0163

163_S

 

Am Anfang stand das Chaos.
Hat die Ordnung Hausarrest.
Bestimmt zerbricht gerade ein Herz aus Styropor
und bei dem Anblick treten die Meere über die Ufer.
Atme tief und atme ein,
die Versuchung lässt mich über Bord gehen.
Auf dem Wühltisch der Grausamkeiten verstecke ich gerne meine Klauen.
Tragetütenweise trage ich die Tüten auf eine Art und Weise,
dass es eine Art hat.
Der Weise hat dem gegenüber einen Nachteil,
der nichts weiss von alledem.
Das ist vorteilhaft.
Dem die Sorge ein Fremder ist
und Zuversicht ein Rätsel in der Tageszeitung.
Der keine Angst hat vor den schlechten Nachrichten,
beim Rasieren Kaugummi kaut
und die Pizza im Karton verschlingt.
Dem der Einwegbecher aus den Händen wächst
und die Zigarette versehentlich aber sehr vorsichtig
aus dem Seitenfenster fällt.
Dem alles zu viel wird, wenn es mal wieder darum geht,
sich richtig zu trennen. Los zu lassen.
Orte zu suchen, an denen man willkommen ist.
Auch mit Dreck unter den Nägeln.
Auch mit Schmutz unter den Lidern,
die Sonnenmilch läuft gerade ab.
Wieder und wieder an der sauren Milch betrunken
und keine Macht für Niemand.
Macht den kaputt, der alles kaputt macht.
Am Ende steht das Chaos.
Wir lieben verkaufsoffene Sonntage.

 

0162

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Hinter Deiner Maske wohnt ein Gesicht,
lebt die Gischt Deiner Schatten,
erwacht der tonlose Geschmack.
Der als Kerbe seine Kreise dreht,
Das Erbe seiner Ahnen vor sich herträgt.
Vorahnungen verschlingen die Ahnungslosen. Allesamt.
Umarme doch endlich die um Armlängen entfernten Gespenster,
denn in geschlossenen Räumen flüstern die Geheimnisse
in grosser Verschwiegenheit alles Wissen in wissbegierige Ohren.
Die dann im Sturm des Gesagten davonsegeln.
Am Ufer der Nachbarschaft wird freudig jede neue Kunde erwartet,
während ich mich als Betrachter verkleidet unter die Menschen mische
und waagerecht dem Sinn folge.
Was sinnvoll ist, da alles Sinn ergibt. Irgendwann.
Slaap lekker.

 

/über uns

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MATU/SCHINSKI ist ein Bild/Text-Blog, ein poetisch-bildnerisches Jam-Session-Tagebuch des Berliner Fotografen Dirk Hasskarl (a.k.a. Schinski) und dem Poeten Marcus Maas (a.k.a. Matu), der als Baumpfleger in Berlin und Brandenburg arbeitet.

Schinski fotografiert eine Art visuelles Tagebuch und pflückt seine Bilder spontan am Wegesrand. Er schickt sie an Matu, der sie intuitiv-assoziativ jeweils unter Einfluss seines gerade Erlebten und seiner Stimmung betextet. In diesem Kontext ist wichtig, dass Matu vor dem Schreiben keine Informationen zu Ort, Zeit & Kontext der Bilder hat. Schinski betreut den Blog.

Zusätzlich werden die Texte nach und nach von verschiedenen Personen unterschiedlichsten Alters und Herkunft eingesprochen und bei Audiomatuschinski veröffentlicht. Bisher gibt es ca. 50 der Texte auch als Audios.

Was man in einer üblichen Männerfreundschaft nicht miteinander verhandeln kann, übernehmen hier die Bilder und Texte. Sie kommunizieren stellvertretend auf einer besonderen Ebene: ironisch, phantastisch, pathetisch, mahnend, schlau, doof, absurd, witzig, offen, verletzlich, feinfühlig … und erzeugen dabei ggf. eine neue, intensive Form von Nähe.

MATU/SCHINSKI wurde im September 2018 mit Motiv #0008 und einem lauten Lachen geboren und zeigt sich der Welt erstmals im Motiv #0155 in voller Pracht & Schönheit.

 

0161

161_S

 

Du wirfst die Perlen vor die Säue,
giesst Dir ein Schnitzel ins Gesicht
und belebst in einem gesunden Mass
Deine masslose Notwehr.
Deine anmassende Habgier.
Verschwende Dich und gib Deiner Hochachtung Fersengeld.
Geteiltes Leid ist nur halb so schlimm, wenn man leidet.
Aber leider immer noch leidvoll.
Freie Fahrt für Trittbrettfahrer
aber wenn Dir einer über die Augen wischt,
ist es Augenwischerei.
Ganz ehrlich, respektiere Dein Verlangen
und wirf Dich in die Arme eines Bettlers.
Die sind wie wir, nur ihrer Illusionen beraubt.
Fleisch wird zu noch mehr Fleisch,
der Geschmack zerfällt zu Staub
und der Zweifel beisst Dir ein Loch in Herz.
Bedanke Dich beim Universum
und verschenke ein blumiges Lächeln an die Totgeweihten.
Das stehst Du nun.
Wie aus dem Ei gepellt.

