0182

182

 

Abrakadabra.
Gemeinsam verschwanden wir auf einer Wiese,
die blauer war als Deine Augen grün.
Wir träumten uns in anderer Leute Leben,
des eigenen Lebens müde, aber niemals lebensmüde.
So umarmten wir den Kreis und drehten die Welt unter uns mit Füssen.
Im Tauchgang ging es auf Tuchfühlung mit den Gefühlen, den ganz grossen.
Verschwiegenheit macht durstig nach dem Quell des Ursprungs
und erlaube ich dem Erschöpften eine Rast an der Oase seiner Zufriedenheit,
dann liegt Ihr Euch in den Armen und trinkt den Sand aus den Händen Eurer Schwestern und Brüder.
Schlaft ruhig in den Köpfen der schreienden Winde, die Euch die Spuren lesen lassen.
Ohne Gnade schleift der Spiegel Falten in die Zeit
und als ich mich umdrehte am jüngsten Tag,
blätterte mein Leben von mir ab wie eine alte Tapete.
Später lag die Sonne wie Balsam auf der Haut und verbrannte meine Seele.

 

0181

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Momentan lebe ich für den Augenblick.
Ein wenn, kein aber.
Verbrenne mich am Lack meiner Nägel,
verändere die Form.
Warte an jeder Ecke
und komme ich erst einmal in Fahrt,
gibt es kein Halten mehr.
Ich muss aus mir heraus, bin mir selbst zu eng.
Und steigst Du bei mir ein, gibt es keine Garantie für nichts.
Die Stimmung hat zum Schluss mein Gesicht verbeult,
verwaist säume ich den Rand in einem Bild.
Sauge mich fest am Licht einer mir nahestehenden Laterne.
Betrinke den Zustand der Gegenwart
und während ich noch die Tränen der vergangenen Tage trockne,
liegen mir all die pulverisierten Herzen zu Füssen.

 

0180

180

 

Schwarz wie eine Katze schleicht ein mulmiges Gefühl umher.
Giesse Schatten in die Figur, die Jahresringe erzählen von der Zeit.
Ist dann das Auge auf Augenhöhe mit dem Gefühl dafür und dagegen,
nähe ich einfach eine Gestalt auf die Ebene,
gebe der Strömung die Möglichkeit, Besitz zu ergreifen. Von mir.
Erlebe mich immer wieder neu,
im Spiegel betrachtet mich mein Spiegelbild.
Während ich sorglos auf dem Eis spaziere
und dem Däumling an seinem Daumen drehe,
warten unter mir die Krokodile darauf,
dass die Sonne mit ihrer warmen Zunge das Eis schmelzen lässt.
Schnell wie eine salzige Lakritzraute ist es dann eine geschmackvolle Begegnung, vorbei an den guten Dingen löst es in mir schöne Erinnerungen aus.
Ausgezeichnet färbt der süße Eindruck einen Zahn
und spätestens wenn ich lache,
ziehen die Falten in meinem Gesicht weiter
und belustigen einige Schaulustige.
Selten geht man dort vor Anker,
an Stellen wo das Wasser tiefer ist als der stille See.
Denn während ich noch voller Anteilnahme schweigend ins Gebet vertieft bin,
mich auf Knien hin und her wiege,
spüre ich einen kehligen Drachen in mir aufsteigen.
Das geschnittene Haar fällt mir auf die Schulter und wärmt den geleisteten Schwur.

 

0179

179_S

 

Das setzt dem Ganzen die Krone auf
und wenn ich nicht mehr König von Deutschland sein werde,
heirate ich die Prinzessin unter der Erbse.
Hinter den Hügeln an den Bergen,
zwischen den sieben Winden
und dem Raunen des Waldes,
im Angesicht des Vergessens,
am Fusse eine Bachlaufes,
dort wo mein Herz begraben scheint.
Zwischen den Ängsten und der Angst,
zwischen den Wolken, auch wenn sie verhangen sind.
Auch Wölfe schlafen gerne in einem Schafspelz,
verdächtig nur, dass weit und breit kein Schwein zu sehen ist.
Tief liegen die Augen unter der Rinde
und zornig beisst ein mundloses Lächeln Löcher in die Landschaft.
Fliehe, so lange es noch eine Flucht gibt.
Entkomme Dir selbst.
Schreie laut, auch wenn Dich keiner hört.
Nur Du musst verstehen.
Wiege Dich mit den Gräsern, fliege mit den Löwenzähnen davon.
Lege Dich zu den Zwergen und verreise mit den Riesen,
lasse die Elfen in den Bäumen schlafen,
kämpfe mit Deiner Phantasie und erliege ihr.
Glaube nicht immer der Wahrheit,
traue nicht immer Deinem Glauben.
Wenn jüngst der schwarze Holunder naht,
verrate ich Dir, das Füsse zum Laufen gemacht sind
und die Augen neugierige Schwämme, die alles in sich aufsaugen.
Folge Deiner Prophezeiung und nicht dem inneren Schweinehund.
Grabe Dein Herz aus dem Maul eines davonfliegenden Fisches und springe über Zäune,
traue Dich nachts in die Finsternis
und male Dir beizeiten den Tag aus, wie er dir gefällt.

