0172

172_S

 

Du sagst, Du hast es nur gut gemeint.
Von wegen und so, bloss keine Rosen.
Könnte man falsch verstehen. Sagt wer.
Mein Vater hat gesagt, Dein Vater hätte keine Meinung.
Die Mutter war sich auch nicht mehr so sicher und hat sicherheitshalber genickt.
Rosenkavaliere sterben früher als andere.
Und früher war später alles besser. Oder anders. Sowieso .
Die Gerbera ist die Frau vom Gerber und der hatte schon immer den Durchblick.
Ehrlich. Und Du hast beim letzten Mal gesagt, wenn mir mal wieder einer Blumen schenken würde, dann ginge das auch so.
Bloss keine Tulpen. Deine zugige Bemerkung.
Ich spüre da eine Schwingung, eine langstielige Einsamkeit.
Aber kein Problem, wir haben ja uns.
Und Du hast mich. Ich verschenke mich nur zu gern.
Wirklich. Ich beschwere mich doch gar nicht. Entschuldigung.
Du könntest ja zur Abwechslung auch mal daran denken, dass ich an alles gedacht habe.
Ich rede zu viel, höre selten zu und gähne im Gespräch.
Ich hätte wohl dann auch Recht, wenn ich nicht Recht habe.
Sagt wer. Natürlich gibt es Unterschiede, und die machen ja auch den Braten nicht fett. Meistens.
Am liebsten treibe ich den Teufel mit dem Beelzebub aus
und setze Dich in eine Rakete, die ich am Mond vorbei schiesse, um das Schwarze dahinter zu treffen .
Die Vase werfe ich dann hinterher und später, wir nehmen es heute ganz genau, erschiesse ich noch den Nebenmann.
Am Himmel, da leuchten die Sterne – und unten, da leuchten wir.

 

0171

171_S

 

Carpe diem.
Als ich nach langem Hin und Her endlich aufgab, Dich zu finden,
sass der Irrtum schon länger wie ein verdrängter Kopfschmerz in den Sümpfen des Vergessens.
Du weisst, man entkommt dem eigenen Schatten nicht
und zum allgemeinen Verständnis legst Du Dir das Tuch der Verständigung über das Gesicht.
Steckst Sand in Deinen Kopf, ordnest Dein Leben in eine Kiste ein
und wirfst Dich dabei in eine Körperhaltung, die hält, was sie verspricht.
Predigst, statt zuzuhören.
Lachst laut, statt zu schweigen.
Kniest, statt davon zu laufen.
Bindest Dich, statt frei zu sein.
Schweigst an Stellen, wo Du es nicht verstehst.
Betest, statt die Dinge selbst zu tun.
Fragst, statt die Antworten zu finden.
Bist ein Mann des Wortes.
Du sagst, ich ändere mich.
Ich nehme Dich beim Wort.

 

0170

170_S

 

Entzückend.
Aber Blut ist dick und klebt an jedem Wimpernschlag.
Und der Sehende wird auferstehen.
Schweiss ist der Weg und schwielig seine Ankunft.
Dem schmalen Grad zu folgen,
zwischen Ohnmacht und Verlust, kein Kinderspiel.
Die Klinge, das weiss der Kluge, ist nur einen Steinwurf weit entfernt.
Dort hinten stehen die Linden.
Am Bachlauf finde ich sie, höre sie klagen.
Ich kühle meine Füsse an ihren Wurzeln
und mit wohl platzierten Schlägen halbiere ich den verbleibenden Zeitraum.
Voller Leidenschaft verdurste ich in ihren Zweigen.
Der Zweck ist dienlich dem, der mit Mitteln heilt, was noch zu retten ist.
Denke eine Gedenkminute voraus und umarme mich, die Welt.
Drücke den Erdenball in seine Laufbahn, vor und zurück.
Spaziere mit federnden Schritten durch die Kronen der gefallenen Bäume,
voller Ehrfurcht, beweine ihre Jahresringe,
während im Kamin langsam das Gesicht der Glut zerfällt.

