0110

© MatuSchinski

 

Ich so, sag mal.
Er so, was denn.
Ich so, also wirklich.
Er so, was mach ich denn.
Ich so, geh da man nicht so nah dran.
Er so, wo dran denn.
Ich so, na da vorne.
Er so, meine Sache.
Ich so, ich zeig Dir gleich mal Deine Sache.
Er so, lass mich.
Ich so, mach man nicht die Stäbe krumm.
Er so, die sind doch nicht aus Zucker.
Ich so, aber pass mal auf, dass nicht gleich die Peitsche.
Er so, mein Vater ist Anwalt.
Ich so, Anwalt, Anwalt, ich bin Polizist gewesen. Früher.
Er so, ja klar.
Ich so, hier mein Ausweis, ehemalig.
Er so, interessiert mich nicht die Bohne.
Ich so, jetzt reicht es aber, Freundchen.
Er so, ich kann Karate .
Ich so, ist Dein Vater eigentlich auch Fußballer.
Er so, mmmmh, kannst Du hellsehen.
Ich so, hab eigentlich schon etwas grauen Star,
aber logisch denken war ja früher beruflich an der Tagesordnung.
Er so, auf jeden Fall sollten wir uns gemeinsam am Grün betrinken,
dem Fährmann sein Geld geben
und heute Abend noch etwas übers Wasser laufen.
Barfuss natürlich.

 

Audiorike

 

0109

© MatuSchinski

 

Der Phönix, der steigt auch am helllichten Tag.
Schiebt die Asche vor sich her,
trägt das Gewand eines verlorenen Sohnes.
Das göttliche Licht scheitelt den Schopf,
die vorhangblinden Fenster blinzeln trübe,
die Sonne nimmt das Licht.
Der Erdkrümmung zugetan
lehnt sich der Schatten weit hinaus.
Muskeln schmelzen auf heissem Metall
und ein stierblutiger Blick durchbohrt meterdicke Wände.
Menschen verschwinden über Nacht,
verschluckt im Nebel ihrer Tage,
oder erstarren zu säumigen Salzsäulen,
mitten im Leben.
Tot.
Sie waren tot.
Aber stillliegen konnten sie nicht.

 

0108

© MatuSchinski

 

Gedankenstich.
Benommen wurzeln die Blüten aller Tage in meiner Tiefe.
Wie Konfetti,
werfe die Hand und dusche in einem Regen aus Bildern.
Trete aus mir heraus,
spule am Spinnrad des Lebens,
trockne den Sog der Erinnerungen.
Sauge mich fest an der Geisterbahn meiner Jugend,
halte mich am Karussell meiner Kindheit.
Ergebe mich dem Schatten der Zukunft
und weiss um die Vergänglichkeit.
Verbrenne wie Holz in dem Feuer der Zeit.
Gedankenstrich.

 

0107

© MatuSchinski

 

Gelegenheit macht erfinderisch.
Gelegentlich.
Fühle mir auf den Zahn.
Ich stapele mich derzeit,
von Zeit zu Zeit.
Von Weile zu Angesicht,
Angesicht zu Angstgesicht.
Nenne mich einen Hochstapler,
das nehme ich zum Anlass,
frage Dich, was trägt Dich.
Was bewegt Dich.
Was baut Dich auf.
Was inspiriert Dich.
Woran glaubst Du,
wofür lebst Du.
Wofür bist Du bereit,
Dein Leben zu geben.
Wieviel kannst Du aufgeben.
Wir suchen Dich.
Bewirb Dich jetzt.
Die Stelle in Deinem eigenen Dasein ist frei.

