0145

145_S

 

Fantastisch.
Das Gelbe pfeffert das Runde ins Aus,
langsam zerfliessen auch endlich die Steine,
und ich schwöre, beim Barte des Propheten,
der edle Tropfen höhlt die Augen und schönt den Abend.
Bevor Dein Cholesterin in den Spiegel blickt,
drehe doch lieber noch eine Runde
im Kreisel eines Junggesellenabschieds
und lass Dir nichts erzählen.
Später gibt es gebratenen Speck,
bis Euch die Schweine ausgehen
und in der Pfanne lauter verrückte Hunde,
gerade zu vorgerückter Zeit.
Findest Du Dich dann unter einem Findling wieder,
wende das Blatt und vergiss nicht die Bohnen.
Die gehören zum Speck wie die Made ins Klavier.
Am Ausdruck, an der Haltung, erkennt man den Kenner.
Der Linienbus fährt in den nächsten fünf Minuten ab in Richtung Hühnerfarm
und Calimero trägt die Schale bis zum Scheitel.
Ihr entdeckt mich auf dem Sonnendeck,
der Ursprung liegt im Urknall und ich sehe im Pazifik
eine Art Inselbegabung auf mich zukommen.
Das sind hier keine Kinkerlitzchen,
aber irgendwie sollte dieses oder jenes
nicht überbewertet werden.

 

0144

144_S

 

Halleluja.
Hier schleicht ein übler Schlendrian durch das Revier
und steht der Fügung um nichts nach.
Muxmäuschenstill fällt das Blatt,
der Zeiger steht derzeit auf fünf Uhr. Mitteleuropäisch.
An der Fahne erkenne ich den Wind und in welche Richtung er flieht.
Überquere in meinen Kreuzzügen die Kreuzungen
und beachtet bitte den Stellenwert von alleinstehenden Häusern.
Hinter Gittern verschanzt sich die Familie,
in Schrittgeschwindigkeit rückt die grausige Verwandtschaft an.
Gardinen lassen Gesichter verschwinden
und im Vorgarten ruht der verstorbene Hund.
Der Asphalt flüstert die Zahlenkombination für die Haustür,
verrät die Absichten. Absichtlich.
Die Erben erwarten sehnsüchtig ihr Erbe.
Wir sind doch nur die Summe unserer Teile
und summa summarum ist eigentlich
zu viel Wohnraum für so wenig Freude.
So wenig Empathie.
Lass uns noch den faradayischen Käfig vor dem nächsten Regen in die Einfahrt stellen
und beginnt es wider erwarten doch zu blitzen,
mache ich ein Bild von Dir und hänge es an meinen Spiegel.
Slow.
Motion.
Aber sollte etwas passiert sein,
dann kann der Fall bald zu den Akten.

 

0143

143_S

 

Gehst Du mit mir aus.
Kann Dich nicht vergessen.
Lässt Du Dich von mir entführen.
Später sage ich Dir, wohin.
Im Atelier einer Notwendigkeit
beichtest Du mir die Geheimnisse
Deiner Dir Anvertrauten.
Als Strafe schiesst der nadelspitze Boden
mit roten Hüten zurück.
Sei auf der Hut,
das lamellige Fleisch winkt
aufgeregt aus dem bunten Blättergrab.
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit.
Von hier oben mag ich Dich besonders gern,
fange die Fliegen mit der Hand
und putze mir die Augen,
damit ich Dich besser sehen kann.
Ich sitze am Fenster,
schaue aus mir heraus,
knirsche mit den Zehen
und schneide dem Windschatten die Segel.
Nun beblättere ich noch den Kalender meiner Jahre,
staune über die kleinen Dinge und stolpere in mich hinein,
räuspere laut in den leisen Momenten,
lege mich zu Dir und ich bekomme nie genug
von dem Duft der ewigen Bäume.