 

0169

169_S

 

So ganz im Vertrauen.
Triologisch gesehen bewegen wir uns im Quadrat.
Das Gesprochene verdreht den Kreis
und schweigend habe ich eine Ahnung davon, was als nächstes passiert.
Ein Wort gibt das andere auf und bald verpasse ich meine Gelegenheit.
Die Sekunden schleichen müde an uns vorüber,
wenn nichts geschieht, bin ich meistens glücklich.
Adam zahlt seine Riesen aus und weiss,
aller guten Dinge sind drei.
Gut so.
Gib Deinen Fersen das Geld, welches ihnen zusteht.
Das Zünglein verspricht der Waage Gleichgewicht
und hier eine letzte Frage:
Seit Ihr des Wahnsinns fette Beute?

 

0168

168_S

 

Apropos.
Vielen Dank,dass Sie sich für ein Produkt aus unserem Hause entschieden haben.
Unsere Qualitäts- und Hygienestandards sind sehr hoch
aber sollten Sie dennoch Fehler am Produkt entdecken,
so zögern Sie nicht und senden uns die beschädigte Ware mit dem Kaufbeleg,
dem Ort des Einkaufs, der genauen Uhrzeit und Ihrem Reklamationsgrund zu.
Wir melden uns umgehend.
Bitte beachten Sie folgendes:
Der Abstand zum Objekt ist wichtig.
Etwa eine durchschnittliche Elle oder Speiche.
Je nachdem. Aber mindestens 38 Zentimeter.
Am besten, Sie befestigen die Papierrolle an einem handelsüblichen Papierrollenhalter.
Oder suchen sich eine Person ihres Vertrauens, die diesen Teil übernehmen könnte.
Mit beiden, keinesfalls feuchten Händen am Ende ziehen.
Bitte niemals von innen aufrollen. Danke.
Zügig aber ohne Hast dem Verlauf des Papiers folgen.
Lassen Sie dabei nie mehr als zwei bis drei Blätter von der Rolle.
Wichtig auch hier: keine Panik. Übung macht den Meister. Aber weiter.
Keinesfalls Ihre Rolle aus den Augen lassen.
An wirklich jeder Ecke lauern derzeit die Klopapier-Piraten. Weltweit.
Konzentrieren Sie sich auf den weiteren Ablauf und spüren die Fasern,
hier und da verstecken sich kleine und große Blumen.
Schön irgendwie und auch irgendwie schön.
Gerne können Sie die Rolle wieder in die andere Richtung bewegen.
Eine tolle Beschäftigung mit lieben Freunden zu Hause.
Schliessen Sie die Augen und stellen sich vor, wie es früher war.
Spüren Sie die Kraft Ihrer Erinnerungen.
Das tolle Gefühl, genug von allem zu haben.
So soll es auch hier sein. Bald.
Legen Sie nun maximal fünf Blatt pro Person und Tag übereinander.
Hierbei ist Vorsicht geboten .
Aber momentan ist das Tragen von Handschuhen Pflicht und somit sind die Finger fein raus.
Mal abgesehen davon, dass es wahnsinnigen Spass macht,
in absurden Mengen weisses, aufgerolltes Papier zu kaufen
bitte ich um Geduld an den Kassen und kaufen sie nur die Mengen,
die Sie tatsächlich tragen können.
Mehr steht Ihnen auch nicht.
Ich bedanke mich für Sie.

 

0167

167_S

 

Diese Rolle ist Dir wie auf den Leib geschrieben.
In meist drei-lagiger, mehrschichtiger Gesellschaft
verbirgst Du im Stillen Deine Ansichten und verbürgst Dich.
In Sauberkeit und Amen.
Bete, dass am Anfang das Blatt hält, was es verspricht.
Bis zum Ende.
Bitter ist es allemal, der Letzte in der Reihe zu sein.
Abgezählt wehen traurig die Blätter aus dem Fenster.
Von weitem schon, das siehst Du bald, kommen die Horden.
Mit blutunterlaufenden Händen greifen Sie Dir in die Hüften und zerren.
Und reissen. Und schreien. Und kreischen. Und prügeln.
Der Satan hat Besitz ergriffen
und verrichtet sein Geschäft immer auf den gleichen Haufen.
Teuflisch gemein.
Erkenne gerade nicht mehr den Wert einer gebleichten Gardine,
den Sinn einer hausbesetzenden Panik.
Der Untergang wünscht sich Weihrauch herbei,
alle Untergebenen senken taub den Blick.
Dabei … ist Weiss eine Tatsache und sauber an der Perforation getrennt,
überleben auch die schlimmsten Zeiten ihre schlimmsten Phasen.
Jetzt schaue ich nochmal durch das Fernrohr
und sehe in der Ferne eine unsichtbare Wand auf uns zukommen.
Die Zeit steht still.

