0139

© MatuSchinski

 

Rette sich.
Rette sich wer kann,
bald könnte das Meer an uns ertrinken.
Wir zerfallen dabei wie Staub.
Wie Sternenstaub und nähren dabei die Augen der Anderen.
Blenden uns in ihr Gedächtnis.
Erst unbeschwert. Dann voller Vorwürfe.
Ausgeblendet. Ausgezeichnet.
Blind von all dem tanzenden Licht beruhigen uns die Ausreden,
blasen die Wirklichkeit auf, bis die Bilder platzen. In uns.
Halte Dich gut fest, ein Sturm zieht auf.
Die Sorge ist ein Nichtschwimmer und ertrinkt in unserem Vergessen.
Bewusstlos im Nichtschwimmerbecken.
Im Vorgarten der Reihenhaussiedlung.
Gerne machen wir Urlaub von den Geschehnissen.
Alles, was nicht vor unserer Haustür parkt, ist nicht zu begreifen.
Ich glaube ab jetzt nur noch das, was stimmt.
Zu weit entfernt von unseren Kaffeemaschinen, der morgendlichen Dusche.
Unseren Bausparverträgen und Lebensversicherungen.
Wer Angst hat vor dem Leben, versichert seins.
Und kann sicher sein, denn sicher ist sicher.
In Zeiten großer Unsicherheit.
Finde mich, ich bin die Nadel im Wasser und ich kann nicht schwimmen.
Bitte rette mich.

 

0138

© MatuSchinski

 

Jetzt. Jetzt gleich schaue ich nach Dir.
Halte die Luft an im Kreis
und atme Dir nach. Dich ein.
Schaue noch ein wenig in die Ferne.
Fülle meine Lungen in der Tiefe,
sehe Dich dort hinten zwischen den schlafenden Bäumen,
die verräterisch ihre Köpfe zusammen stecken.
Umzingelt haben sich alle Erinnerungen,
in der Mitte verwässert sich das Wasser.
Du faltest die Hände und rätst mir zu schweigen,
trägst noch unseren Ring und ich an der Ewigkeit.
Endlich sein bedeutet, unendlich zu denken.
Versprechungen einhalten ist selten menschlich,
geschweige denn möglich.
Die Zeit reist ihren Wunden nach
und Heilung verspricht nur der Heiland.
Nehme ihn beim Wort und folge seinem Windschatten,
so wie ich unseren suche.
Der Tag gewährt mir Unterschlupf,
die Nacht überholt mich ständig.
Setz Dich doch zu mir.
Dann kann ich schlafen.
Du fehlst mir.

 

0137

© MatuSchinski

 

Am Wegesrand stehen,
und dem Vorbeigehen zusehen.
Der Geschwindigkeit,
wie sie ist in Eile,
während ich hier verweile.
Den Gezeiten, die sich beizeiten beeilen.
Dem Umbruch, der sich einen Abbruch tut.
Dem Zebra, wie es beim Laufen über den Zebrastreifen seine Streifen einsammelt.
Wo der Ohrwurm seine Melodie her hat.
Dem Strom, wie er ständig seine Richtung ändert
und der Bettwanze, wie sie flüchtig das Bett verlässt.
Und dem Tauchsieder, der gar nicht tauchen kann.
Dass ein Ampelmännchen farbenblind ist.
Ein Hund der beisst, kann nicht bellen.
Wie der Regenwurm dem Regen entkommt,
ein Drache sich den Rachen verbrennt.
Und dem Schäfer, der vor dem Schlafengehen vergessen hat,
seine Schafe zu zählen.

