0253

Das glaubst Du nicht.
Bevor sich Dein immer gleiches Grinsen im grünspanigen Morast verfängt
wie einst die Dornenkrone am jüngsten Tag
im Gewirr einer nächtlichen Verfolgungsjagd,
erzähle ich den anderen lieber die Räuberpistolen aus der Sicht eines Räubers.
Caramba Carracho.
Langstielig und atemlos gibt ein Wort das andere,
sehe ich etwa aus als könnte man mir vertrauen?
Ich bin wie mir der Schnabel gewachsen ist
und zur Weihnachtszeit gehe ich lieber in Deckung
oder fliege mit den Wolken davon.
Ich bette mich sanft auf edle Kissen,
lasse den lieben Gott einen guten Mann sein
und verkaufe meine Familie an den Weihnachtsmann.  
Ja lüg ich denn.

0252

Du liebst mich .
Du liebst mich nicht.
Ich liebe mich. Oft auch nicht.
Du liebst mich. Nicht.
Ich Dich dafür umso mehr.
Ich verachte mich.
Du beachtest mich nicht.
Ich liebe Dich.
Du liebst nur Dich.
Ich laufe Dir hinterher.
Und bin schon früher schlauer als später.
Oft ist es umgekehrt.
Du läufst mir davon.
Dafür liebe ich Dich. Nicht.
Du liebst mich. Dafür.
Dass ich mich aufgebe. 
Ich liebe Dich nicht mehr.
Du läufst Dir selbst davon.
Davor habe ich Angst.
Das ich auf der Flucht bin. Vor mir selbst.
Mich nicht mehr verstehe.
Am Feldrand wächst der Wegerich im Schatten meiner Schritte,
aus meinen Augen fallen die Jahreszeiten wie achtlos weggeworfene Blicke zu Boden.

0251

Unbewusst demoliert Dir dein Verstand das Äussere.
Dabei restaurieren Dir vermeintlich Unbekannte Deine Gedanken.
Im Gestrüpp einer Verfolgung verstrickst Du Dich in Ausflüchten und Gelächter.
Klammerst Dich an Traditionen und entschuldigst das mit Deiner Blindheit, Deiner Sturheit.
Stumm begnadigst Du die Verbrechen der Schwere nach
und wenn Ihr sitzt am jüngsten Tage um Euch selbst versammelt zur Stunde der Vergebung,
so vergib Dir selbst.

0250

In Beziehung zu uns selbst treiben wir im Fahrwasser der Ahnungslosigkeit dahin.
Hoffnung ist eine Kraft, die der Angst die Nahrung nimmt.
Zuversicht eine Tür, die es aufzustossen gilt.
In der Natur der Dinge ist die Selbstverständlichkeit ein Freund,
den man manchmal nicht wiedererkennt.
Nimmt die Fährte an Fahrt auf, ist der Ausgang oft verstellt,
die Möbel in unseren Köpfen sind wässrig wie zerweinte Augen.
Die Tiefe in uns begleitet das eine Leben wie ein treuer Hund
und auf einmal vermissen wir die Kindheit,
die vom Argwohn, den Tagen voller Missverständnisse
und der Vernunft verscheucht wurde wie Fliegen vom Kuchen. 
Über uns das Meer.

0249

Pünktlicher als jeder Maurer stellt sich eine gewisse Zufriedenheit ein,
die – obgleich wankelmütig wie ein Novembertag – uns dicht auf den Fersen ist.
Denn eigentlich sind wir süchtig nach der Suche,
sind aber schüchtern wie am ersten Tag.
Fluchen flüchtig und sonnen uns am säumigen Rand einer abendlichen Stimmung,
stolpern friedlich durch unsere langen Tage die doch kürzer sind als erlaubt.
Wir erwarten von uns Grosses, obwohl nur kleine Taten folgen. Meist.
Wir sind unsichtbarer als unsere Worte, müder als unser Verstand.
Schärfer als des Messers Schneide benutzen wir unser Sprachwerkzeug,
die Zunge schneidet das Messer nicht.
Wir scheuen uns nicht, die Sonne zu erobern
aber wohnen wird sie in unseren Herzen nicht .
Denn kalt wie ein zugefrorener See bedauern wir unser Schicksal,
unfähig und langstielig folgen Schritt auf Tritt.
Des sehenden Auges Qual wird in Erfüllung gehen,
wenn die Monde im schwarzen Sand des Universums versinken.

