0166

166_S

 

Auf lichthungrigen Lichtungen
leuchtet in Lichtgeschwindigkeit
eine gewisse Leichtigkeit.
Schwerelos, beinahe apathisch,
bedient sich die Schönheit
ihrer Zurückhaltung
und ehe sie sich versieht
ist sie blind vor Neugierde.
Verspätet macht die Sonne eine ganz persönliche Begegnung daraus,
während sich das Wasser nah ans Ufer traut.
Die Tränen laufen ihr dabei über das Gesicht.
Ich schaue ihnen zu, doch sehe sie nicht.
Leise schleicht der Schatten aus dem Bild,
geht Huckepack mit dem Sonnenuntergang
und entkommt so dem nadelstichtiefen, dunklen Wald.
Auf Wiedersehen.

 

/corona

corona_S

 

Matu

Ich kann Dich nicht sehen .
Ich kann Dich nicht schmecken .
Ich kann Dich nicht fühlen.
Und doch machst Du mir Angst.
Erkenne uns in Dir.
Wir nehmen uns alles.
Ausser uns selbst.
Vergesst nicht den Menschen in Euch,
den Menschen neben Euch.
Wir werden überleben, lasst uns nicht im Stich.
Tragt die Sanduhr unserer Vergänglichkeit immer in Sichtweite
und bleibt gesund.
Bis bald.

 

Schinski

Wir wollen hier nicht so tun, als sei nix.
Und genau deshalb machen wir weiter wie bisher.
Wir haben Angst.
Haben Hoffnung.
Halten die Augen auf.
Lassen die Worte kommen.
Irgendwann ist es vorbei.

 

#SocialDistancing
#StayTheFHome
#ficaemcasa

 

 

 

 

 

0165

165_S

 

Der Haifisch.
Der Haifisch, der hat Flügel.
Die spannen sich, von hier nach dort.
Und wieder zurück.
Der Haifisch, der hat Augen.
Die fallen ihm wie Schuppen aus dem Gesicht.
Der Haifisch hat ein Lachen.
Das klingt oft böse, ist aber gut gemeint.
Der Haifisch, der hat Pläne.
Verrät sie aber niemandem
und plant den nächsten Überfall.
Der Haifisch, der hat Sorgen.
Denn wer berühmt ist,
den umspült der Ruhm
wie Meerwasser die Füße
und zerreisst den Boden.
Der Haifisch, der hat Wolken.
Die bindet er zu einem Zopf
und hängt sie an seinen Hinterkopf.
Der Haifisch hat eine Mission.
Zieht in ferne Länder und sein Wort in Gottes Ohr.
Der Haifisch, der hat Gräten.
Die brechen ihm alle Knochen.
Der Haifisch, der hat ein Messer.
Das steht ihm besonders gut,
schneidet dem Leben einen Anzug schön,
trägt im welligen Meer des Himmels
eine flauschige Krawatte.
Der Haifisch, das sieht man von weitem schon,
hat eine weisse Weste
und zeigt von sich nur das Beste.

 

0164

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Lasst uns beten.
Für unsere Schuld.
Für unsere Schande.
Für Gott.
Denn Gott vergisst.
Die Geschichte vergisst.
Möchte vergessen werden.
Wir vergessen nicht.
Niemals.
Langsam, wie in Zeitlupe verdurstet ein Leben.
Mitten in seinem Leben.
Zwischen Eurer Leben.
Unbemerkt.
Lasst uns beten für unsere Scham.
Und betteln für die Anklage.
Die Tat verrät den Täter und der Zuschauer schaut zu.
So stolpere ich hinein in eine Zeit voll unvorstellbarer Grausamkeiten.
Voll schmallippiger Überheblichkeiten einer verschollenen Nachdenklichkeit.
Einer entmenschlichten Menschlichkeit.
Verrat macht uns zu Verrätern.
Lasst uns beten.
Dass der jüngste Tag eine Horde apokalyptischer Reiter ist,
der die Verdammten in seinem Zorn verbrennt.
Ich schäme mich.

 

0163

163_S

 

Am Anfang stand das Chaos.
Hat die Ordnung Hausarrest.
Bestimmt zerbricht gerade ein Herz aus Styropor
und bei dem Anblick treten die Meere über die Ufer.
Atme tief und atme ein,
die Versuchung lässt mich über Bord gehen.
Auf dem Wühltisch der Grausamkeiten verstecke ich gerne meine Klauen.
Tragetütenweise trage ich die Tüten auf eine Art und Weise,
dass es eine Art hat.
Der Weise hat dem gegenüber einen Nachteil,
der nichts weiss von alledem.
Das ist vorteilhaft.
Dem die Sorge ein Fremder ist
und Zuversicht ein Rätsel in der Tageszeitung.
Der keine Angst hat vor den schlechten Nachrichten,
beim Rasieren Kaugummi kaut
und die Pizza im Karton verschlingt.
Dem der Einwegbecher aus den Händen wächst
und die Zigarette versehentlich aber sehr vorsichtig
aus dem Seitenfenster fällt.
Dem alles zu viel wird, wenn es mal wieder darum geht,
sich richtig zu trennen. Los zu lassen.
Orte zu suchen, an denen man willkommen ist.
Auch mit Dreck unter den Nägeln.
Auch mit Schmutz unter den Lidern,
die Sonnenmilch läuft gerade ab.
Wieder und wieder an der sauren Milch betrunken
und keine Macht für Niemand.
Macht den kaputt, der alles kaputt macht.
Am Ende steht das Chaos.
Wir lieben verkaufsoffene Sonntage.