 

0166

166_S

 

Auf lichthungrigen Lichtungen
leuchtet in Lichtgeschwindigkeit
eine gewisse Leichtigkeit.
Schwerelos, beinahe apathisch,
bedient sich die Schönheit
ihrer Zurückhaltung
und ehe sie sich versieht
ist sie blind vor Neugierde.
Verspätet macht die Sonne eine ganz persönliche Begegnung daraus,
während sich das Wasser nah ans Ufer traut.
Die Tränen laufen ihr dabei über das Gesicht.
Ich schaue ihnen zu, doch sehe sie nicht.
Leise schleicht der Schatten aus dem Bild,
geht Huckepack mit dem Sonnenuntergang
und entkommt so dem nadelstichtiefen, dunklen Wald.
Auf Wiedersehen.

 

/corona

corona_S

 

Matu

Ich kann Dich nicht sehen .
Ich kann Dich nicht schmecken .
Ich kann Dich nicht fühlen.
Und doch machst Du mir Angst.
Erkenne uns in Dir.
Wir nehmen uns alles.
Ausser uns selbst.
Vergesst nicht den Menschen in Euch,
den Menschen neben Euch.
Wir werden überleben, lasst uns nicht im Stich.
Tragt die Sanduhr unserer Vergänglichkeit immer in Sichtweite
und bleibt gesund.
Bis bald.

 

Schinski

Wir wollen hier nicht so tun, als sei nix.
Und genau deshalb machen wir weiter wie bisher.
Wir haben Angst.
Haben Hoffnung.
Halten die Augen auf.
Lassen die Worte kommen.
Irgendwann ist es vorbei.

 

#SocialDistancing
#StayTheFHome
#ficaemcasa

 

 

 

 

 

0165

165_S

 

Der Haifisch.
Der Haifisch, der hat Flügel.
Die spannen sich, von hier nach dort.
Und wieder zurück.
Der Haifisch, der hat Augen.
Die fallen ihm wie Schuppen aus dem Gesicht.
Der Haifisch hat ein Lachen.
Das klingt oft böse, ist aber gut gemeint.
Der Haifisch, der hat Pläne.
Verrät sie aber niemandem
und plant den nächsten Überfall.
Der Haifisch, der hat Sorgen.
Denn wer berühmt ist,
den umspült der Ruhm
wie Meerwasser die Füße
und zerreisst den Boden.
Der Haifisch, der hat Wolken.
Die bindet er zu einem Zopf
und hängt sie an seinen Hinterkopf.
Der Haifisch hat eine Mission.
Zieht in ferne Länder und sein Wort in Gottes Ohr.
Der Haifisch, der hat Gräten.
Die brechen ihm alle Knochen.
Der Haifisch, der hat ein Messer.
Das steht ihm besonders gut,
schneidet dem Leben einen Anzug schön,
trägt im welligen Meer des Himmels
eine flauschige Krawatte.
Der Haifisch, das sieht man von weitem schon,
hat eine weisse Weste
und zeigt von sich nur das Beste.

 

0164

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Lasst uns beten.
Für unsere Schuld.
Für unsere Schande.
Für Gott.
Denn Gott vergisst.
Die Geschichte vergisst.
Möchte vergessen werden.
Wir vergessen nicht.
Niemals.
Langsam, wie in Zeitlupe verdurstet ein Leben.
Mitten in seinem Leben.
Zwischen Eurer Leben.
Unbemerkt.
Lasst uns beten für unsere Scham.
Und betteln für die Anklage.
Die Tat verrät den Täter und der Zuschauer schaut zu.
So stolpere ich hinein in eine Zeit voll unvorstellbarer Grausamkeiten.
Voll schmallippiger Überheblichkeiten einer verschollenen Nachdenklichkeit.
Einer entmenschlichten Menschlichkeit.
Verrat macht uns zu Verrätern.
Lasst uns beten.
Dass der jüngste Tag eine Horde apokalyptischer Reiter ist,
der die Verdammten in seinem Zorn verbrennt.
Ich schäme mich.