 

Audiorike

 

0136

© MatuSchinski

 

Don’t touch me.
Spekulationen ausdrücklich erwünscht.
Du hast Deine Werte. Deine Vorstellungen.
Wie immer. Wie alle anderen.
Tagein. Tagaus.
Der gleiche Kopf.
Die gleiche Kraft.
Dieselben Gedanken.
Kaum noch Mut. Ähnliche Gefühle.
Müde Gesichter unter grauer Schale.
Eingeschlafene Gesten.
Stumm stirbt die Liebe.
Herzlichen Glückwunsch.
Das geht Dir auf den Keks.
Das Rezept lautet:
Spann den Wagen an, treibe den Regen vor Dir her.
Das setzt dem Ganzen die Krone auf
und Du regierst ab jetzt die Regierungen.
Die Stimmungen.
Das Klima.
Den Klimawandel.
Verbietest den Gebietern ihr Reich.
Tauchst Du mit mintgrünen Wolken am Tellerrand auf,
verzieht der Nachbar am Nebentisch wahrscheinlich sein Gesicht
und anschließend Leine.
Lass uns noch einmal mit den Augen berühren,
schauen wie der Andere guckt.
You are always on my mind.

 

0135

135_S

 

Da schnallst Du ab.
Wer hier unangeschnallt durch die Landschaft schleicht,
länger als die Dauer,
legt sich auf die Lauer.
Dann legt die Wanze ein Ohr an die Schiene.
Zugegeben. Zugehört.
Dem gräbt die Grube schnell ein Loch.
Als Jäger. Schon auf der Flucht.
Dann und wann wird der Jägersmann zum Gejagten,
ist es wie immer und mit allem.
Die Harten kommen in den Garten.
Willst Du immer Deinen Willen.
Um Himmelswillen.
Beweise Willensstärke, verkleide Dich als Zeuge.
Aus Überzeugung.
Als Bär vielleicht, oder als Hofnarr.
Eine Antilope wolltest du sein. Erinnere Dich.
Im Kopfkino betatschen sich die Synapsen
und beklatschen die weite Steppe Deiner Phantasie.
Das glaubst Du nie.
Herden voller Traumhelden, Tagpartner und Nachtportiere.
Alle sind sie hinter Dir her.
Ich warte, bis Du nach Hause kommst,
mit dem Waffeleisen hinter der Türe.
Puderzucker am Kinn.
Milchschweine, die im Honigsee schwimmen,
ein Bademeister aus Schokolade, der nicht baden möchte,
gebratene und karamellisierte Regenwürmer,
geschmacklose Begegnungen,
geschmackvolle Abschiede.
Zauberhaft. Teilweise Ekelhaft .
Luftballons voller Zuckerwatte
und im Zylinder wartet das Kaninchen in Erdnußsoße.
Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

 

0134

134_S

 

Du gefällst mir.
In den Algorithmen meiner Sympathien fällst Du besonders auf.
Nur wenige Zentimeter
und ich könnte Dich kielholen
im Quell meines Mundwassers.
Verfängst Dich in den Fäden meiner Gesprächigkeit,
im Netz meines Charmes.
Das ist frech aber so breche ich Dein Zögern.
Wiederstand.
Zwecklos.
Du kannst nicht anders.
Verliebst Dich in mich.
Ich kann es verstehen.
Der Himmel.
Der Himmel hängt voller Geigen.
Im Hintergrund verspielt die Affinität zur Albernheit
in einem Duell ihre Chancen.
Chancengleichheit.
Nicht zu verwechseln mit dem Verlust des Gesichts,
der Gesinnung,
dem Mangel an Disziplin.
Nur der, der sich zum Tier macht,
sich von dem Leid befreit,
ein Mensch zu sein.

 

0133

133_S

 

Wie lautet die Botschaft.
Lege Zeugnis ab für das,
was Du tust und getan hast.
Predige bis kurz vor Schluss.
Lade Deine Jüngsten zum Mahl
und vergnüge Deinen Gaumen.
Lasse teilhaben einen Teil,
vielleicht den größeren,
von denen, die es verdienen.
Weihe uns ein in die Anklage Deiner Mittel,
in die Rezeptur Deiner Zurückhaltung.
Wie klingt es, wenn der Vorhang fällt
und die Warteschlange nicht mehr warten kann.
Verlange ruhig Eintritt
und verteile das Geld an die Reichen.
Die können dann unter sich bleiben.
Weiterhin.
Am Geschmack erkennt man die Geschmäcker,
rotweiss warnt Dich vor herannahenden Zügen.
Lebe hier und da auch mal ungesund .
Die Öffnungszeiten erfahren Sie an anderer Stelle.

