0097

097_S

 

Wenn Du mich so fragst, gebe ich Dir Recht.
Ich bin die Versuchung, die Hingabe.
Das Verlangen.
Kann ich ein Verderben sein?
Ich kann.
Ich bin der Wunsch und ich bin die Niederlage.
Ich bin mein Schatten und ich bin ich selbst.
Ich bin der Anstand und ich bin das Vergessen.
Ich bin der Zorn und ich bin der Respekt.
Ich bin der Sturm und ich bin das Wasserglas.
Ich bin nicht Fisch und ich bin nicht Fleisch.
Ich bin schön und manchmal traue ich mich nicht vor die Tür.
Ich bin ein Superstar und oft zerbreche ich mit dem Spiegel.
Ich bin sehr stark und dann leicht wie eine Feder.
Ich könnte so vieles sein
und doch
bin ich
wie Du.

 

0096

095_S

 

Nüchtern betrachtet machen wir gerne mal blau.
Voneinander.
Du bespielst die grossen Bühnen des Lebens.
Und die kleinen.
Wendest Dich an die Öffentlichkeit.
Und ab von mir.
Wickelst Deine Schönheit um die Gunst
der Dir zu Füssen liegenden.
Ich will halten,
was mir lange schon nicht mehr gehört.
Du sagst, wir müssen reden
auch wenn da keine Worte sind.
Du sagst, wir müssen schweigen.
Es gäbe so viel zu erzählen.
Du sagst, wir müssen lieben
auch wenn da keine Liebe mehr ist.
Du sagst, wir müssen gehen.
Der eine dorthin,
der andere folgt dem Schmerz.
Lebend … lebend kommt hier keiner mehr raus.

 

0095

094_S

 

Gar nicht schlecht.
Du bist ein toller Hecht, jetzt echt.
Charakter.
Stufenlos einstellbar.
Krempelst Dir die Hosenbeine hoch,
wirkst dabei aber unheimlich anziehend.
Unvorstellbar.
Trennst die Geschlechter,
bist dabei aber auch kein Kostverächter.
Weißt genau,
dass der Hund an der Leine
keinen Hasen fängt.
Zu Füßen liegt Dir die Masse,
das hat dann weniger Klasse.
Der Rasen rast rastlos in die Ferne,
zurückgehalten nur vom Meer.
Das letzte Hemd hat keine Taschen,
sich das zu merken, ist gar nicht schwer.

 

0094

094_S

 

Schön, das rote Abendkleid wirft den Kreis.
Tratsch und Klatsch verflüstern sich gern in handtaschengerechtem Format, schwielig schwitzt das Gerede  aus jeder Pore.
Im Sonnenlicht zeigt die Sonne ihr wahres Gesicht.
Keine Ahnung warum, aber das Rot stand Dir schon immer ganz besonders.
Überflüssig zu erwähnen, das Maßstäbe immer  nur neue Maßstäbe setzen.
Darum tanzen wir über rote Ampeln,
stecken uns die Fliege an den Hut,
strecken dem Jedermann die Zunge raus,
klingeln bei jedem Männchen,
heften Zahnpasta unter die Türklinke,
schreiben dem ärgsten Feind einen Liebesbrief
und lesen täglich Matuschinski.

 

0093

093._S

 

Zähle bis zehn.
Und dann nochmal bis eins.
Danach befreie den Regenwurm aus Deinem Schuh.
Was zählt, ist eine Verbundenheit, die hilft am Ende nur.
Steckt das Detail im Teufel fest,
ist es immer richtig, den letzten Anruf zu tätigen,
einem Aufruf, der Unruhe zu folgen, Folge zu leisten.
Dem Pflug folgt oft das Schwert
und aus Hütten werden keine Paläste.
Auch im Frieden nicht.
Sitzt die Meise auf der Leitung
und das Gespräch stockt hinter der Zeitung,
kreuze die Finger,
nimm Dir selbst den Schwur ab.
Sage nie ja,
wenn Du nein sagen möchtest.

