiele mit
und lauter als jede Laute läuten alle Glocken.
Dort hängen im Turm die Schläge aus Metall
und es ist wie es ist und zum Mäuse melken.
Ich finde einfach keinen Ton,
wenn ich unten an Deinem Fenster stehe
und heimlich übe ich auf der Wiese hinter dem Grün,
wippe mit dem Fuss im Takt der Halme,
krempele mir die Beine hoch
und der Regen lässt mein Gesicht schrumpfen.
Bitte entdecke mich,
danach gibt es keine Fisimatenten mehr.
Später stimme ich noch mein Gefühl (auf ein hohes C vielleicht )
und betrinke mich an Dir
oder am Sonnenlicht,
das gerade im Rasen versickert.

 

0130

130_S

 

Hier spüre ich Turbulenzen zwischen all den Toleranzen.
Wo sind unsere Wurzeln, wo beginnen wir.
Wo kommst du her.
Wer rät Dir zur Flucht.
Bezahle den Schuster und laufe um Dein Leben.
Wen lassen wir ganz nah und wo sind unsere Grenzen.
Gebietet der Anstand nicht anständig zu sein.
Wem gehört das Niemandsland.
Niemand hat Anspruch auf niemanden.
Und auf Nichts.
Wie schützen wir uns.
Vor dem Fremden in uns,
dem Unverständnis der Anderen.
Verständigung ist eine Sprache.
Weg da, ich habe es eilig.
Kaufe mir noch schnell ein paar Luftschlangen
und fessele damit meine Beute.
Heute abend gibt es frisch gefangene Freiheit.
Und flüchtet sich und fürchtet sich und findet den Ausweg nicht.
Und den Eingang.
Hinter jedem Versteck könntest Du dich verstecken.
Oder wir uns. Wir beide.
Wie ist die Quote.
Stecken die Linie und das Land
überrollen wir mit Stacheldraht,
verbieten das freundlich sein
und wer die Arme öffnet, um offen zu sein,
den holen die, die von allen guten Geistern verlassen sind.
Hier sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa.

 

0129

129_S

 

Die Anderen sagen.
Ist der Bart erst einmal ab, dann siehst Du viel jünger aus.
Aber hier.
Wer hier tot über dem Zaun hängt, ist selber Schuld.
Das Leben ist ja auch keine Kitzelmeisterschaft
und auf dem Ponyhof wünschen sich die Ponys eine Handbreit Stroh.
Oder Heu. Oder Ruhe nach dem Sturm.
Aber hübsch eins nach dem anderen:
Zeig mir, wer Du bist und ich sage dir, wer Du sein kannst.
Trotz der Schuhe.
Rate mal, drei Felder sind frei.
Du trägst die Manschetten als Angstknopf
an Deinem still blühenden weissen Hemd
und traust Dich was.
Die Gesellschaft gebärt ihre Kinder.
Und ihre Eigenarten.
Crocodie-crocoda.
Wenn möglich, stehen wir uns noch die Füsse platt,
bis der Sommer wirklich vorbei ist,
strümpfen uns die Beine
und hoffen, dass wir im nächsten Jahr
wieder einen Platz an der Sonne bekommen.
Ich habe Dich zum Fressen gern.

 

0128

128_S

 

Unser.
Vater unser.
Der Du bist wie Du. Wie wir.
Komme was wolle, in Deinem Reich geschieht es.
Der Du bist die Gleichung, die Veränderung.
Auf der Erde. Und darunter.
Der Du bist die Waage im Dickicht meines Zorns,
der Sehende in der Blindheit meiner Wut.
Täglich isst du ein Brot.
Vergib mir – aber ich hätte auch gerne eins.
Du bist die Anklage und die Gerechtigkeit,
das Tal und der beschwerliche Aufstieg.
Schuldig. Schuldig sind wir doch alle.
Auch die Unschuldigen.
Du bist der Niedergang und die Auferstehung.
Die Liebe und die Enttäuschung.
Die Erlösung.
Ein schlechter Mensch bekommt von Deiner Herrlichkeit so gut wie nichts ab.
Meistens.
Du bist das Gleichgewicht und das Feuer.
Kannst Du nicht ein Himmelreich sein.
Mit Dir würde ich Pferde stehlen.

 

Audiorike

 

0127

127_S

 

Nun bitten wir um Gehör.
Einen Regenschirm.
Bevor Du das nächste Mal springst,
nimm einen Regenschirm mit.
Bedenke. Es regnet gerne dort, wo Du gerade stehst.
Und fällst. Auffällst.
Aus Selbstmitleid versteckst Du Deinen Kopf in einem Tresor,
zwingst das Mitleid in Deine Umgebung
und fütterst Dein Ego.
Mit Ausreden.
Drei an der Zahl.
Wenn ich könnte, dann würde ich.
Wenn es in meiner Macht stünde, ich wär der Letzte.
Wenn ich helfen dürfte, dann auf jeden Fall.
Aber so. Bleibt nur ein Achselzucken.
Anatomisch. Atomar. Autogen.
Mit ganzem Gewicht.
Schneide Dir bitte noch den Mond aus dem Nachthimmel
und schlaf gut.

 

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126B_S

 

Und schweigt.
Ist im Innenraum die Luft zum Atmen zu dick
aber zum Schneiden zu dünn.
Dann schauen wir von aussen auf das Innerste.
Dort, wo die Glut glüht.
Steine zu Atemluft werden.
Kohle versiegelt die Lippen.
Die Dunkelheit eine dunkle Gestalt ist.
Uns begleitet wie das Alter.
Das Gesicht aufreisst
und wir uns die Arme aufkratzen.
Am Leben.
An den kantigen Tagen, die uns durchboxen.
Uns schwitzen lassen.
Wie Ringer in einem Ringkampf.
Die Zeit reisst mir das Leben aus den Händen.
Ich stehe auf und male mir die Lippen blau,
atme weiter.
Blau ist die Hoffnung.
Hoffe ich.