 

0178

178_S

 

Tagein, tagaus wäscht eine Hand die andere,
die letzte wäscht das Gesicht.
Blind vor Zuneigung kraule ich die Bilder in meinem Kopf
und hüte mich, wie der Schäfer seine Schafe.
Bin ich der, den die Anderen in mir sehen wollen,
oder hat mich meine Geburt vertauscht.
Habe ich mich in mein Ich verliebt,
heute scheint mich der Tag zu vergessen.
Leise treibt mich die Zeit vor sich her.
Bin ich ein Astronaut im Dunstkreis meiner Umlaufbahn,
ein Taucher, der im Wasserglas ertrinkt.
Ein Schauspieler, den die letzte Einstellung erschiesst.
Ein Pilot, der Flugangst hat.
Ein Pfarrer, der vor allem sich selbst nicht mag.
Ein Seiltänzer, der Höhenangst hat.
Oder bin ich ein Verräter, mit der Furcht davor, selbst verraten zu werden.
Jetzt lege ich mir noch ein Kissen zurecht,
schaue aus mir heraus
und meine, zu verstehen.
Sicher bin ich mir nicht.
Sicher ist nur das Amen in der Kirche.

 

0177

177_S

 

Die Wahrheit ist, dass der lügt, der flüstert.
Dass der Faktor Unsicherheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
eine nicht ganz untergeordnete Rolle spielen könnte.
Der Ausdruck trägt eine Gleichgültigkeit durch die Gruppe,
es macht den Anschein einer Gleichförmigkeit, jeder ist individuell.
Vergiss den Auftrag. Deinen Weg. Deine Vorsätze.
Gut, wenn man welche hat,
aber verkaufe sie an den Krämer am Ende des Lichts.
Strecke Dich, übernehme den Tag.
Zeige Dich und Du wirst erkennen.
Gib den Anderen eine Vorstellung, damit sie im Ansatz eine Ahnung bekommen,
wie etwas entstehen kann, was der Wind mit unseren Köpfen macht.
Wohin die Sonne auch scheint, Du wirst vor ihr da sein.
Die List ist die Schwester der Tücke.
Wende sie an, wenn niemand es von Dir erwartet.
Der eine Narr traut dem anderen nicht,
nimmt den Vorwand als Gerüst aus Langeweile und Zeitvertreib.
Und hier und da stehen die Lügen auf kurzen Beinen,
wispern Dir ihre Versionen in die Poren.
Ein Vulkan bricht am Ende die Lanze
und die Mehrzahl hat mehrfach recht gehabt mit der Aussage,
die Hingabe sei die Mutter jeden Anfangs.

 

0176

176_S

 

Als ich mich aufmachte, meine Erinnerungen zu besuchen,
verbrannten sich auf dem Weg dorthin alle Vorbilder.
Ich streute mir ihre Asche auf mein Haupt
und fing die entlaufene Angst wieder ein.
Zahnlos nagte sie in mir
und ich bat sie nun,
mich nicht mehr zu ängstigen.
Ich log sie an und streichelte die verkohlten Schatten,
ihre Augen glühten laut.
Langsam schlief die Umgebung ein
und bevor der Hahn die Henne weckt,
waren meine Ideale verschwunden.
Der Weg lief weiter am Geschehen vorbei
und ich wusch meine Hände mit ihrer Asche rein.
Wer hat gesehen, wie ihnen geschah
und welch Gnade erfährt die späte Geburt.
Im Sommer brennen die Wälder.
Sachdienliche Hinweise bitte an die nächste Polizeidienststelle
oder an das Matuschinski Hauptquartier.

 

0175

175_S

 

Du führst mich an der Nase herum,
Deine Hüfte verschmilzt das Eis in meiner,
Dein blütenweiches Gesicht ruht auf der schwerelosen Schulter.
Bevor es gar nicht mehr geht, schwebt das Parkett auf und davon,
unsichtbar schweisst uns eine wässrige Melodie zusammen.
Ich glaube, noch schöner, als bis an den Rand unserer Gefühle zu tanzen,
wäre es, in Deinen Armen sterben zu dürfen.

 

0174

174_S

 

Es war einmal eine Geschichte,
die hat sich schnell selbst erzählt.
Es war einmal ein Bild,
das kam in beträumten Tagen zu mir.
Es war einmal ein Abenteuer,
das war gefährlicher als die Liebe.
Es war einmal ein Tag,
der wurde jeden Tag neu geboren.
Es war einmal eine Idee,
die wurde geklaut, von einer anderen.
Es war einmal ein Freund,
den man am besten nie vergisst.
Es war einmal ein Vergnügen.
Nichts spricht dagegen, vergnüglich zu sein.
Es war einmal ein Gefühl,
das hatte eine Farbe. Und einen Klang.
Es war einmal eine Lüge,
die war grausamer als die Wahrheit.
Es war einmal ein Augenblick,
der war kürzer als ein unausgesprochenes Wort.
Es war einmal eine Umarmung,
die war näher, als man sich selbst nah sein kann.
Es war einmal ein Feuer,
das schlug mit seinen brennenden Flügeln nach mir
und erklärte sich bereit, mein Liebhaber zu sein.

 

0173

173_S

 

Das Leben ist ein nebliger Vorhang aus Gesichtern,
aus Gerüchen und Gerüchten, aus Vorwand und Missgeschick.
Die Verzweiflung ist ein stumpfes Schwert, schlägt ein Knie entzwei.
Mut ist ein Kleid aus Vorwürfen, ein Gewand aus Zustimmung und Zerstreuung.
Hoffnung ist ein alter, ledriger Hut. Zieht am Gesicht, erbarmt sich nicht.
Die Zeit. Sie ist ein pochendes Herz, ein Marathon. Ein Für, ein Wider.
Vergänglichkeit ist ein ruheloser See, ein Wind, ein Sturm, ein Wasser.
Tief wie eine Stimme aus Kohle.
Da liegt Ihr nun. Im Zweifel Eures Angesichts. Aller Kraft beraubt.
Die Hingabe ist eine Strophe im Licht.
Das Scheitern ein Theaterstück aus Gelächter und Mitleid,
eine Garderobe aus Zorn und Neid.
Langsam laufen die Bilder wie Sand aus den Fingern.
Jetzt ist es an der Zeit, Lebewohl zu sagen.