0149

149_S

 

Wie schön Du bist.
Wo warst Du, für den Rest meines Lebens.
Gestern in einer Woche haben wir uns wieder gesehen,
der Tau tropfte wie ein Blumenstrauss ins Bild.
Du hast mich entführt an den Tatort unseres Verstandes.
In die Szenen vergangener Lebensmodelle.
Wie ergreifend, wir ergriffen die Flucht und haben erst später verstanden.
Bringe mich bitte weg von hier, mit Deinem flügellosen Lachen.
Deiner federleichten Art, die Dinge zu verstehen, Dich zu verändern.
Und alle anderen damit anzustecken.
Zurück liessen wir den Freund, der nachts noch Kupfer sticht,
für uns die Stühle rückt und zum Spass seine Hand erhebt
gegen das durchsichtige Licht.
Wir könnten uns in Zukunft verabreden, ohne gleich hysterisch zu werden.
Ohne gleich mit der Wahrheit zu prahlen
oder mit einem geschlossenen Herzen
nach dem Anderen zu fahnden.
Wir könnten in Zukunft in einem Dreieck leben,
aus Vernunft, Hingabe und gespielter Verzweiflung.
Wir könnten den Augenblick geniessen, würden wir ihn denn erkennen.
Versuchen, das Schönste festzuhalten, als würde es uns gehören.
Als würden wir uns selbst gehören.
Bitte nehmen Sie Platz und warten Sie, bis Sie aufgerufen werden.

 

0148

148_S

 

Wenn das Schwein pfeift,
dann wirf die Locken hinter Dich.
Rette mich, wer kann.
Könntest Du.
Verändere Dich.
Drehe Dich.
Suhle Dich.
Bewahre den Speck dort auf,
an einem Ort hinter allen Möglichkeiten.
Wenn möglich, verzehre ihn im Kreise
Deiner Sehnsüchte, ganz vegan.
Beachte aber unbedingt die Geschmacksrichtung im Kreisverkehr.
Atemlos durch den kalten Wald.
Kälter noch ist Deine Liebe zu mir, so lange ich lebe.
Nähe Dir doch ein Lachen ins Gesicht,
mit der anderen Hand streichelst Du um Vergebung
und jede Wette. Ich verliere.
Die Letzten werden die sein, die man zuerst vergisst,
letztendlich war ich schon immer gerne dabei.
Studiere mich noch ein wenig.
Von Zeit zu Zeit kann ich Dir dabei behilflich sein.
Brennt später das Kerzenlicht in Deinem geschiedenen Auge,
wische Dir die Strähne aus dem Gesicht
und trockne Deine blutigen Lippen.
Ihr Kreditrahmen ist derzeit ausgeschöpft.
Bitte wenden sie sich an das Personal.

 

0147

147_S

 

Das Licht lässt uns nicht zurück.
Es teilt uns auf, zerteilt die Menge
und multipliziert den Verstand.
Blau wie das Licht.
Könnte ich, könnte ich nicht.
Leicht wie das Licht
ist die Sorge frei von Nöten.
Stark wie das Licht,
trägt es Dich.
Trägt es Dich nicht.
Schön wie das Licht.
Erkenne die Werte in Dir.
Klar wie das Licht,
schmeichelt es Dir.
Warm wie das Licht,
führt es Dich.
Schnell wie das Licht,
blendet es Dich.
Stumm wie das Licht,
erzähle ihm von Dir.
Fragend wie das Licht
und halte die Antworten bereit.
Ehrlich wie das Licht,
Du bist um Lichtjahre gealtert.
Kalt wie das Licht.
Stecke es einfach ein.
Das Licht brennt für Dich,
entzünde Dich.
Gib dem Licht einen Schatten,
der aussieht wie Du,
zerbeisse nicht die Helligkeit,
wärme Dich an ihr.
Und Du wirst sehen.

