0219

Du schliesst meine Augen.
Ich sah einen Engel,
der ritt auf einem Esel aus Draht vorbei,
der hatte Nerven aus Stahl.
Ich lege mein Pflasterherz an seine Kette wie einen streunenden Hund,
der nicht mehr umherirren darf.
Der Sattel, er war eine Stütze in all den Jahren.
Im Korb geben waren die Anderen nie schlechter
und im Sommer lauerte der Wolf am Erdbeerfeld. 
Im Vorbeifahren hatte die Großmutter nicht selten grosse Augen,
abends habe ich ihre Kittelschürze beweint.
Der Schulweg fand immer vor der Schule statt,
zu Fuss kam ich mir vor, als wären wir doch keine Helden.
Hinterher ist der Schlaue um einiges gescheiter.
Schnell noch den Gepäckträger verkauft und den Akku aufgeladen,
die drei Bar auf den Venen geben Dir Rückenwind,
auch wenn es meist nur bergauf geht.
Im Fluss baden die Pedale, die Füsse auf dem Lenker
und der Fahrtwind zerstört jegliche Kommunikation
und wenn wir uns nach einer gefühlten Ewigkeit getrennt haben voneinander,
den guten und den schlechten Jahren.
Dann tanzen wir am Vorabend noch einen letzten Reigen
und anschliessend geht die Welle über Bord.
Nach einer Weile ist die Perforation des Alters in Deinem Gesicht zu erkennen.
Meins wende ich ab, schraube mir eine Klingel ans Ohr
und warte darauf, dass irgendetwas passiert.

0218

Deine Laktoseintoleranz hat uns in den Ruin getrieben,
uns vor die Tür gejagt, die Insolvenz ins Haus gefegt.
Den Kuckuck auf das Sofa geklebt.
Nun sind wir Zaunkönige in einem sehr kleinen Königreich,
schauen den Nachbarn beim nachbarschaftlichen Verhältnis zu,
kehren vor unserem eigenen Heim den Dreck hin und her.
Sind zugleich Hofnarr und die vom Henker Gerichteten,
am Galgenbaum baumelt unsere Hoffnung
und beim nächsten Wind werden Köpfe rollen.
Gnadenbrot vor Knäckebrot.
Dort, wo einst der Überdruss den Überfluss regierte,
lauert jetzt eine zugige Ecke, die mich in sich hineinzieht.
Blau wie der Enzian sind sowohl die Wände als auch Deine Augen
und lassen mich sekundenlang vergessen.
Ich verwerte meine Gedanken neu.
Sollte mich der Regen mal wieder an die Löcher im Kopf erinnern,
umarme ich den nächsten Baum,
stelle das Nägelkauen ein
und bediene die Tastatur meiner Gefühle.

0217

Neptun wirft in hohem Bogen seinen Anker in die Lichtung,
euphorisch phallustiert die Phantasie eine Bedrohung.
Als Metapher dient diese Tanzparade
und eine Überdosis Testosteron lässt den Knüppel aus dem Sack.
In verlässlicher Verlegenheit erregt sich das öffentliche Ärgernis
und ein Überschuss führt zu einem Überdruss an Männlichkeit.
Kommt ein Hochmütiger doch zu Fall
oder saugt ein Vampir der Überheblichkeit an den hauseigenen Zweifeln
und lässt die Unvernunft siegen.
Leere füllt sich mit Vakuum,
Blicke gehen geschlagen zu Boden.
In jedem Anfänger wohnt ein Irrer,
der auf der Suche nach dem Déjà-vu ist,
das ihn an sich selbst erinnert.

0216

Ich ziehe mir das Fell bis hinter die Ohren.
Trage der Schritte so viele in mir,
ein Tanz auf dem weißem Parkett läßt dem Winter den Atem gefrieren
und könnte Schnee bei Kälte schmelzen. Er würde es tun.
Auf einem Huf kann man schlecht stehen,
der Ordnung halber bin ich zu faul zum suchen
und sortiere das Quartett schon bei Tagesanbruch.
Die Schönheit, sie liegt im Detail und da bin ich immer gerne dabei.
Jetzt staune ich noch ein wenig und ganz am Schluss,
das Ende ist schon lange vorbei,
frisiert mich  ein scharfer Wind,
danach muß ich weiterziehen.
Stolpere durch das Unterholz meiner Vergangenheit,
meine Wege haben keine Ziele.

