0185

185_S

 

Wie die Fliegen stirbt die Asche
und mit den Flossen schwimmst Du auf ihr und davon.
Ein Gebet, die Hände zum letzten Gruss gebunden
und aus Stein gemeisselt alle Hoffnungen.
Jeder Einzelne gibt Dir zu denken,
dankt gnädig und Zähne überleben,
genau wie Steine graben sie sich durch ein zeitloses Fenster.
Geben Dir Rückendeckung,
beschwerlich sind aller Wege Anfang
und zielgenau schlägt Dein Körper neben Dir auf.
Du erinnerst Dich an Deine Gesichtszüge, Dein erstes Mal.
Wie Rauch am Horizont.
Kaulquappen haben Scheuklappen und denken kaum an den nächsten Tag
und ist dann der Tod
wie eine Seerose in Deinem Leben aufgetaucht,
schaue sie Dir an.
Es gibt nur noch diesen einen Moment.
Wie schön kann Vergangenes sein.
Von der ästhetischen Seite her gar keine Frage.

 

0184

184_S

 

Vor mir, der gelbe Wagen.
Ich möchte noch ein wenig schauen.
Elegant lege ich mich zu Deiner Waagerechten,
ab dem Mittag hat die Trägheit vor lauter Müdigkeit ihren Schlafzimmerblick aufgesetzt.
Landauf und flussabwärts drehen alle am Rad,
die Sonne – die Hitze steht ihr besonders gut –
schiesst mit ihren Strahlen Löcher in meine Figur.
Der Fahrtwind schmilzt wie ein letzter Kuss auf der Haut.
Ich spanne die Sehnen und jage die Landschaft vor mir her,
im Vorbeirasen nicken die Scharen unbewohnter Blumenstiele,
verblühender Mohn, ein tränendes Herz weint am Wegesrand.
Vielleicht schenke ich ihnen nach der Rückkehr ein neues Leben.
Bei meiner Ankunft zeige ich den Übrigen noch den Kalender,
wie aus einer anderen Zeit gefallen,
stehle einem pensioniertem Arzt seinen Doktortitel
und verordne mir eine Woche Bettruhe.

 

0183

183_S

 

Du strickst an Deinen Verhältnissen und verwickelst Dich dabei in Widersprüche.
Kein Ekel, keine Phobien, keine Vorenthaltungen.
Du bekommst, was Dir steht und spinnst Du auch einen Faden quer und kreuz,
so nimmt Dir das selten jemand krumm.
Deine Enkel sprechen nur zu gut von Dir,
trägst lieber Seide
und wenn Du schläfst, schlafen die Anderen vor Dir ein.
Sicherlich betrauen die Gläubiger die Banken,
und stehen auch schlecht die Aktien,
beteuern doch alle den guten Leumund.
Nah sein kommt von nähen.
Investiere in Dich und mach was aus Deinem Leben.
Am Webstuhl stehen sich die Leute auf den Füssen, rundherum nur Stille.
Gibt eine Masche der anderen die Hand,
vertäuen sich die Stimmen mit den Stummen
und ungewaschen riecht Wolle nach ungenähten Kleidern.
Von der Figur her eher ängstlich,
aber lauert in der Situation eine Gefahr,
dann Gnade vor Gott und später kommt die Familie vorbei,
Schultern bis zum Anschlag reserviert,
Blicke schief zur Decke gerichtet.
Beine bis zum Boden.

 

0182

182

 

Abrakadabra.
Gemeinsam verschwanden wir auf einer Wiese,
die blauer war als Deine Augen grün.
Wir träumten uns in anderer Leute Leben,
des eigenen Lebens müde, aber niemals lebensmüde.
So umarmten wir den Kreis und drehten die Welt unter uns mit Füssen.
Im Tauchgang ging es auf Tuchfühlung mit den Gefühlen, den ganz grossen.
Verschwiegenheit macht durstig nach dem Quell des Ursprungs
und erlaube ich dem Erschöpften eine Rast an der Oase seiner Zufriedenheit,
dann liegt Ihr Euch in den Armen und trinkt den Sand aus den Händen Eurer Schwestern und Brüder.
Schlaft ruhig in den Köpfen der schreienden Winde, die Euch die Spuren lesen lassen.
Ohne Gnade schleift der Spiegel Falten in die Zeit
und als ich mich umdrehte am jüngsten Tag,
blätterte mein Leben von mir ab wie eine alte Tapete.
Später lag die Sonne wie Balsam auf der Haut und verbrannte meine Seele.

 

0181

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Momentan lebe ich für den Augenblick.
Ein wenn, kein aber.
Verbrenne mich am Lack meiner Nägel,
verändere die Form.
Warte an jeder Ecke
und komme ich erst einmal in Fahrt,
gibt es kein Halten mehr.
Ich muss aus mir heraus, bin mir selbst zu eng.
Und steigst Du bei mir ein, gibt es keine Garantie für nichts.
Die Stimmung hat zum Schluss mein Gesicht verbeult,
verwaist säume ich den Rand in einem Bild.
Sauge mich fest am Licht einer mir nahestehenden Laterne.
Betrinke den Zustand der Gegenwart
und während ich noch die Tränen der vergangenen Tage trockne,
liegen mir all die pulverisierten Herzen zu Füssen.