 

0106

© MatuSchinski

 

Hier ist der Hund begraben.
Im Schlaf schläft auch die Sünde,
zwischenmenschlich.
Schläfrig dackelt die Zeit in riesigen Schlafherden vorbei.
Einzeln stibitzt sich der Wolf hier und da eine entlaufene Stunde.
Wäre die Welt eine schlafende Katze,
eine flauschige, eine fleissige Hummel,
ein entlaufendes Zebra,
ein schlauer Delphin,
eine galoppierende Antilope,
ein blühender Pfau,
ein lachender Kojote,
ein freches Huhn
oder ein stolzer Schwan.
Ist die Katze gesund,
freut sich der Mensch.

 

0105

© MatuSchinski

 

Und das ist erst der Anfang, sprach die Ironie.
Ungeschehen bleibt unsichtbar.
Verzicht gewinnt über Gewissheit.
Neugierde über Kontrolle.
Berührung gewinnt gegen Vertrauen.
Angst gewinnt gegen Furcht.
Flucht gewinnt gegen Albtraum
Farbe gewinnt gegen Unruhe.
Schön gewinnt gegen die Ordnung.
Das Gebet gewinnt über den Verlust,
und das Herz gewinnt gegen die Aufgabe.
Die Selbstvergabe.
Ab jetzt kaufe ich keine grünen Bananen mehr.

 

0104

© MatuSchinski

 

Und ob.
Der Stuhl hat mir ein Bein gestellt,
für einen Moment hält das Wasser mein Gesicht.
Im nächsten schwimmt es davon.
Tauche mit der Tiefe um die Wette,
je stiller das blaue Tal in mir ruht,
je lauter der Flügel das Nass verdrängt,
je spärlicher das Licht meine Augen speist,
desto mehr.
Die Luft verbrennt in meiner Lunge,
ich lehne jede Hilfe ab.
So steige doch zu mir in den Abgrund hinauf,
streichle die Wale
und verweigere den Träumen
die Wahrheit.

 

0103

© MatuSchinski

 

Ich glaube, mich tritt ein…
Esel schlägt noch keine Brücken,
wie hiess noch gleich der Bürgermeister von Wesel?
Heißgeliebt.
Der Sommer versteckt in seiner Faust nicht den Spatz.
Den Himmel erobern die Schwalben, schwarz befrackt.
Eisig schwirrt die Hitze am Horizont .
Ich wünschte, die Erde wäre eine Scheibe.
Gelangweilt schwimmt der Tag im See seine Runden.
Ein Fischer fischt meist mit Leidenschaft ,
der Fisch stirbt aus Versehen.
Versehentlich.
Fängst Du einen, kennst Du alle.
Aber Du hast es gut,
denn Du hast
mich.

 

0102

© MatuSchinski

 

Bei allem Respekt.
Aber das hier ist ja wohl kaum Rügen.
Lügen haben kurze Beine.
Ratzfatz das viel zu enge Streifenshirt übergestreift,
auf ein Bein gestellt.
An der Reling stehen und aus allen Wolken schauen.
Wären jetzt noch die Steine lackiert wie Fußnägel,
die Freiheit weniger als zementschwer
und die Tage nicht eine ständige Wiederkehr.
Der nächste Morgen ein anderer Tag
und die Abendsonne zur Abwechslung
am Anfang des Schlafes.
Und der Wärter nicht mein einziger Freund.
Dann.
Stahlblau stiert der Himmel.
Das Wasser.
Wie Blut in den Adern.

 

0101

© MatuSchinski

 

Meine Beinstellung,
Deine Einstellung.
Du eroberst das Weltall,
bleibst dabei aber mit den Füßen am Boden.
Relativ elegant.
Gehst auf Tuchfühlung.
Tauchst Gefühle in ein Meer aus Gefühlen,
tauscht Obhut gegen Zuversicht,
kniest vor dem Brennglas Deiner Einsicht,
wechselst von jetzt auf gerade.
Verwünscht Dich.
Atmest Dich.
Verwandelst Dich.
Tauscht vorwärts gegen zurück,
rechts geht es nicht mehr weiter,
so gehst Du nach links.
Im weitesten Sinne suchst Du das Weite,
Aber schön, dass wir uns begegnet sind.