0215

Du bist die perfekte Mischung aus dem Nebel des Grauens
und dem Einmaleins einer hedonistischen Grausamkeit,
aus Tradition und dem Missverständnis eines demokratischen Wandels.
Hin zur Perforation der inneren Ruhe reitest Du die trojanischen Pferde
durch die Vielschichtigkeit einer außerordentlichen Wahrnehmung.
Verschwommen beobachtet Dich der Türspion
und am Eingang wartet Dein Spiegelbild in Türsteher-Optik auf seine Gäste.
Das Testbild stellt Dir den Haftbefehl aus,
den du schon seit Wochen erwartest
und wer A sagt, meint eigentlich B.
Ein guter Rat ist oft nicht teurer als ein schlechter,
bleibe lieber unsichtbar und bezahle beizeiten Deine Mahnungen. 
Bestrebe stets die Natur der Dinge,
schneide sorgfältig eine Grimasse oder zwei,
knuddel mit Deinen Gefühlen,
schaue im Ärmel nach den Assen
und halte Dich in naher Zukunft fern der Heimat.
Denn erst wenn man vermisst, wird man nicht vergessen.

0214

In Deinem Kopf sieht es aus wie in Deinem Zimmer.
Du hast die Spreu vom Weizen getrennt und Dich anschliessend aus dem Staub gemacht.
Wie eine gestrandete Ordnung füllt sich in zweifelhafter Manier das Vakuum,
die Luft strömt durch die vertrauten Gitter und siebt was sie kann.
Deine Liebe wird nur selten erhört,
nebenan raunen sich die Rauten ins Gespräch bis die Köpfe rauchen.
Bitte begnadige Deine dunkelste Seite
und beim Wetteifern um den ersten Platz bist Du immer gerne dabei.
Reserviere Deine Einstellung
und lege eine Hand auf Dein Versprechen,
sofern Du es einhalten kannst.
Beträume mich noch ein wenig,
bevor es keine Träume mehr geben wird
und weine das Wasser hinter Deinen Augen.
Ihr findet mich später auf dem Sonnendeck.

0213

Das kann man so sehen oder so.
Obwohl die Statistik etwas anderes sagt,
beschlägt hier das Eisen am Fuss,
bis die Vorboten an uns vorbei reiten.
Verboten bleibt verboten.
Ein Handschlag besiegelt irgendetwas,
am Wegesrand lagern die Diebe,
und leise rieselt der Schnee.
Ist es nun Wille oder geschehen Dinge sowieso.
Wer fragt bleibt dumm, bis die Antwort weitere Fragen gebährt.
Im Schweinsgalopp quittiert der Reiter seinen Dienst.
Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.
Die Sukkulenten werfen sich in ein weitgehend akzentfreies Handeln
und machen dabei durchaus eine angenehme Figur.
Ein Sattel macht noch keinen Jockey
und am Ende des Tages bin ich schon wieder ein kleines bisschen schlauer.

0212

Mein Name ist Hase.
Und am liebsten schaue ich über den See
und rudere mir die Ohren vom Leib.
Panama ist gleich um die Ecke.
Mir fällt es wie Schuppen aus dem Spiegel
und leicht, ganz so leicht ist es dann doch nicht.
Aber ein Versprechen nehme ich mir selbst noch ab.
Ist der Winter vorbei, höre ich sofort auf zu frieren,
binde mir zwei verspiegelte Karpfen an die Beine
und gleite mit ihnen über das Wasser.
Nebenbei fischt ein frisch frisierter Fritz frittierte Fische
aus einem freundlich nahegelegenen Fischereigewässer
und freut sich diebisch über den Fang erfrischend frecher Fische.

0211

Ich bin hier voll auf Sendung,
während Du dort mit Deiner kosmopolitischen Einstellung ziemlich viel Staub aufwirbelst.
Die anderen springen derweil im Dreieck,
denn wenn sich etwas aufgestaut hat,
pfeifen irgendwann die Ventile.
Es reiht sich Kleid an Kleid,
und glücklich der, der eine eiserne Rüstung tragen darf,
bis die Funken fliegen.
Hier wohnt man noch Tür an Tür und weiss es für den anderen immer besser.
Auf der Straße wurde ein Fuchs gesehen.
In der Nachbarschaft spricht es sich leichter mit Gerüchten
und gegenüber hat gerade jemand ein Bier bestellt.
Die Bäume haben ihr Laub versteckt
und sehen aus, als wären sie vor uns gestorben.
Der Nebel klemmt sich zusammen mit dem wenigen Raum zwischen die Häuser,
nach oben ist immer noch Luft.
Endlos qualifiziert spricht man um den heissen Brei herum
und spaziert herein ins triste Einerlei.
Das steinige Meer spült uns an den Abenden an das traurige Ufer eines endlosen Tages
und während ich durch die Gassen eile wie ein zahnloser Gollum,
hallt es hinter mir wie ein Schabernack.

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Fotos von Dirk Hasskarl mit Texten von Marcus Maas.

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