 

0146

146_S

 

In eigener Sache. Liegt das Blatt
aus lauter Gefälligkeit im Gefälle,
finde ich Gefallen daran und gefalle mir selbst ein wenig.
Mehr und mehr.
Der Mensch lebt ja schliesslich nicht nur vom Brot allein
und hast Du keine Ahnung von dem was morgen kommt,
dann schau hinter die Fassade,
wirf das Laub in die Luft und Du weisst, es gibt keine Zufälle.
Überraschend blaulichtiges Laubgewitter regnet aus den Kronen.
Mutig motiviert sich die Motivation
und an der Zweigung zweigt sich die Neigung,
zeigt ein Fuss in Deine Richtung
und überall steigt Dir der Wald hinterher.
Frittiere die Gestalten in Deiner Umgebung,
fange die Samstagsausflügler
und betrinke Dich am Waldmeister.
Ordentlich versinkt die Figur
bis zum Kinn in einem Geflecht aus Wurzeln
und Du erinnerst Dich an früher.
Am Tage raschelt das Gestrüpp entlang Deiner Wege,
nachts wandelst Du am Pfad deiner Ängste und drehst Dich um.
Gratis bekommt man den schweren, den herbstschwangeren, modrigen Geruch präsentiert.
Hinter der Anhöhe warten die Wildschweine auf ihren Abschuss,
jedoch liegt dem Waidmann der Braten zu schwer im Magen,
so dass ihm nur der Schnaps Linderung verschafft.
Stumm bleibt heute das Schiessgewehr.

 

0145

145_S

 

Fantastisch.
Das Gelbe pfeffert das Runde ins Aus,
langsam zerfliessen auch endlich die Steine,
und ich schwöre, beim Barte des Propheten,
der edle Tropfen höhlt die Augen und schönt den Abend.
Bevor Dein Cholesterin in den Spiegel blickt,
drehe doch lieber noch eine Runde
im Kreisel eines Junggesellenabschieds
und lass Dir nichts erzählen.
Später gibt es gebratenen Speck,
bis Euch die Schweine ausgehen
und in der Pfanne lauter verrückte Hunde,
gerade zu vorgerückter Zeit.
Findest Du Dich dann unter einem Findling wieder,
wende das Blatt und vergiss nicht die Bohnen.
Die gehören zum Speck wie die Made ins Klavier.
Am Ausdruck, an der Haltung, erkennt man den Kenner.
Der Linienbus fährt in den nächsten fünf Minuten ab in Richtung Hühnerfarm
und Calimero trägt die Schale bis zum Scheitel.
Ihr entdeckt mich auf dem Sonnendeck,
der Ursprung liegt im Urknall und ich sehe im Pazifik
eine Art Inselbegabung auf mich zukommen.
Das sind hier keine Kinkerlitzchen,
aber irgendwie sollte dieses oder jenes
nicht überbewertet werden.

 

0144

144_S

 

Halleluja.
Hier schleicht ein übler Schlendrian durch das Revier
und steht der Fügung um nichts nach.
Muxmäuschenstill fällt das Blatt,
der Zeiger steht derzeit auf fünf Uhr. Mitteleuropäisch.
An der Fahne erkenne ich den Wind und in welche Richtung er flieht.
Überquere in meinen Kreuzzügen die Kreuzungen
und beachtet bitte den Stellenwert von alleinstehenden Häusern.
Hinter Gittern verschanzt sich die Familie,
in Schrittgeschwindigkeit rückt die grausige Verwandtschaft an.
Gardinen lassen Gesichter verschwinden
und im Vorgarten ruht der verstorbene Hund.
Der Asphalt flüstert die Zahlenkombination für die Haustür,
verrät die Absichten. Absichtlich.
Die Erben erwarten sehnsüchtig ihr Erbe.
Wir sind doch nur die Summe unserer Teile
und summa summarum ist eigentlich
zu viel Wohnraum für so wenig Freude.
So wenig Empathie.
Lass uns noch den faradayischen Käfig vor dem nächsten Regen in die Einfahrt stellen
und beginnt es wider erwarten doch zu blitzen,
mache ich ein Bild von Dir und hänge es an meinen Spiegel.
Slow.
Motion.
Aber sollte etwas passiert sein,
dann kann der Fall bald zu den Akten.