 

0162

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Hinter Deiner Maske wohnt ein Gesicht,
lebt die Gischt Deiner Schatten,
erwacht der tonlose Geschmack.
Der als Kerbe seine Kreise dreht,
Das Erbe seiner Ahnen vor sich herträgt.
Vorahnungen verschlingen die Ahnungslosen. Allesamt.
Umarme doch endlich die um Armlängen entfernten Gespenster,
denn in geschlossenen Räumen flüstern die Geheimnisse
in grosser Verschwiegenheit alles Wissen in wissbegierige Ohren.
Die dann im Sturm des Gesagten davonsegeln.
Am Ufer der Nachbarschaft wird freudig jede neue Kunde erwartet,
während ich mich als Betrachter verkleidet unter die Menschen mische
und waagerecht dem Sinn folge.
Was sinnvoll ist, da alles Sinn ergibt. Irgendwann.
Slaap lekker.

 

/über uns

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MATU/SCHINSKI ist ein Bild/Text-Blog, ein poetisch-bildnerisches Jam-Session-Tagebuch des Berliner Fotografen Dirk Hasskarl (a.k.a. Schinski) und dem Poeten Marcus Maas (a.k.a. Matu), der als Baumpfleger in Berlin und Brandenburg arbeitet.

Schinski fotografiert eine Art visuelles Tagebuch und pflückt seine Bilder spontan am Wegesrand. Er schickt sie an Matu, der sie intuitiv-assoziativ jeweils unter Einfluss seines gerade Erlebten und seiner Stimmung betextet. In diesem Kontext ist wichtig, dass Matu vor dem Schreiben keine Informationen zu Ort, Zeit & Kontext der Bilder hat. Schinski betreut den Blog.

Zusätzlich werden die Texte nach und nach von verschiedenen Personen unterschiedlichsten Alters und Herkunft eingesprochen und bei Audiomatuschinski veröffentlicht. Bisher gibt es ca. 50 der Texte auch als Audios.

Was man in einer üblichen Männerfreundschaft nicht miteinander verhandeln kann, übernehmen hier die Bilder und Texte. Sie kommunizieren stellvertretend auf einer besonderen Ebene: ironisch, phantastisch, pathetisch, mahnend, schlau, doof, absurd, witzig, offen, verletzlich, feinfühlig … und erzeugen dabei ggf. eine neue, intensive Form von Nähe.

MATU/SCHINSKI wurde im September 2018 mit Motiv #0008 und einem lauten Lachen geboren und zeigt sich der Welt erstmals im Motiv #0155 in voller Pracht & Schönheit.

 

0161

161_S

 

Du wirfst die Perlen vor die Säue,
giesst Dir ein Schnitzel ins Gesicht
und belebst in einem gesunden Mass
Deine masslose Notwehr.
Deine anmassende Habgier.
Verschwende Dich und gib Deiner Hochachtung Fersengeld.
Geteiltes Leid ist nur halb so schlimm, wenn man leidet.
Aber leider immer noch leidvoll.
Freie Fahrt für Trittbrettfahrer
aber wenn Dir einer über die Augen wischt,
ist es Augenwischerei.
Ganz ehrlich, respektiere Dein Verlangen
und wirf Dich in die Arme eines Bettlers.
Die sind wie wir, nur ihrer Illusionen beraubt.
Fleisch wird zu noch mehr Fleisch,
der Geschmack zerfällt zu Staub
und der Zweifel beisst Dir ein Loch in Herz.
Bedanke Dich beim Universum
und verschenke ein blumiges Lächeln an die Totgeweihten.
Das stehst Du nun.
Wie aus dem Ei gepellt.

 

0160

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Man muss zufrieden sein.
Denn müssig ist aller Gänge Anfang
und in jedem Anfang wohnt ein Zauberer.
Halte inne.
Ich bin die fleischgewordene Pflanze
und könnte Dein Gewissen beruhigen.
Aber wenn Du denkst, dass fremde Struktur
Dir eine manierliche Garnitur verpasst,
dann bist Du schief gewickelt.
Wie Du siehst, liegt die Kraft in dem, der sie ausstrahlt.
Ruht die Kraft in ihrer selbst,
ruiniere nicht Deine innere Ruhe.
Trau Dich hinein,
verwunde Dich an ihrer sanften Stärke
und brenne mit den Flüchen durch.
Jene, die die Flucht vereiteln.
Lade Dich an mir auf,
ich habe Antennen für so etwas.
Toxoplasmotische Abhängigkeiten
machen Dich zu einem Gast in einem Wirtshaus
und aus einem Affenhaus schauen lauter Affen raus.
Das ist jetzt nicht Dein Ernst,
aber da lasse ich mich besser entlausen
und schaue den Kranichen am Dorfteich hinterher.
Wir sehen uns später.

 

0159

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Du bist gross geworden.
Einsilbig und langstielig,
zuweilen einsam aber
auch unterhaltsam. Natürlich.
Im siebten Himmel kannst du Dir selbst kaum das Wasser reichen
und rennst auf. Und davon.
Gib Halt denen, die Halt suchen.
Lehne niemals den Schweiss derer ab, die dafür bezahlen.
Ein Leben ist ein Nehmen. Und ein Geben.
Gehe den Weg, der nicht der einfachste ist. Nicht unbedingt.
Aber zwinge Dich, ganz ohne Zwang, hinauf
und gestatte Dir, die Welt ein wenig kleiner zu machen.
Ordne Dich unter, schmecke den Unterschied
und unterscheide Dich von den anderen. Von Dir selbst.
Vertraue Dir, vertäue Deine Handlung
und verreise mit den Wolken.
Klar soweit.