 

0132

132_S

 

Das glaubst Du nicht.
In geschlossenen Räumen,
da verbrennen die Kalorien.
In der Annahme einer Anamnese
bügelst Du Dir die Klamotten vom Leib.
Föhnst Dir die Haare vom Kopf
und wäscht Dir die Haut von den Knochen.
Dadurch wirkst Du unheimlich erleichtert.
Schüchternheit ist eine Tugend
aber benutze beim nächsten Mal den Bademantel.
Mache bitte, bitte keine Gefangenen
und sei ein Pirat auf der Galeere Deiner Meinungsfreiheit.
Leider bist Du leicht zu durchschauen,
das macht Dich auf eine Art sympathisch,
auf eine andere läßt es Dich windig, zuweilen zwielichtig, erscheinen.
Eine Leuchte warst Du noch nie,
auf dem Schulhof immer alleine.
Der Arzt wird Dich gleich für die nächsten Wochen krankenhausreif schreiben
und gegen Mittag schlägt die Wanduhr zwölf.

 

0131

131_S

 

Lass Dein Haar herab,
Deine Note schwängert die Landschaft.
Melodisch duftet Deine Stimme.
Mein Körper wirkt ausgezehrt,
ich sehne mich nach Anerkennung.
Meine Sehnen sind angespannt,
ein Zwischenraum zerreisst die Stille.
Du spielst mit mir, ich spiele mit
und lauter als jede Laute läuten alle Glocken.
Dort hängen im Turm die Schläge aus Metall
und es ist wie es ist und zum Mäuse melken.
Ich finde einfach keinen Ton,
wenn ich unten an Deinem Fenster stehe
und heimlich übe ich auf der Wiese hinter dem Grün,
wippe mit dem Fuss im Takt der Halme,
krempele mir die Beine hoch
und der Regen lässt mein Gesicht schrumpfen.
Bitte entdecke mich,
danach gibt es keine Fisimatenten mehr.
Später stimme ich noch mein Gefühl (auf ein hohes C vielleicht )
und betrinke mich an Dir
oder am Sonnenlicht,
das gerade im Rasen versickert.

 

0130

130_S

 

Hier spüre ich Turbulenzen zwischen all den Toleranzen.
Wo sind unsere Wurzeln, wo beginnen wir.
Wo kommst du her.
Wer rät Dir zur Flucht.
Bezahle den Schuster und laufe um Dein Leben.
Wen lassen wir ganz nah und wo sind unsere Grenzen.
Gebietet der Anstand nicht anständig zu sein.
Wem gehört das Niemandsland.
Niemand hat Anspruch auf niemanden.
Und auf Nichts.
Wie schützen wir uns.
Vor dem Fremden in uns,
dem Unverständnis der Anderen.
Verständigung ist eine Sprache.
Weg da, ich habe es eilig.
Kaufe mir noch schnell ein paar Luftschlangen
und fessele damit meine Beute.
Heute abend gibt es frisch gefangene Freiheit.
Und flüchtet sich und fürchtet sich und findet den Ausweg nicht.
Und den Eingang.
Hinter jedem Versteck könntest Du dich verstecken.
Oder wir uns. Wir beide.
Wie ist die Quote.
Stecken die Linie und das Land
überrollen wir mit Stacheldraht,
verbieten das freundlich sein
und wer die Arme öffnet, um offen zu sein,
den holen die, die von allen guten Geistern verlassen sind.
Hier sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa.