0091

091_S

 

Im Frühtau,
da versetze ich die Zwerge,
eine Schönheit hinter – weiss ich wie vielen – Hügeln
befragt ihr Spiegelbild,
den anderen stehen die Haare zu Berge.
Es wird konsequent
tonnenweise
die Sprühsahne verteilt,
kniehoch.
Kühn präsentiert sich das Gedankenschloss in exponierter Lage
und zu Fuss erobern die müden Ritter der Neuzeit
den Gipfel aller Maßlosigkeiten,
völlig zwanglos.
Verfolgt werden sie dabei
von schmerzenden Waden,
blasenschwangeren Füßen
und ihren toten Kameraden.

 

0090

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Nachts schließe ich beide Augen.
Dann schalte ich den Kreisel ein,
die Bewegung gibt mir Energie
und von innen heraus strahle ich
mit meinem schönsten Lächeln.
Nun habe ich ein Auge auf Dich,
das andere könnte ich Dir leihen,
für einen Tag vielleicht.
Bring mir dann die Bilder vorbei
und ich klebe mir meine eigene Geschichte  zusammen.
Meine Beine sind schwer wie Wasser.
Es wäre schön, wenn Du mich sehen liessest,
Dein Körper trägt mich auf und davon.
Bei Einbruch der Dunkelheit benötige ich es zurück.
Versprochen?
Denn bei Dunkelheit sehe ich mit beiden Augen besser.
Lass uns bald wiedersehen und gerne gebe ich Dir auch mein Lachen mit.
Trage es in die Welt.
Hast Du alle anderen damit angesteckt,
bring es bitte zurück zu mir.

 

0089

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Hinter vorgehaltener Hand spricht es sich leicht,
ich hätte Dir gerne noch viel von mir erzählt.
Aber Du ziehst tief und klammerst Dich an die verwesenden Tage.
Kryptische Wahrheiten zieren den Moment,
wehren meine Versuche ab,
Dir nah sein zu dürfen.
Die Furcht ist die Mutter aller Ängste,
nichts fürchte ich mehr als steinblässige Kälte,
wir übernachten im Kühlschrank unserer Träume.
Aufwachen unmöglich.
So wirst Du nie erfahren, wer wir wirklich sein können,
winkst mit viel zu kurzen Armen,
ich sehe gefrorene Steine,
Deine Bewegung wird einzementiert
und auch der Dornröschenschlaf kann uns nicht mehr helfen.
Langsam verblutet die Zeit.

 

0088

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Alles steht auf Dich,
Du stehst Kopf.
Alle stehen auf Dich,
Du verstehst es nicht.
Im Gleichschritt klatschen,
unerreicht tanzt der Ton ins Bein.
Trägst Du Deine Frisur denn immer noch.
Schritte verfangen sich wie ein Bienenschwarm am Kopfgestirn.
Stich auf Stich schwillt Dein Fuss in der Brandung eines Dahinschwärmens.
Dahingehend.
Oder liebst Du die Fledermäuse, Kopf nach unten,
Mäusezähne vertreiben mit übler Nachrede ihre Vorurteile.
Wissen schlägt Unwissen, und der Schlaue ist eine nasenweise Spitze dem voraus,
der immer nur zu Hause schläft und einen Decknamen als Deckmantel trägt.
Unter der Decke auf dem Sofa schläft und vom Testbild träumt.
Im Endeffekt gibt es kaum Empfang.

 

0087

087_S

 

Zuallererst leihe ich mir einen Delphin,
mit dem schwimme ich zu meinem Herzen,
dreispatenstichtief,
dort wohnt der Schmerz,
dreispatenstichtief.
Du vergräbst Dein Auge,
dreispatenstichtief,
grünspanig Dein Sehen,
pink verlässt die Sonne Deinen Blick.
Dreispatenstichtief grämt sich der Mond,
vergraben mit den Händen bloss.
Dem Leuchten abgewandt höre ich das Gelächter,
dreispatenstichtief.
Den Mund zu voll genommen,
Erdreich statt Worte.
drei Faden tief hängt dort das Lot,
lieber hätte ich Kiemen,
statt dessen bricht die Krume
leichter als sich das Brot teilen lässt.
Die Auferstehung ärgert jene, die zurückbleiben.
Müssen.

 

0086

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Bitte.
Versuche niemals, einem Dachschaden den Rücken zu kraulen,
einem Wind die Segel zu setzen und dem Krokodil die Zähne zu putzen.
Sinnlos, dem Introvertierten eine Freude zu machen,
dem Misanthropen eine Freundschaft anzubieten.
Versprich dem Tag nie zu früh die Nacht,
damit er sich endlich ausruhen kann,
dem Kaufwütigem nicht das Sonderangebot.
Mache niemals bei Vollmond einen Heiratsantrag
und verstecke Deine Leichen nicht im Keller Deiner Nachbarn.
Führe den Hund immer rechtzeitig aus und gib den Katzen keine Milch.
Erschlage keine Mücken und trinke den Espresso im Stehen.
Feile Dir regelmäßig die Zähne und benutze täglich einen Fussbalsam.
Zerbeisse keine Hustenbonbons und halte Fremden immer die Türe auf.
Füttere ständig die Parkuhren
und begleite die blinde Giraffe
über die Kreuzung.
Danke.

 

Audiomichaela

 

 

0085

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Da staunen selbst die Bauklötze,
und Stielaugen macht die Maus.
Wobei sie weiss: lebend kommt hier keiner raus.
Leider sind wir kein Quartett,
denn dann wird es erst richtig nett.
Das geht dann ab wie Schmitdts Katze,
später halten wir uns die Tatze.
Wir knüpfen uns die Augen schön,
knöpfen das Herz in die richtige Ecke.
Das eigene Rezept besteht aus
dem Leben, dem Sieg und oder der Niederlage,
gar keine Frage.
Man siegt über den Verlust und zu allem Überdruss.
Schau mir ins Gesicht,
haben wir auch noch Spass daran.

 

0084

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Lässt den Kopf hängen und die Glieder,
trägst am Hinterkopf den Zopf.
Ein Regenschauer geht nieder
und am liebsten gibst du richtig Gas,
reisst das Lenkrad herum,
landest kopfüber im Gras.
Auf der Stelle dreht sich Deine Welle,
toller ist es nur noch, wenn Du herumtollst
(quasi Tollwut)
Stehst Du dann endlos in der Schlange,
wird es Dir bange und die Zeit ist knapp.
Kommt nämlich der Schmied mit der Zange,
verdreht dir Dein Ohr und Deine Gedanken.
Aufgepasst! Gleich werdet Ihr zanken.
Aber zu guter Letzt
verirrst Du Dich im Gegenverkehr
und entdeckst  dort Deine große Liebe.
Das war gar nicht schwer.

 

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Du drehst dich um, Ein-Auge. Sei wachsam.
Du mischst Dich ein, genügsam verzehrst Du die herumfliegenden Bilder.
Mahlst mit stetem Kiefer, zerreibst die Steine,
Dein kundiges Gewissen verrät der Gegenwart die Zukunft,
Du baust auf Vertrauen.
Ziehst Deine Lehren aus der Vergangenheit,
leerst das Volle in einem Zug, schüttelst Dich,
füllst das schlafende Auge mit Glut, bis es brennt.
In Deinem Schlund lodern schwarzschattig die Hände des Schaffens,
drei Häuserblöcke entfernt schreit das Martinshorn,
während der Polier seine Töchter vor Dir versteckt.