 

0142

142_S

 

Die Musterknaben laden ihre Musketen mit Muskatnüssen
und schiessen die Wolken ins All.
Erschrecken die Musterschüler auf ihren Bänken,
eine Zensur gibt es nicht.
Zerreiben die Bilder auf ihren Linsen zu Staub,
vorher kommt die Asche.
Blitzgescheit ist der,
dessen Person im Unterholz verschwindet,
sich nicht im Tagesgeschehen verschwendet,
hochglanzpoliert auf dem Café-Tisch verendet
oder im Smalltalk als Sodbrennen Hälse verdreht.
Verzeihung, aber der rote Teppich fliegt heute ohne Sie davon.
Ein Schelm, dem da nichts übles schwant und bei allem Respekt:
Ich fürchte wir sind nicht auf einer Wellenlänge.
Aber Danke für das Gespräch.

 

0141

© MatuSchinski

 

Die Spuren hinterlassen ein Gesicht in einem Gesicht.
Scheinbar betrügt der Schein den Schein.
Könnte sein.
Lass es sein.
Es kommt von allein.
Es bedarf keiner Hilfe.
Beschreie nicht den Schrein,
verstecke die Axt im Wald.
Oder im Schilfe.
Wenn bei einem Versuch alle Stricke reissen,
bleibt versuchter Mord unerkannt
und unbekannt bleibt fremd am Tatort.
Die Ermittler ermitteln,
Fußabdrücke gibt es überall.
Wasser ist selten auf den Mühlen,
der Müller verschenkt seine Müllerin an die Holzfäller.
Blut ist so dick, wie Blut dick ist.
Im Stroh versteckt die Witwe ihren Mann,
gerne wäre er ein Strohwitwer gewesen.
Aber ohne Spesen hält sich der Kurschatten nur eine Nacht.
Schlecht zu wissen ist wenig und ein schlechtes Wissen weniger.
Ein reines Gewissen ist ein reines Gewissen,
ist wie ein weiches Kissen.
Dort ruht ganz sanft der Kopf und die Seele,
möchte es nicht mehr missen.
Holzauge sei wachsam,
Holzauge sei achtsam.

 

0140

© MatuSchinski

 

In leeren Räumen fange ich gerne an zu träumen.
Säume mich gerne mit einem Zwirn,
einem Samt, dass meine Mutter mich nicht erkannt.
Vertäue den Körper mit kostbarer Schnur,
verteuere mein Ich.
Ein Blick in die Garnitur gibt mir Recht,
gar nicht mal schlecht, Herr Specht.
Trage zur Garderobe gerne auch mal die Robe,
geschniegelt und gestriegelt,
jedoch nicht eingeigelt.
Lackschuh am Fuss und die Anderen schauen
wie gelackmeiert.
Am Hals klebt der Schlips,
iss niemals Chips
in Verbindung mit dem Tragen von Anzügen.
Das ist anzüglich.
Viele Leute ergeben eine Meute
und bei zu vielen Klamotten
bekomme ich die Motten.
Denen gebe ich die Kugel,
der Falter kugelt sich vor Lachen.
Manche Sachen muss man einfach machen,
muss man einfach machen.
Amüsant, wie wir uns amüsieren
und jedes Tierchen hat sein Pläsierchen.

 

0139

© MatuSchinski

 

Rette sich.
Rette sich wer kann,
bald könnte das Meer an uns ertrinken.
Wir zerfallen dabei wie Staub.
Wie Sternenstaub und nähren dabei die Augen der Anderen.
Blenden uns in ihr Gedächtnis.
Erst unbeschwert. Dann voller Vorwürfe.
Ausgeblendet. Ausgezeichnet.
Blind von all dem tanzenden Licht beruhigen uns die Ausreden,
blasen die Wirklichkeit auf, bis die Bilder platzen. In uns.
Halte Dich gut fest, ein Sturm zieht auf.
Die Sorge ist ein Nichtschwimmer und ertrinkt in unserem Vergessen.
Bewusstlos im Nichtschwimmerbecken.
Im Vorgarten der Reihenhaussiedlung.
Gerne machen wir Urlaub von den Geschehnissen.
Alles, was nicht vor unserer Haustür parkt, ist nicht zu begreifen.
Ich glaube ab jetzt nur noch das, was stimmt.
Zu weit entfernt von unseren Kaffeemaschinen, der morgendlichen Dusche.
Unseren Bausparverträgen und Lebensversicherungen.
Wer Angst hat vor dem Leben, versichert seins.
Und kann sicher sein, denn sicher ist sicher.
In Zeiten großer Unsicherheit.
Finde mich, ich bin die Nadel im Wasser und ich kann nicht schwimmen.
Bitte rette mich.