0248

Grossmutter fragt am Brunnen die Steine, warum hast Du die Zähne so gross.
Und der Brunnen bricht an der rauen Stimme nicht.
In der Tiefe seiner Furcht ertrinkt die Zeit,
kein Blick gleicht dem anderen
und eine Handbreit später liegt uns die Welt zu Füssen.
Unter unseren Zungen ist die Hitze ein Qual
und hinter den sieben Fragen, an den sieben Tagen,
verbirgt sich oft eine Woche voller Überraschungen,
den Sonntag legen wir an die Leine.
Warum hast Du so gross das eine Ohr wie das andere.
Ändert die Meinung gerade ihre Richtung,
wenn Du nicht weisst, wie es weiter geht.
Gerne würdest Du noch kurz vor Schluss
von draussen durch das Fenster schauen bis die Scheiben beschlagen
aber woher soll das Leben wissen, wie die Geschichte endet.

0247

Ich sprühe es an jede Wand.
Ich klage lauter als jede Mauer.
Ich bin grösser als der mächtigste Gedanke, schlauer als das Wort.
Ich bin schneller als die Liebe, schärfer als der Verstand.
Ich bin genauer als jede Waage und dichter als die Luft.
Ich bin fröhlicher als jede Beerdigung und trauriger als jeder Clown.
Ich bin klarer als jede Meinung und distanzierter als die weiteste Entfernung.
Ich bin lauter als die Stille und einsamer als meine Vergangenheit.
Ich bin näher als die Zukunft und so weit weg von der Gegenwart.
Ich bin grüner als jedes Ohr und allwissender als der weiseste Spruch.
Ich bin jünger als mein Ich und älter als Ihr je sein werdet.
Wenn ich gross bin, schaut Ihr in die Röhre.

0246

Wir sind die Hüter all Eurer Geheimnisse, der dunkelsten Seiten und abtrünnigsten Gedanken.
Wir sind die Hirten, die Euren Glauben bewahren, die Euch zur Seite stehen.
Die für Euch beten, die stiller sind als jede Stunde.
Wir sind die Schäfer, die schweigend ihre Herde umrunden.
Die Zähne fletschen, wenn Gefahr droht.
Euch in den Arm nehmen.
Wir sind die, die immer ein Ohr haben, wenn jemand zuhören muss.
Die immer ein gutes Wort einlegen, auch wenn niemand zuhört.
Wir sind die, die Rücken an Rücken stehen.
Wir sind die Helden, die Ihr ruft.

0245

Müde dreht Ihr im Kreise einer Rastlosigkeit Eure Runden.
Der Familienaufstellung entkommt Ihr nur durch die Gnade einer späten Geburt .
Die Zaungäste stehen hinter ihren Zäunen und staunen nicht schlecht,
am Geschmack scheiden sich die Geister, während andere keine Meinung haben.
Ihr entschleunigt euch, seid in der Zahl mehr als ich zu zählen vermag und Euch ist es egal.
Tiefer als jede Stille ist das Wasser, welches durch Eure Adern fließt .
Es brechen sich die Lanzen für Euch und es hat eine Art,
wenn wir mit einem Gefühl von Neid behaftet sind.
Der Boden frisst sich gierig in unsere Beine und die Blicke verlieren ihre Kraft in einem unschuldigen Himmel.
Uns werden die Flügel verwehrt.
Mit Wachs an den Händen schmilzt die Sonne auf und davon und Deine blauen Augen.
Die machen mich ganz sentimental.

0244

Du sagst, Du kannst über Wasser gehen.
Über Drahtseile laufen, Gedanken lesen.
Gewinnst jedes Duell, führst Selbstgespräche unter vier Augen.
Du löst alle Rätsel und wirfst doch viele Fragen auf.
Du bist kälter als jeder Stahl, stärker als die Sonne und klarer als der Verstand.
Trägst die Kraft eines Vulkans in Dir, obwohl es Dir an Loyalität mangelt.
Das gleichst Du mit einer Portion Ironie aus,
Heiterkeit ist ein Bruder des Trugschlusses.
Trägst die Schatten vor Dir her und versteckst das Licht.
Jetzt wärmen wir uns an den flammenden Zungen Deiner treulosen Gesprächigkeit
und beten für die verlorenen Seelen, während sie in Deiner Stimme verbrennen.