 

0143

143_S

 

Gehst Du mit mir aus.
Kann Dich nicht vergessen.
Lässt Du Dich von mir entführen.
Später sage ich Dir, wohin.
Im Atelier einer Notwendigkeit
beichtest Du mir die Geheimnisse
Deiner Dir Anvertrauten.
Als Strafe schiesst der nadelspitze Boden
mit roten Hüten zurück.
Sei auf der Hut,
das lamellige Fleisch winkt
aufgeregt aus dem bunten Blättergrab.
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.
Von hier oben mag ich Dich besonders gern,
fange die Fliegen mit der Hand
und putze mir die Augen,
damit ich Dich besser sehen kann.
Ich sitze am Fenster,
schaue aus mir heraus,
knirsche mit den Zehen
und schneide dem Windschatten die Segel.
Nun beblättere ich noch den Kalender meiner Jahre,
staune über die kleinen Dinge und stolpere in mich hinein,
räuspere laut in den leisen Momenten,
lege mich zu Dir und ich bekomme nie genug
von dem Duft der ewigen Bäume.

 

0142

142_S

 

Die Musterknaben laden ihre Musketen mit Muskatnüssen
und schiessen die Wolken ins All.
Erschrecken die Musterschüler auf ihren Bänken,
eine Zensur gibt es nicht.
Zerreiben die Bilder auf ihren Linsen zu Staub,
vorher kommt die Asche.
Blitzgescheit ist der,
dessen Person im Unterholz verschwindet,
sich nicht im Tagesgeschehen verschwendet,
hochglanzpoliert auf dem Café-Tisch verendet
oder im Smalltalk als Sodbrennen Hälse verdreht.
Verzeihung, aber der rote Teppich fliegt heute ohne Sie davon.
Ein Schelm, dem da nichts übles schwant und bei allem Respekt:
Ich fürchte wir sind nicht auf einer Wellenlänge.
Aber Danke für das Gespräch.

 

0141

© MatuSchinski

 

Die Spuren hinterlassen ein Gesicht in einem Gesicht.
Scheinbar betrügt der Schein den Schein.
Könnte sein.
Lass es sein.
Es kommt von allein.
Es bedarf keiner Hilfe.
Beschreie nicht den Schrein,
verstecke die Axt im Wald.
Oder im Schilfe.
Wenn bei einem Versuch alle Stricke reissen,
bleibt versuchter Mord unerkannt
und unbekannt bleibt fremd am Tatort.
Die Ermittler ermitteln,
Fußabdrücke gibt es überall.
Wasser ist selten auf den Mühlen,
der Müller verschenkt seine Müllerin an die Holzfäller.
Blut ist so dick, wie Blut dick ist.
Im Stroh versteckt die Witwe ihren Mann,
gerne wäre er ein Strohwitwer gewesen.
Aber ohne Spesen hält sich der Kurschatten nur eine Nacht.
Schlecht zu wissen ist wenig und ein schlechtes Wissen weniger.
Ein reines Gewissen ist ein reines Gewissen,
ist wie ein weiches Kissen.
Dort ruht ganz sanft der Kopf und die Seele,
möchte es nicht mehr missen.
Holzauge sei wachsam,
Holzauge sei achtsam.

 

0140

© MatuSchinski

 

In leeren Räumen fange ich gerne an zu träumen.
Säume mich gerne mit einem Zwirn,
einem Samt, dass meine Mutter mich nicht erkannt.
Vertäue den Körper mit kostbarer Schnur,
verteuere mein Ich.
Ein Blick in die Garnitur gibt mir Recht,
gar nicht mal schlecht, Herr Specht.
Trage zur Garderobe gerne auch mal die Robe,
geschniegelt und gestriegelt,
jedoch nicht eingeigelt.
Lackschuh am Fuss und die Anderen schauen
wie gelackmeiert.
Am Hals klebt der Schlips,
iss niemals Chips
in Verbindung mit dem Tragen von Anzügen.
Das ist anzüglich.
Viele Leute ergeben eine Meute
und bei zu vielen Klamotten
bekomme ich die Motten.
Denen gebe ich die Kugel,
der Falter kugelt sich vor Lachen.
Manche Sachen muss man einfach machen,
muss man einfach machen.
Amüsant, wie wir uns amüsieren
und jedes Tierchen hat sein Pläsierchen.