 

0138

© MatuSchinski

 

Jetzt. Jetzt gleich schaue ich nach Dir.
Halte die Luft an im Kreis
und atme Dir nach. Dich ein.
Schaue noch ein wenig in die Ferne.
Fülle meine Lungen in der Tiefe,
sehe Dich dort hinten zwischen den schlafenden Bäumen,
die verräterisch ihre Köpfe zusammen stecken.
Umzingelt haben sich alle Erinnerungen,
in der Mitte verwässert sich das Wasser.
Du faltest die Hände und rätst mir zu schweigen,
trägst noch unseren Ring und ich an der Ewigkeit.
Endlich sein bedeutet, unendlich zu denken.
Versprechungen einhalten ist selten menschlich,
geschweige denn möglich.
Die Zeit reist ihren Wunden nach
und Heilung verspricht nur der Heiland.
Nehme ihn beim Wort und folge seinem Windschatten,
so wie ich unseren suche.
Der Tag gewährt mir Unterschlupf,
die Nacht überholt mich ständig.
Setz Dich doch zu mir.
Dann kann ich schlafen.
Du fehlst mir.

 

0137

© MatuSchinski

 

Am Wegesrand stehen,
und dem Vorbeigehen zusehen.
Der Geschwindigkeit,
wie sie ist in Eile,
während ich hier verweile.
Den Gezeiten, die sich beizeiten beeilen.
Dem Umbruch, der sich einen Abbruch tut.
Dem Zebra, wie es beim Laufen über den Zebrastreifen seine Streifen einsammelt.
Wo der Ohrwurm seine Melodie her hat.
Dem Strom, wie er ständig seine Richtung ändert
und der Bettwanze, wie sie flüchtig das Bett verlässt.
Und dem Tauchsieder, der gar nicht tauchen kann.
Dass ein Ampelmännchen farbenblind ist.
Ein Hund der beisst, kann nicht bellen.
Wie der Regenwurm dem Regen entkommt,
ein Drache sich den Rachen verbrennt.
Und dem Schäfer, der vor dem Schlafengehen vergessen hat,
seine Schafe zu zählen.

 

Audiorike

 

0136

© MatuSchinski

 

Don’t touch me.
Spekulationen ausdrücklich erwünscht.
Du hast Deine Werte. Deine Vorstellungen.
Wie immer. Wie alle anderen.
Tagein. Tagaus.
Der gleiche Kopf.
Die gleiche Kraft.
Dieselben Gedanken.
Kaum noch Mut. Ähnliche Gefühle.
Müde Gesichter unter grauer Schale.
Eingeschlafene Gesten.
Stumm stirbt die Liebe.
Herzlichen Glückwunsch.
Das geht Dir auf den Keks.
Das Rezept lautet:
Spann den Wagen an, treibe den Regen vor Dir her.
Das setzt dem Ganzen die Krone auf
und Du regierst ab jetzt die Regierungen.
Die Stimmungen.
Das Klima.
Den Klimawandel.
Verbietest den Gebietern ihr Reich.
Tauchst Du mit mintgrünen Wolken am Tellerrand auf,
verzieht der Nachbar am Nebentisch wahrscheinlich sein Gesicht
und anschließend Leine.
Lass uns noch einmal mit den Augen berühren,
schauen wie der Andere guckt.
You are always on my mind.