 

0180

180

 

Schwarz wie eine Katze schleicht ein mulmiges Gefühl umher.
Giesse Schatten in die Figur, die Jahresringe erzählen von der Zeit.
Ist dann das Auge auf Augenhöhe mit dem Gefühl dafür und dagegen,
nähe ich einfach eine Gestalt auf die Ebene,
gebe der Strömung die Möglichkeit, Besitz zu ergreifen. Von mir.
Erlebe mich immer wieder neu,
im Spiegel betrachtet mich mein Spiegelbild.
Während ich sorglos auf dem Eis spaziere
und dem Däumling an seinem Daumen drehe,
warten unter mir die Krokodile darauf,
dass die Sonne mit ihrer warmen Zunge das Eis schmelzen lässt.
Schnell wie eine salzige Lakritzraute ist es dann eine geschmackvolle Begegnung, vorbei an den guten Dingen löst es in mir schöne Erinnerungen aus.
Ausgezeichnet färbt der süße Eindruck einen Zahn
und spätestens wenn ich lache,
ziehen die Falten in meinem Gesicht weiter
und belustigen einige Schaulustige.
Selten geht man dort vor Anker,
an Stellen wo das Wasser tiefer ist als der stille See.
Denn während ich noch voller Anteilnahme schweigend ins Gebet vertieft bin,
mich auf Knien hin und her wiege,
spüre ich einen kehligen Drachen in mir aufsteigen.
Das geschnittene Haar fällt mir auf die Schulter und wärmt den geleisteten Schwur.

 

0179

179_S

 

Das setzt dem Ganzen die Krone auf
und wenn ich nicht mehr König von Deutschland sein werde,
heirate ich die Prinzessin unter der Erbse.
Hinter den Hügeln an den Bergen,
zwischen den sieben Winden
und dem Raunen des Waldes,
im Angesicht des Vergessens,
am Fusse eine Bachlaufes,
dort wo mein Herz begraben scheint.
Zwischen den Ängsten und der Angst,
zwischen den Wolken, auch wenn sie verhangen sind.
Auch Wölfe schlafen gerne in einem Schafspelz,
verdächtig nur, dass weit und breit kein Schwein zu sehen ist.
Tief liegen die Augen unter der Rinde
und zornig beisst ein mundloses Lächeln Löcher in die Landschaft.
Fliehe, so lange es noch eine Flucht gibt.
Entkomme Dir selbst.
Schreie laut, auch wenn Dich keiner hört.
Nur Du musst verstehen.
Wiege Dich mit den Gräsern, fliege mit den Löwenzähnen davon.
Lege Dich zu den Zwergen und verreise mit den Riesen,
lasse die Elfen in den Bäumen schlafen,
kämpfe mit Deiner Phantasie und erliege ihr.
Glaube nicht immer der Wahrheit,
traue nicht immer Deinem Glauben.
Wenn jüngst der schwarze Holunder naht,
verrate ich Dir, das Füsse zum Laufen gemacht sind
und die Augen neugierige Schwämme, die alles in sich aufsaugen.
Folge Deiner Prophezeiung und nicht dem inneren Schweinehund.
Grabe Dein Herz aus dem Maul eines davonfliegenden Fisches und springe über Zäune,
traue Dich nachts in die Finsternis
und male Dir beizeiten den Tag aus, wie er dir gefällt.

 

0178

178_S

 

Tagein, tagaus wäscht eine Hand die andere,
die letzte wäscht das Gesicht.
Blind vor Zuneigung kraule ich die Bilder in meinem Kopf
und hüte mich, wie der Schäfer seine Schafe.
Bin ich der, den die Anderen in mir sehen wollen,
oder hat mich meine Geburt vertauscht.
Habe ich mich in mein Ich verliebt,
heute scheint mich der Tag zu vergessen.
Leise treibt mich die Zeit vor sich her.
Bin ich ein Astronaut im Dunstkreis meiner Umlaufbahn,
ein Taucher, der im Wasserglas ertrinkt.
Ein Schauspieler, den die letzte Einstellung erschiesst.
Ein Pilot, der Flugangst hat.
Ein Pfarrer, der vor allem sich selbst nicht mag.
Ein Seiltänzer, der Höhenangst hat.
Oder bin ich ein Verräter, mit der Furcht davor, selbst verraten zu werden.
Jetzt lege ich mir noch ein Kissen zurecht,
schaue aus mir heraus
und meine, zu verstehen.
Sicher bin ich mir nicht.
Sicher ist nur das Amen in der Kirche.

 

0177

177_S

 

Die Wahrheit ist, dass der lügt, der flüstert.
Dass der Faktor Unsicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielen könnte.
Der Ausdruck trägt eine Gleichgültigkeit durch die Gruppe,
es macht den Anschein einer Gleichförmigkeit, jeder ist individuell.
Vergiss den Auftrag. Deinen Weg. Deine Vorsätze.
Gut, wenn man welche hat,
aber verkaufe sie an den Krämer am Ende des Lichts.
Strecke Dich, übernehme den Tag.
Zeige Dich und Du wirst erkennen.
Gib den Anderen eine Vorstellung, damit sie im Ansatz eine Ahnung bekommen,
wie etwas entstehen kann, was der Wind mit unseren Köpfen macht.
Wohin die Sonne auch scheint, Du wirst vor ihr da sein.
Die List ist die Schwester der Tücke.
Wende sie an, wenn niemand es von Dir erwartet.
Der eine Narr traut dem anderen nicht,
nimmt den Vorwand als Gerüst aus Langeweile und Zeitvertreib.
Und hier und da stehen die Lügen auf kurzen Beinen,
wispern Dir ihre Versionen in die Poren.
Ein Vulkan bricht am Ende die Lanze
und die Mehrzahl hat mehrfach recht gehabt mit der Aussage,
die Hingabe sei die Mutter jeden Anfangs.