 

0092

092_S

 

Schwarzgeteerte Pantoffeltierchen.
Alles ist im Fluss.
Oder fliesst durch ihn hindurch.
Bin ich nun das Opfer oder der Täter.
Bin ich der Schauspieler oder der Zuschauer.
Bin ich mittendrin oder stehe ich daneben.
Stehe ich auf der Bühne oder bin ich der Vorhang.
Bin ich der, der laut ist.
Oder bin ich ganz still.
Schlage ich zu oder bin ich der, der geschlagen wird.
Bin ich der Schatten oder trage ich das Licht.
Glaube ich oder bin ich der Aberglaube.
Bin ich wach oder bin ich der, der ständig schläft.
Lande ich im Gefängnis oder trage ich die Robe.
Bin ich der mit der Verantwortung oder verstecke ich mich lieber vor ihr.
Habe ich eine eigene Meinung oder bin ich ein Opportunist.
Lasse ich die anderen im Regen stehen oder teile ich meinen Mantel.
Bin ich das Universum oder lebe ich auf einer klitzekleinen Insel.
Bin ich der Arm oder bin ich die Umarmung.
Trage ich die Lippen zum Wort oder bin ich das Bekenntnis.
Bin ich die Schuld oder bin ich die Schande.
Mir ist klar, ich bin Okay.
Ihr seid die Terroristen.

 

0091

091_S

 

Im Frühtau,
da versetze ich die Zwerge,
eine Schönheit hinter – weiss ich wie vielen – Hügeln
befragt ihr Spiegelbild,
den anderen stehen die Haare zu Berge.
Es wird konsequent
tonnenweise
die Sprühsahne verteilt,
kniehoch.
Kühn präsentiert sich das Gedankenschloss in exponierter Lage
und zu Fuss erobern die müden Ritter der Neuzeit
den Gipfel aller Maßlosigkeiten,
völlig zwanglos.
Verfolgt werden sie dabei
von schmerzenden Waden,
blasenschwangeren Füßen
und ihren toten Kameraden.

 

0090

090_S

 

Nachts schließe ich beide Augen.
Dann schalte ich den Kreisel ein,
die Bewegung gibt mir Energie
und von innen heraus strahle ich
mit meinem schönsten Lächeln.
Nun habe ich ein Auge auf Dich,
das andere könnte ich Dir leihen,
für einen Tag vielleicht.
Bring mir dann die Bilder vorbei
und ich klebe mir meine eigene Geschichte  zusammen.
Meine Beine sind schwer wie Wasser.
Es wäre schön, wenn Du mich sehen liessest,
Dein Körper trägt mich auf und davon.
Bei Einbruch der Dunkelheit benötige ich es zurück.
Versprochen?
Denn bei Dunkelheit sehe ich mit beiden Augen besser.
Lass uns bald wiedersehen und gerne gebe ich Dir auch mein Lachen mit.
Trage es in die Welt.
Hast Du alle anderen damit angesteckt,
bring es bitte zurück zu mir.

 

0089

089_S

 

Hinter vorgehaltener Hand spricht es sich leicht,
ich hätte Dir gerne noch viel von mir erzählt.
Aber Du ziehst tief und klammerst Dich an die verwesenden Tage.
Kryptische Wahrheiten zieren den Moment,
wehren meine Versuche ab,
Dir nah sein zu dürfen.
Die Furcht ist die Mutter aller Ängste,
nichts fürchte ich mehr als steinblässige Kälte,
wir übernachten im Kühlschrank unserer Träume.
Aufwachen unmöglich.
So wirst Du nie erfahren, wer wir wirklich sein können,
winkst mit viel zu kurzen Armen,
ich sehe gefrorene Steine,
Deine Bewegung wird einzementiert
und auch der Dornröschenschlaf kann uns nicht mehr helfen.
Langsam verblutet die Zeit.

 

0088

088_S

 

Alles steht auf Dich,
Du stehst Kopf.
Alle stehen auf Dich,
Du verstehst es nicht.
Im Gleichschritt klatschen,
unerreicht tanzt der Ton ins Bein.
Trägst Du Deine Frisur denn immer noch.
Schritte verfangen sich wie ein Bienenschwarm am Kopfgestirn.
Stich auf Stich schwillt Dein Fuss in der Brandung eines Dahinschwärmens.
Dahingehend.
Oder liebst Du die Fledermäuse, Kopf nach unten,
Mäusezähne vertreiben mit übler Nachrede ihre Vorurteile.
Wissen schlägt Unwissen, und der Schlaue ist eine nasenweise Spitze dem voraus,
der immer nur zu Hause schläft und einen Decknamen als Deckmantel trägt.
Unter der Decke auf dem Sofa schläft und vom Testbild träumt.
Im Endeffekt gibt es kaum Empfang.