 

0160

160_S

 

Man muss zufrieden sein.
Denn müssig ist aller Gänge Anfang
und in jedem Anfang wohnt ein Zauberer.
Halte inne.
Ich bin die fleischgewordene Pflanze
und könnte Dein Gewissen beruhigen.
Aber wenn Du denkst, dass fremde Struktur
Dir eine manierliche Garnitur verpasst,
dann bist Du schief gewickelt.
Wie Du siehst, liegt die Kraft in dem, der sie ausstrahlt.
Ruht die Kraft in ihrer selbst,
ruiniere nicht Deine innere Ruhe.
Trau Dich hinein,
verwunde Dich an ihrer sanften Stärke
und brenne mit den Flüchen durch.
Jene, die die Flucht vereiteln.
Lade Dich an mir auf,
ich habe Antennen für so etwas.
Toxoplasmotische Abhängigkeiten
machen Dich zu einem Gast in einem Wirtshaus
und aus einem Affenhaus schauen lauter Affen raus.
Das ist jetzt nicht Dein Ernst,
aber da lasse ich mich besser entlausen
und schaue den Kranichen am Dorfteich hinterher.
Wir sehen uns später.

 

0159

159_S

 

Du bist gross geworden.
Einsilbig und langstielig,
zuweilen einsam aber
auch unterhaltsam. Natürlich.
Im siebten Himmel kannst du Dir selbst kaum das Wasser reichen
und rennst auf. Und davon.
Gib Halt denen, die Halt suchen.
Lehne niemals den Schweiss derer ab, die dafür bezahlen.
Ein Leben ist ein Nehmen. Und ein Geben.
Gehe den Weg, der nicht der einfachste ist. Nicht unbedingt.
Aber zwinge Dich, ganz ohne Zwang, hinauf
und gestatte Dir, die Welt ein wenig kleiner zu machen.
Ordne Dich unter, schmecke den Unterschied
und unterscheide Dich von den anderen. Von Dir selbst.
Vertraue Dir, vertäue Deine Handlung
und verreise mit den Wolken.
Klar soweit.

 

0158

158_S

 

Ich. Ich bin. Also bin ich.
Du. Du bist. Du. Nicht irgendwer. Bist Du glücklich.
Er. Er ist. Der Gleiche. Schon immer. Immerfort.
Sie. Sie war. Dieselbe. Seit jeher.
Es. Es könnte sein. Es wäre schön. Lass es zu.
Wir. Wir kennen einander. Sind eine Familie.
Ihr. Ihr alle. Ihr macht es möglich. Täglich.
Sie. Sie fangen die Mutigen im Sommer. Mit Überzeugung.
Für die Garderobe übernehmen wir keine Haftung.

 

0157

157_S

 

Das ist kreuzgefährlich hier.
Mit dem blossen Auge nur erkenne ich eine Bewegung.
Kaum wahrnehmbar.
Bedeutungslos in Anbetracht dessen, was möglich ist.
Offenporig geleite ich des Taues Tropfen entlang einer unsichtbaren Leiter,
überbringe ich der Schande das Maul,
damit dieses Kunde tut.
Auf ein Wort, doch still ruht ein See in Dir.
Hängt ihn dort in die Krone eines gerechten Winkels,
aber wie können wir Gerechtigkeit verlangen,
wenn die wahrhaftigen Stimmen wie enthauptete Gegner
an uns vorbei taumeln.
Sperrt die Ohren zu.
Vielleicht reisse ich mir später noch ein Bein aus
und verschenke es an einen blinden Geigenspieler,
der ungewaschen aber mit kundigem Daumen in der Gosse spielt
und meine Trauer aus mir heraus zerrt.
In diesem Sinne.

 

0156

156_S

 

In den Traditionen Deiner Wahrheiten moderierst Du
dir stilblütenhaft eine gewisse Ehrlichkeit an,
die sich sicherlich gut anfühlt.
Die sich sehen lassen kann.
Verschone uns mit vielleicht und wir schauen mal,
der gerade Weg ist der, den wir gehen wollen.
Stecke den Kopf ganz weit in das Bild
und kämme Deine spitzblättrigen Wahrheiten.
Bedanke Dich dafür beim Pförtner und dem nächsten Geldautomaten.
Er wird es danken.
Nimm den Verkäufer in der Kurzwarenabteilung lange in den Arm,
tanze mit der Frau vom Chef durch die Fahrstühle
und bezahle Deine Schulden immer in bar.
Trage mal wieder bunte Socken
und umarme hier und dort einen Baum.
Solltest Du eine Reise planen, nimm das Fahrrad
und schwimme in Richtung Mond.
Giesse mit Sachverstand Deine Beziehungen,
auch Pflanzen brauchen Liebe.
Sprich mit den Hühnern
und streichele dem Argwohn seine Gewohnheiten aus.
Letztendlich ist der Tag an dem Du weisst, warum, der entscheidende.
Schön wäre es, wenn Du ihn entdeckst, irgendwann.
Der andere Tag ist der Deiner Geburt .

 

0155

155_S

 

Ich bin der Prinz des guten Geschmacks,
der König des schönen Charakters,
der Herrscher des angenehmen Duftes,
ich bin die Parfümerie Eurer Instinkte.
Ich bin gnadenlos ehrlich und Euch nah,
nehmt den Strom aus meiner Nase und ich belebe die Sinne.
Bis es kribbelt, auf Eurer Haut und darunter.
Ich bin ein Wanderer aus einer anderen Zeit,
ein Bettler in der Gnade Eurer Blicke
und ein Lebemann, der um sein Leben bettelt.
Ich bin der Pharao in der Pyramide Eures Lebens,
der Sklave Eurer Umstände.
Ich bin ein Clown, der Euch zu unterhalten versteht
und ein Freund, der die Dinge sieht, die Ihr nicht mehr sehen wollt.
Ich bin angenehm im Unterhalt
und ein guter Gesprächspartner in jeder Unterhaltung.
Ich bin der, der noch Danke sagen kann.
Euch die Türen öffnet, dort wo keine sind.
Ich bin der, der zuhört wenn Euch niemand mehr ein Ohr leiht
und ich bin der, der verspielt mit Eurer Gunst spielt.
Ich bin der, der hofft, dass heute Schmalhans Küchenmeister ist.